Historischer Spaziergang

Tour vom Wannsee zum Neuen Garten auf den Spuren des Krieges

Der Zweite Weltkrieg und das totalitäre Nazi-Regime haben ihre Spuren hinterlassen. Bei einem Spaziegang entlang der Havel erfährt man viel über die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Auf einer gut dreistündigen Tour vom S-Bahnhof Wannsee zum Potsdamer Hauptbahnhof geht es vorbei am Haus der Wannseekonferenz, in dem die Perversion der nationalsozialistischen Diktatur ihren grausamen Höhepunkt in der „Endlösung der Judenfrage“ erreichte. Der zweite Höhepunkt dieser ebenso natur- wie wasserreichen Wanderung ist Schloss Cecilienhof, der letzte Prachtbau der Hohenzollern, in dem nach Kriegsende die Potsdamer Konferenz tagte.

Im Haus der Wannseekonferenz wurde der systematische Massenmord an den Juden beschlossen, heute ist in dem Gebäude eine Gedenk- und Bildungsstätte untergebracht. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Im Haus der Wannseekonferenz wurde der systematische Massenmord an den Juden beschlossen, heute ist in dem Gebäude eine Gedenk- und Bildungsstätte untergebracht. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Spaziergang auf den Spuren des Krieges: Von Wannsee zum Schloss Cecilienhof

Vom Bahnhof aus geht es in Richtung Westen, wir folgen dem Flussufer vorbei an Häfen, Bootsmanufakturen und Segelclubs. Nach einigen hundert Metern taucht die Liebermann-Villa auf, das Sommerhaus des Impressionisten Max Liebermann (1847-1935). Bei einem Besuch im Sommer sind die Gärten besonders beeindruckend, die wechselnden Ausstellungen lohnen sich zu jeder Jahreszeit. Liebermann war selbst Jude, als Reaktion auf die nationalsozialistische Machtergreifung trat er aus der preußischen Akademie der Künste aus, lebte zuletzt zurückgezogen. Mehr über die Liebermann-Villa lest ihr hier.

Nur wenige Gehminuten von der pittoresken Villa entfernt liegt das Haus der Wannseekonferenz. In dem Gebäude, das heute eine Gedenk- und Bildungsstätte beherbergt, wurde der systematische Mord der europäischen Juden geplant. Die Dauerausstellung beschäftigt sich mit Antisemitismus, der Planung eines Massenmordes und dessen Folgen beschäftigt. Gerade im Laufe einer Berliner Schullaufbahn ist ein Besuch hier schon fast obligatorisch. Über Sonderausstellungen, aktuelle Veranstaltungen und mehr informiert die Institution hier.

Spaziergang vorbei am Ufer und an Ausflugslokalen

Die nächsten Kilometer geht es nun entlang des Ufers, auf der einen Seite endloses Wasser, auf der anderen der Düppeler Forst, in dem neben Rehen, Wildschweinen und anderen Wildtieren auch wilde Mufflons leben. Der Weg führt vorbei an einigen der schönen Badestellen in Berlin. Bald erreichen wir die Pfaueninsel mit ihrem vom Ufer aus sichtbaren historischen Fregattenschuppen sowie der Fassade des kleinen, aber sehr schönen Schlosses (wird aktuell saniert!). Wer sich nicht die gesamte Tour zutraut, kann sie hier zweiteilen. Der BVG-Bus 218 – oftmals ein historischer Doppeldecker – bringt Ausflügler von hier zum S-Bahnhof Wannsee.

Die nächsten Kilometer erfreuen vor allem Naturliebhaber. Der Aufstieg zum Ausflugslokal Blockhaus Nikolskoe lohnt sich, denn von der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick über die Havel. Ebenfalls für eine kurze Einkehr geeignet: das Wirtshaus Moorlake, in dem auch hochkarätige Autorenlesungen stattfinden.

