Berlin verstehen

Karneval der Kulturen in Berlin: Besondere Momente aus 24 Jahren

Als einer der größten Straßenumzüge Deutschlands hat sich der Karneval der Kulturen fest in Berlins Jahreskalender integriert. Seit 1996 ist es am Pfingstwochenende rund um den Blücherplatz sehr bunt. Wie keine zweite Veranstaltung steht der Straßenumzug für das weltoffene, kulturell reiche und freundliche Berlin. Das „Berliner Pfingstwunder“ kann nun zum zweiten Mal nicht stattfinden. Wir erinnern an besondere Momente des Karneval der Kulturen der letzten 24 Jahre.

Karneval der Kulturen in Berlin Kreuzberg 2018. Foto: Imago/Le Pictorium

Der erste Karneval der Kulturen als Antwort auf Rostock-Lichtenhagen

1996: Kostümierte Tänzer:innen auf dem Karneval der Kulturen in Berlin. Foto: Imago/Sven Lambert

Im Oktober 1993 eröffnete die Werkstatt der Kulturen in Neukölln. Der Veranstaltungsort war bis 2019 Begegnungsstätte vieler Berliner:innen. Die regelmäßigen Treffen und künstlerischen Projekte der Werkstatt führten zu der Idee einer mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung. So fand 1996 der erste Karneval der Kulturen statt. Er verstand sich als Antwort auf die fremdenfeindlichen Ausschreitungen, welche mit den rassistischen Angriffen in Rostock-Lichtenhagen eine neue Form annahmen.


Zeigen, was man hat

Eine junge Dame zeigt ihre Hütchen. Schon 1997 war der Karneval bunt und vielfältig. Am Pfingstwochenende kamen immer mehr Menschen nach Berlin. Foto: Imago/pop-eye

1996, noch ohne Straßenfest, waren 2.200 Akteur:innen am Umzug beteiligt, circa 50.000 Menschen besuchten das bunte Treiben. Schon im darauffolgenden Jahr wurde der Karneval um ein Straßenfest ergänzt, da ein Umzug nicht alle kulturelle Vielfalt hätte abdecken können. Die Zahlen der Besuchenden stiegen von Jahr zu Jahr rasch an. 1997 waren es bereits 300.000 Menschen.


Federboa und echte Boa beim Karneval der Kulturen

Kostümierte Teilnehmer des Karnevals der Kulturen in Berlin mit Federboa und echter Boa, 1998 Foto: Imago/Sven Lambert

Schon seit den 1990ern bildeten der Straßenumzug am Pfingstsonntag das Herz der Veranstaltung. Die Beteiligten sind Kulturvereine, Schulklassen, Tanzbegeisterte, Künstler:innenkollektive, Musikgruppen und viele weitere. Die Teilnehmenden zeigen und bejahen den Wert der Kulturenvielfalt und des Miteinanders in Berlin. Menschen aus allen Ländern der Welt kommen in Berlin zusammen. Die Stadt ist vielfältig: künstlerisch, kulturell und sozial.


Verschiedene Kulturen, verschiedene Tänze

Niederländische Tanzgruppe auf dem Karneval der Kulturen in Berlin 1999 Foto: Imago/Gueffroy

Ob alt oder jung: Traditionen gehören beim Karneval der Kulturen dazu. 1999 tanzte eine niederländische Tanztruppe traditionell im Kreis. Die Männer spielen die Instrumente und die Frauen hüpfen freudig durch Kreuzberg. Was nicht fehlen darf? Natürlich die Holzschuhe!

Brasilianische Tänzer:innen zeigen auf ihrem Wagen was sie können. Da will man gleich seine Hüften mitschwingen. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Schon wenige Sekunden später kommt der nächste Wagen angerollt. Nun nicht mehr gediegen und niederländisch, nein, sondern voll entfachtem brasilianische Feuer. Die Tanzenden bewegen sich im Rhythmus der Musik und bringen die gute Laune nach Kreuzberg. Hier macht es wirklich Spaß zu zuschauen.


Global Village: Auch das Straßenfest ist bunt

Gerne schauen Menschen beim Karneval der Kulturen in Berlin zu. Die Mauern in Kreuzberg werden zu guten Sitzgelegenheiten. Foto: Imago/snapshot

Seit 1997 ergänzt das Straßenfest den Karnevalsumzug. In diesem Jahr fand es am Pfingstwochenende an drei Tagen am Anhalter Bahnhof statt. 1998 zog es an die bis heute benutzte Fläche am Blücherplatz und findet seit dem an vier Tagen statt. Zunächst nur auf der Zossener Straße und der Grünfläche des Blücherplatzes, wurde das Straßenfest 2005 noch um das Areal am Waterloo-Ufer erweitert. Das Straßenfest bietet durch seine Vielzahl an kulturellen, informativen und vor allem kulinarischen Erlebnissen Einblicke in Berlins Vielfalt.


