Berlin verstehen

Mode in der DDR – 12 Fotos zeigen Stil und Eleganz im Sozialismus

Die Mode in der DDR hat ihre ganz eigene Geschichte. Im Schatten der Trends aus Mailand, Paris, London und New York und immer wieder auch mit Blick nach Westdeutschland entwickelte sich im Arbeiter- und Bauernstaat ein eigener Stil. Man wollte dem Einheitsgrau entfliehen und etwas Farbe ins Leben bringen.

Die neuen Kollektionen waren mal elegant und kühl, mal bunt und fröhlich – aber meist auch schwer zu bekommen. Außerdem fehlte es der Modeindustrie an hochwertigen Stoffen, weshalb oftmals auf Chemiefaser ausgewichen wurde. Die Modebranche in der DDR bestand aus volkseigenen Modebetrieben, Gestaltern, Mannequins und Magazinen, allen voran der „Sibylle“. Diese 12 Fotos zeigen Stil und Eleganz im Sozialismus. So war die Mode in der DDR!


Hip im Sommer 1989

Mode in der DDR: Hippe Jugendliche in der DDR, Fotoshooting in Ost-Berlin, Frühling 1989. Foto: Imago/Gueffroy
Hippe Jugendliche in der DDR, Fotoshooting in Ost-Berlin, Frühling 1989. Foto: Imago/Gueffroy

Schon Ende der 1960er-Jahre rief das Ministerium für Handel und Versorgung in der DDR die „Arbeitsgruppe für Jugendmode“ ins Leben. Diese hatte zur Aufgabe, ein spezielles Angebot für die Bedürfnisse und Wünsche der sozialistischen Jugend auf den Markt zu bringen.

Jenseits vom FDJ-Blauhemd machten sich die Volkseigenen Betriebe an die Arbeit und entwarfen schicke Klamotten, zeitweise aus dem synthetisch hergestellten, nicht besonders langlebigen Vliesett-Stoff. Die neuen Kollektionen wurden oft in der „Jungen Welt“, der wichtigsten Zeitschrift für Jugendliche in der DDR, angepriesen. Das Foto zeigt die Trends des Frühlings 1989.


Selbst ist die Frau in Ost-Berlin

Junge Frau auf dem Mittelstreifen des Boulevards Unter den Linden, dahinter der Fernsehturm und der Palast der Republik, Foto von 1985. Foto: Imago/Gueffroy
Junge Frau auf dem Mittelstreifen des Boulevards Unter den Linden, dahinter der Fernsehturm und der Palast der Republik, Foto von 1985. Foto: Imago/Gueffroy

Die Frau im Sozialismus war selbstbewusst, modern und autark. So zumindest das Bild, das die Propaganda gezeichnet hat. Die Emanzipation sollte auch in der Mode Ausdruck finden. Das Foto zeigt ein resolutes Model mitten der 1980er-Jahre bei einer Session im Herzen der Hauptstadt der DDR.

Die Trends und auch das modische Image wurden, wie im Westen auch, in der DDR vor allem in Zeitschriften vermittelt. Neben „Berlins Modenblatt“, das im Verlag für die Frau erschien, und der Fachzeitschrift „Die Bekleidung“, gab es auch Zeitschriften, die zum Selbermachen animierten, etwa „Mode und Schnitt“. Am einflussreichsten war aber die 1956 gegründete „Sibylle“, die als „Zeitschrift für Mode und Kultur“ wegweisend war und ganze Generationen prägte. 


Punk in der DDR

Punks in Prenzlauer Berg, Aufnahme von 1985. Foto: Imago/Frank Sorge
Punks in Prenzlauer Berg, Aufnahme von 1985. Foto: Imago/Frank Sorge

Doch nicht alle wollte so sein wie alle anderen auch. Anders denken, andere Musik hören und sich anders kleiden war seit jeher ein Attribut von jugendlichen Subkulturen. Die hatten es in der DDR schwerer als ihre Zeitgenossen im Westen. Zum einen kam man nicht so leicht an Platten, Bücher und Klamotten ran, die die Szenezugehörigkeit belegen würden, zum anderen wurden die subversiven Machenschaften der rebellischen Jugend von der Stasi verfolgt.

