Geschichte

12 historische Luftbilder: So sah Berlin früher aus

Heutzutage kann man Drohnen beim Discounter kaufen und spektakuläre Luftbilder für wenig Geld einfach selber machen. Früher war das nicht ganz so leicht, Luftbilder waren etwas Besonderes. Wir blicken von oben herab auf die Geschichte der Stadt: 12 historische Luftbilder, die den Wandel Berlins zeigen.


Luftbild von Berlin-Köpenick

Historische Luftbilder von Berlin: Altstadt Köpenick in den 1930er-Jahren. Foto: Imago/Arkivi
Historische Luftbilder von Berlin: Altstadt Köpenick in den 1930er-Jahren. Foto: Imago/Arkivi

Beschaulich wie eh und je zeigt sich die Altstadt auf dieser historischen Luftaufnahme. Entstanden ist das Foto in den 1930er-Jahren, erst wenige Jahre zuvor wurde die einst eigenständige Stadt nach Groß-Berlin eingemeindet – und hatte gerade erst eine Umbenennung hinter sich. Aus Cöpenick wurde Köpenick. Das Luftbild zeigt die Altstadt mit dem Rathaus Köpenick links und der Kirche St. Laurentius in der Bildmitte. Über die Spree führt die Dammbrücke, die in den 1980er-Jahren durch eine Spannbetonbrücke ersetzt wurde. Sieht aus wie früher, lohnt sich auch heute: Immer Aktuelles zu Köpenick findet ihr hier.


Reichssportfeld

Das heutige Olympiagelände, damals "Reichssportfeld", in einer Luftaufnahme aus den 1930er-Jahren. Foto: Imago/Arkivi
Das heutige Olympiagelände, damals „Reichssportfeld“, in einer Luftaufnahme aus den 1930er-Jahren. Foto: Imago/Arkivi

Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren ein voller Propaganda-Erfolg für die Nazis – und architektonisch ein gigantisches Vorhaben. Das Olympiastadion selbst ersetzte den Vorgängerbau, das Deutsche Stadion, an gleicher Stelle. Die Anlage vor dem Monument der NS-Architektur hieß damals „Reichssportfeld“. Mit baulichen Formen nach antiken Mustern setzte man hier auf Überwältigung – und inszenierte das Areal auch mit Luftbildern. Mehr Fotos aus der Geschichte des Olympiastadions von Hitler bis heute findet ihr hier.


Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Kurfürstendamm mit Gedächtniskirche und Gloria-Palast, historische Luftaufnahme aus den 1930er-Jahren. Foto: Imago/arkivi
Kurfürstendamm mit Gedächtniskirche und Gloria-Palast, historische Luftaufnahme aus den 1930er-Jahren. Foto: Imago/arkivi

Heute ist sie eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins: die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Ihr heutiges Erscheinungsbild weicht dabei vom Ursprungszustand des Sakralbaus ab. Die im Krieg zerstörte Kirche ist als Ruine teilweise erhalten und durch einen spektakulären Neubau von Egon Eiermann ergänzt.

Diese historische Luftaufnahme zeigt den Kurfürstendamm in den 1930er-Jahren, bevor er in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist noch ein intakter neoromantischer Bau, links im Bild sieht man auch den alten Gloria-Palast, der 1943 zerstört wurde. Der Nachfolgerbau war ab 1953 Austragungsort der Berlinale. Mehr Fotos aus der Geschichte des Kurfürstendamms findet ihr hier.


Historische Luftbilder von Kreuzberg nach dem Krieg

Historische Luftaufnahme von Kreuzberg, circa 1958. Foto: Imago/Gerhard Leber

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kreuzberg ein Trümmerfeld – und wurde so auch zum großstädtischen Labor, um neue Konzepte zu erproben. Historische Luftbilder dokumentieren diesen Wandel. Auf dem Foto mit Blickrichtung Süden ist mittig der Landwehrkanal zu sehen, rund ums Hallesche Tor. Die Grünfläche ist der Dreifaltigkeitsfriedhof, davor steht die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz, deren Grundstein 1952 gelegt wurde. Am anderen Ufer sind die Schäden auf diesem um 1958 entstandenen Luftbild noch deutlich zu erkennen: Der ehemalige Belle-Alliance-Platz, heute Mehringplatz, ist total zerstört, nur die Verkehrsführung ist erhalten. Erst Hans Scharoun und dessen Schüler Werner Düttmann verwirklichten neue Gebäude an dieser Stelle.