Verrückte Outfits ziehen die Menschenmassen an

Karneval der Kulturen 2000. Verkleidet als Fernsehturm und Brandenburger Tor: Beim Umzug gibt es allerhand zu sehen. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Der Festumzug zählte im Jahr 2000 schon 113 Gruppen aus 70 Kulturen. Seit der Jahrhundertwende kommen auch jährlich ungefähr eine Million Zuschauende. Somit ist der Karneval der Kulturen einer der größten Straßenumzüge Deutschlands. Circa 100 verschiedene Wagen ziehen am Pfingstsonntag durch Kreuzberg. Von 13 bis 21 Uhr können Zuschauende viele Kulturen kennenlernen, mittanzen und begeistert die verschiedenen Konstruktionen und Outfits ansehen.


Ein Meer aus Blumen beim Karneval der Kulturen

Jedes Jahr dabei: in gelb gekleidet wirft diese brasilianisch deutsche Sambagruppe Blüten in die Luft. KDK 2003 Foto: Imago/pop-eye

2003 zählte der Karneval schon mehr als 1,5 Millionen Besucher:innen. Es entsteht ein interkultureller Dialog zwischen den verschiedenen Menschen aus Berlin. Seit den 2000er Jahren bilden circa 5500 Teilnehmende den Umzug. Der Karneval setzt ein gesellschaftspolitische Impulse für ein friedliches und aneinander interessiertes Miteinander. Die Veranstaltung sollte sich einreihen in neuere europäische Traditionen, wie dem Notting Hill Karneval in London und den Rotterdamer Zomercarnaval.


Wettbewerb um die beste Performance

Der Karneval ist bunt! 2008 überzeugten diese Kostüme auf neuer Ebene. Foto: Imago/Müller-Stauffenberg

Am Pfingstsonntag wird die Straße zur Bühne. Mit oft monatelanger Vorarbeit entstehen einzigartige Kostüme. Jeder darf und soll mitmachen. Während des knapp 3,5 Kilometer langen Umzugs kommen unglaubliche Kostüme und Performances zu Vorschein. Den teilnehmenden Gruppen des Umzugs steht es frei, ob sie am Wettbewerb teilnehmen möchten. Dabei entscheiden sich die meisten für eine Teilnahme. Die Gruppen präsentieren vor einer Jury am Südstern ihre Performance von einer Dauer von 90 Sekunden. Die besten erhalten dann eine Würdigung.


Karneval der Kulturen für Kinder

Kleine Blumenkönigin der Gruppe Joaquin La Habana Ensemble und Carmen Zapata im Jahr 2004. Foto: Imago/Waldemar Boegel

Seit 1997 findet am Pfingstsamstag der Kinderkarneval statt, welcher am Görlitzer Park endet. Hier beginnt dann das Kinder-Straßenfest. Veranstaltet wird der Karneval für Kinder vom „Kreuzberger Musikalische Aktionen e.V.“, einer vom Karneval der Kulturen unabhängigen Organisation.


Der KDK hat weltweite Bekanntheit

Tänzer Elcresio Mendes mit reichlich geschmücktem Kostüm auf blauen Federn beim 19. Karneval der Kulturen am 08.06.2014 in Berlin Kreuzberg. Foto: Imago/pop-eye

Das hat das Funkemariechen nicht geschafft: Karnevalsstimmung nach Berlin bringen. Der Karneval der Kulturen jedoch, begeistert nun seit über 20 Jahren die ganze Familie. Hier findet jeder seinen Platz. Nicht nur bundesweit sondern auch global ist der Karneval der Kulturen in den Medien vertreten. Berlin wird hier als junge, weltoffene und fröhliche Metropole gezeigt. Leider bekommen noch immer Stereotype mehr Platz in den Medien, was eigentlich nicht dem Konzept des Karnevals entspricht.


Die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweisen

Berlin war in Sachen Freikörperkultur noch nie prüde. Auch beim Karneval 2010 kann man unter so manchen Höschen blicken. Foto: Imago/eventpress

Beim Karneval gibt es so einiges zu sehen: Jeder darf hier sein wie er oder sie möchte. Alle dürfen ihre Kultur ausleben. Dafür steht Berlin. Hier kommen Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und kultureller Bezüge zusammen. Und wenn sich dabei jemand von hinten zeigen möchte, dann ist das auch okay.


Menschenmassen

Freitagabend beim Karneval der Kulturen 2019. Hier trifft sich Berlin. Foto: Imago/A. Friedrichs

Kennt ihr das noch? Tausende Menschen an einem Ort? Man muss sich durch die Leute quetschen um voran zu kommen – oder sich durchtanzen. Noch 2019 ging das alles. Über eine Millionen Menschen besuchten das Fest. Ohne Abstand. Die Sonne strahlte in Richtung Bücherplatz. Wir hoffen auf 2022, dass dann Menschenmassen wieder normal sind.


Mehr zum Thema

Auch wenn der Karneval der Kulturen in diesem Jahr ausfällt: der Sommer in Berlin wird trotzdem super. Es gibt schon große Pläne für Open-Air-Konzerte bei Berlin – und auch Tickets. Für Open-Air-Veranstaltungen dürfen natürlich auch Berlins Freilichtbühnen nicht fehlen. Doch lieber gemütlich etwas trinken gehen? Wir kennen zwölf schöne Biergärten in Berlin. Was sonst noch so in Berlin wichtig ist? Der Senat hat Clubs nun endlich als Kulturstätten anerkannt -und der Bund zieht nach.

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