Im Krieg umkämpft stellte die Glienicker Brücke später die Grenze zwischen DDR und West-Berlin dar. Foto: Imago/Camera4
Im Krieg umkämpft, stellte die Glienicker Brücke später die Grenze zwischen DDR und West-Berlin dar. Foto: Imago/Camera4

Auf der Glienicker Brücke wurden mehrfach Spione ausgetauscht

Nun kommen wir langsam in die Nähe der brandenburgischen Landeshauptstadt. Warum Potsdam immer einen Besuch wert ist, erfahrt ihr hier. Linker Hand sieht man die Ausläufer des Glienicker Parks. Mit dem kleinen Schlösschen verwirklichte Prinz Carl von Preußen (1801–1883) im Jahr 1823 den Traum von italienischem Flair am Rande Berlins. Direkt am Wasser liegt das dazugehörige Casino, das wir passieren.

Die Glienicker Brücke markiert den Übergang nach Brandenburg. Bereits im Zweiten Weltkrieg stark umkämpft, konnte ihre Sprengung nur durch Glück verhindert werden. Später bildete sie die Grenze zwischen DDR und West-Berlin. Berühmt wurde sie dafür, dass auf ihr Spione aus Ost und West ausgetauscht wurden. Sie gehört zu den interessantesten Brücken Berlins.

Nach Kriegsende tagte auf Schloss Cecilienhof die Potsdamer Konferenz. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wir halten uns am Wasser und erreichen den Neuen Garten über die Schwanenbrücke. Dort gibt es einige spannende Orte zu entdecken: die Muschelgrotte ebenso wie hölzern verkleidete Eremitage oder eine von Carl Gotthard Langhans (1732-1808), dem Architekten des Brandenburger Tors in Mitte, entworfene Pyramide, die zum einen dem Ägyptenkult jener Zeit huldigte, zum anderen eine ganz profane Funktion hatte – als Kühlschrank.

Nach Kriegsende trafen sich Churchill, Truman und Stalin auf Schloss Cecilienhof

Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin (v. l.) kamen in Cecilienhof zusammen. Das gleiche Motiv entstand noch einmal am Ende der Potsdamer Konferenz, dann allerdings mit dem neuen englischen Premierminister Clement Attlee. Foto: gemeinfrei
Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin (v. l.) kamen nach Kriegsende auf Schloss Cecilienhof zusammen. Das gleiche Motiv entstand noch einmal am Ende der Potsdamer Konferenz, dann allerdings mit dem neuen englischen Premierminister Clement Attlee. Foto: gemeinfrei

Das bei weitem bekannteste Gebäude ist das letzte Schloss der Hohenzollern, Cecilienhof, erbaut im englischen Landhausstil. Es wurde für den Kronprinzen Wilhelm (1882-1951) und dessen Ehefrau Cecilie (1886-1954) zwischen 1913 und 1917 verwirklicht. 1926 erhielten Wilhelm und Cecilie das Schloss zurück, lebten dort bis 1945, flohen dann Hals über Kopf. Die Sowjets machten kurzen Prozess und enteigneten die Hohenzollern endgültig. Bekannt wurde Cecilienhof vor allem als Ort der Potsdamer Konferenz, die dort vom 17. Juli bis 2. August 1945 stattfand und bei der die Siegermächte Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion weltpolitische Entscheidungen diskutierten.

Das ehemalige Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Militärspionageabwehr beherbergt heute die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstrafle. Foto: Imago/Martin Müller
Das ehemalige Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Militärspionageabwehr beherbergt heute die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstrafle. Foto: Imago/Martin Müller

Die Sowjets sollten noch bis 1994 rund um den Neuen Garten bleiben. In der Nähe des Schlosses schufen sie das „Militärstädchen Nr. 7“, neben Karlshorst einer der wichtigsten nachrichtendienstlichen Außenposten in der ehemaligen DDR. Über die Aktivitäten der Sowjets informiert die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam mit Ausstellungen und einem interessanten Geschichtspfad.

Ein Geschichtspfad verläuft durch das ehemalige "Militärstädtchen Nr. 7" der Sowjets. Foto: Imago/Martin Müller
Ein Geschichtspfad verläuft durch das ehemalige „Militärstädtchen Nr. 7“ der Sowjets. Foto: Imago/Martin Müller

Wer nach all dem noch Muße hat, sollte weitermarschieren in Richtung Potsdamer Innenstadt, die ebenfalls voller Highlights steckt, wie dem Holländischen Viertel, dem Brandenburger Tor mit anschließender Flaniermeile, und dem Museum Barberini. Für alle anderen gibt es die Möglichkeit, mit einer der diversen Tram- oder Buslinien zum Potsdamer Hauptbahnhof zu fahren.


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