Alles neu: Hansaviertel von oben

Historische Luftbilder zeigen, wie stark das Hansaviertel architektonisch von Gründerzeit-Stadtplanung abweicht. Foto: Imago/Gerhard Leber
Historische Luftbilder zeigen, wie stark das Hansaviertel architektonisch von Gründerzeit-Stadtplanung abweicht. Foto: Imago/Gerhard Leber

Weiter westlich zeigt sich, wie weit der Wiederaufbau um 1958 schon fortgeschritten war. Im Norden sieht man die Spree, unten den Großen Tiergarten, in der Mitte des Luftbildes allerdings keine historische Bausubstanz mehr. Hier ist im Rahmen der Architektur-Ausstellung „Interbau 57“ mit dem Hansaviertel ein Zeugnis der Moderne entstanden. Entlang der Stadtbahn liegen die Punkthochhäuser, zwischen den zahlreichen Grünflächen befinden sich große Wohnanlagen, für die international renommierte Architekt*innen Entwürfe lieferten. Mehr zum Hansaviertel, dieser spektakulären Absage an den Altbau, lest ihr hier.


Luftaufnahme zeigt Fortschritt der Stalinallee

Ds Großprojekt „Stalinallee“. Foto: Imago/Gerhard Leber

Der Westen wollte sich modern geben, die DDR hingegen verfolgte andere ästhetische Ziele: Das Großprojekt „Stalinallee“ in Friedrichshain orientierte sich an der preußischen Schinkelschule – Plattenbau-Architektur, die repräsentativ sein sollte für die Hauptstadt der DDR. Mittig im Bild sieht man die Spree, das Luftbild mit Blick nach Süden ist um 1958 entstanden. Zahlreiche Blöcke des Prachtboulevards, den man unten im Bild erkennt, sind zu diesem Zeitpunkt schon fertiggestellt. Der Strausberger Platz ist noch schlicht und grün, erst 1967 wurde er aufwendig gestaltet. Seit 1961 heißt der Boulevard Karl-Marx-Allee. Mehr darüber lest ihr hier.


Messegelände und Haus des Rundfunks

Messe-Parkplatz, Haus des Rundfunks – und viele Villen: Westend aus der Luft, um 1958. Foto: Imago/Gerhard Leber
Messe-Parkplatz, Haus des Rundfunks – und viele Villen: Westend aus der Luft, um 1958. Foto: Imago/Gerhard Leber

Hier prallen Welten aufeinander: Eines unserer historischen Luftbilder von Berlin, ebenfalls entstanden in den späten 1950er-Jahren, zeigt Westend rund um den Theodor-Heuss-Platz. Links im Bild stehen Autos auf dem Parkplatz vorm Messegelände, hinter dem Hammarskjöldplatz schließt das Palais am Funkturm an. Rechts erkennt man die gewaltigen Ausmaße des Hauses des Rundfunks – ein tolles Beispiel für expressionistische Architektur in Berlin, dessen Fassade man sich aus der Nähe ansehen sollte. Hinter dem Theodor-Heuss-Platz beginnt die Reichsstraße, rechts davon erkennt man, dass das Berliner Westend vornehmlich ein Villenviertel ist.


Blick auf Schwanenwerder und Nikolassee

Havel und Wannsee von oben: Schwanenwerder um 1970. Foto: Imago/Gerhard Leber
Havel und Wannsee von oben: Schwanenwerder um 1970. Foto: Imago/Gerhard Leber

Mit Blick auf den Wannsee ist das Eiland eine der begehrtesten Wohnlagen der Stadt – für ihre reichsten Bewohner*innen jedenfalls. Die Inselstraße verbindet Schwanenwerder mit dem Festland. Die erste deutsche Version des Brettspiels „Monopoly“ trug dem Rechnung, am teuersten war dort die Inselstraße, bevor die Schlossallee diesen Platz einnahm. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten hier Fabrikanten, Bankiers, Verleger und Warenhausbesitzer in prachtvollen Domizilen, später zogen durch Zwangsversteigerungen und -verkäufe Nazi-Größen in die Anwesen. Nach dem Krieg fielen die Villen an ihre rechtmäßigen Besitzer zurück, die sie oft dem Land Berlin verkauften. Viele wurden abgerissen, Schwanenwerder war längst nicht mehr so luxuriös wie zuvor – aber noch immer ein ruhiger Flecken Erde am Wasser. Die Luftaufnahme um 1970 zeigt, wie sich kleine Boote in Wannsee und Havel tummeln. Ab zum Wannsee: 12 Tipps für einen schönen Tag am Wasser.


Historische Luftbilder: A100 und ICC

Blick von Norden auf A100 und ICC, circa 1976. Foto: Imago/Serienlicht
Blick von Norden auf A100 und ICC, circa 1976. Foto: Imago/Serienlicht

Wenn man auf den Straßen im Stau steht, offenbart es sich in den seltensten Fällen. Von oben aber zeigt sich, dass die Autostadt ihre ganz eigene Ästhetik hat. Autos, die sich auf verschlungenen Straßen durchs Stadtbild schlängeln, bunte Tupfer im Asphaltgrau der A100. Das Bild zeigt Berlin um 1976 von oben. Links erkennt man das ICC, ein heute leerstehender High-Tech-Koloss mit Aluminiumverkleidung – einer der imposantesten Neubauten im West-Berlin vor der Wende.


Mauer Kreuzberg

Die Mauer ist auf Fotos aus Zeiten der Trennung allgegenwärtig – hier ist die St-Thomas-Kirche am Rande des Westens in Kreuzberg zu sehen. Foto: Imago/Günter Schneider

Ein weiteres Bauwerk, das auf historischen Luftbildern von Berlin nicht zu übersehen ist: die Mauer. 28 Jahre lang trennten 160 Kilometer Beton Ost- und West-Berlin voneinander. Dieses historische Luftbild ist 1987 entstanden. Unten ist die St.-Thomas-Kirche in Kreuzberg zu sehen, die zum Zeitpunkt ihrer Erbauung in den 1860er-Jahren Berlins größter Sakralbau war. Zur Zeiten der Teilung begann hinter dem Mariannenplatz die DDR. Wo heute Bethanien- und Engeldamm eine Kurve machen, befand sich die Berliner Mauer, dahinter Berlin-Mitte. So einschneidend war die Berliner Mauer: Unsere Fotogalerie mit Bildern von damals und jetzt.


Potsdamer Platz 1990

Luftaufnahme vom Potsdamer Platz, 1990. Foto: Imago/Eventpress
Luftaufnahme vom Potsdamer Platz, 1990. Foto: Imago/Eventpress

Das ganze Ausmaß erkennt man nur beim Blick von oben: Der Potsdamer Platz, einst eins der Innenstadtzentren Berlins, lag nach der Wende vollkommen brach. Eines unserer historischen Luftbilder von Berlin entstand im Jahr 1990, die Mauer war bereits gefallen. Links im Bild erkennt man das Kulturforum und die Philharmonie, darüber den Großen Tiergarten, das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude. Ganz rechts oben erkennt man das östliche Stadtzentrum mit dem Fernsehturm – und Straßen, die durch die Leere verlaufen: Auf der Brache am ehemaligen Todesstreifen entstanden später das Sony-Center und Hochhäuser, aber noch herrscht Leere. Von kaiserlich bis turbulent zeigen wir euch den Potsdamer Platz hier im Wandel der Zeit.


Golf in Steglitz

Golf auf einem Gebäude des Steglitzer Kreisels, um 1992. Foto: Imago/Günter Schneider
Golf auf einem Gebäude des Steglitzer Kreisels, um 1992. Foto: Imago/Günter Schneider

Der Steglitzer Kreisel ist ein Stück altes West-Berlin. 2007 gab die Stadtverwaltung ihre Büros im 120 Meter hohen, asbestbelasteten Hochhaus auf. Geplant ist, dieses Steglitzer Wahrzeichen mit dem Bauprojekt „Überlin“ in einen Luxus-Wohnturm umzuwandeln. Unser Luftbild stammt aus dem Jahr 1992, da waren solche Pläne noch in weiter Ferne. Und obwohl die Probleme mit Asbest da längst bekannt waren, zeigt sich hier ein Bild der Sorglosigkeit. Zum Kreisel-Komplex gehört neben dem Hochhaus auch ein flacherer Anbau zwischen Schloß- und Kuhligkshofstraße (links im Bild). Auf dessen Dach befand sich, wie dieses historische Foto zeigt, eine kleine Golfanlage.


Mehr Perspektiven auf Berlin

Die Hauptstadt früher: Immer neue Geschichten über die Geschichte von Berlin findet ihr hier. Wie sieht die Stadt heute von oben aus? Das zeigen wir euch hier mit 12 Luftaufnahmen von Berlin. Von der Straße schauen wir hoch: 12 Fotos vom Himmel über Berlin mit Wolken, Blitzen und Regenbögen. Wir stellen Fotos von damals und heute gegenüber: Unsere Galerie mit 12 Fotos vom Kriegsende 1945 und denselben Orten 2020.

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