Dennoch entwickelte sich in Ost-Berlin eine rege Punkszene mit Bands, Kassetten-Veröffentlichungen, illegalen Konzerten und natürlich den von Londoner und New Yorker Designern inspirierten Anziehsachen.


Schick am Müggelsee

Mode in der DDR: Jugendliche beim Ballspielen am Strand des Müggelsees in Ost-Berlin, Ende der Siebziger. Foto: Imago/Sven Simon
Jugendliche beim Ballspielen am Strand des Müggelsees in Ost-Berlin, Ende der Siebziger. Foto: Imago/Sven Simon

Während sich in den 1980er-Jahren die Stimmung verhärtete, die Wirtschaft und der ganze Staat auf ihren Niedergang zusteuerten und die Punks „No Future“ an die Wände pinselten, waren die 1970er-Jahre ein vergleichsweise versöhnliches Jahrzehnt. Das drückte sich auch in der Mode aus. In der DDR trug man weit geschnittene Röcke, Schlaghosen, bunte Hemden und Blusen. Das Foto zeigt junge Leute am Müggelsee im fröhlichen Miteinander.


Sozialistische Eleganz

Models zeigen die neueste Damenmode, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge
Models zeigen die neueste Damenmode der DDR, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge

Die Mode der DDR gab auch Fotografen einen gewissen Spielraum. Zwar war die Planwirtschaft von Mangel an gefragten Konsumgütern, zu denen auch Modeartikel gehörten, geprägt. Dennoch existierten Werbung und Modestrecken, die für Magazine wie die „Sibylle“ produziert wurden.

Zu den bedeutendsten Modefotografen und Modefotografinnen der DDR gehörten Arno Fischer, Roger Melis, Günter Rössler, Ute Mahler, Sibylle Bergemann und der heutige Berghain-Türsteher Sven Marquardt. Vor allem waren die Aufnahmen von Sibylle Bergemann prägend für die modische Bildsprache in der DDR.


Die bunten Siebziger

Mode in der DDR: Frische Mode an einem Obst- und Gemüsewagen dargeboten, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge
Frische Mode an einem Obst- und Gemüsewagen dargeboten, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge

Das DDR-Fernsehen strahlte ab 1971 regelmäßig Modesendungen aus, allen voran das von Klaus Ehrlich präsentierte Magazin „Mode“. Im Mittelpunkt standen die Musterkollektionen der Volkseigenen Textilindustrie der DDR. Die Mannequins kamen vom Modeinstitut der DDR, 1972 aus dem Deutschen Modeinstitut hervorgegangen, das seinen Sitz in Berlin hatte.

Aufgabe der Einrichtung war die Planung, Organisation und Entwicklung von modischer Erzeugnisse für Damen, Herren, Kinder und Jugendliche. Es war das Zentralorgan der Mode in der DDR. 


Urban und adrett in Prenzlauer Berg

Ein wenig Paris in Prenzlauer Berg, 1971. 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge
Ein wenig Paris in Prenzlauer Berg, 1971. 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge

Der renommierte Ost-Berliner Fotograf Arno Fischer begann in den 1960er-Jahren, mit den Models auf die Straße zu gehen und neue Kollektionen im Stadtraum zu inszenieren. Die Modegestalter orientierten sich an Trends aus den Modezentren im Westen, etwa Paris und Mailand, suchten aber nach einer eigenen Ausdrucksweise. Oftmals nahm aber auch die sozialistische Ideologie ästhetischen Einfluss auf die Entwürfe, die den Bürger nicht zu individuell oder zu provokant kleiden sollten.


Ein Hauch London in Ost-Berlin

Mode in der DDR: Hier stand der Stil aus Swinging London Pate, Model in Berlin-Mitte, 1971. Foto: Imago/Frank Sorge
Hier stand der Stil aus Swinging London Pate, Model in Berlin-Mitte, 1971. Foto: Imago/Frank Sorge

Viele Mannequins in der DDR machten später Karriere im Fernsehen oder als Schauspielerinnen. So war etwa die Sprecherin der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“, Angelika Unterlauf, in ihrer Jugend Model, ebenso die in Ost-Berlin geborene Schauspielerinnen Maren Schumacher und Karin Boyd.

In den frühen 1970er-Jahren schwappte der modische Schick aus Swinging London in die Hauptstadt der DDR. Das Foto zeigt einen schlicht-eleganten Entwurf, der von dem Model lässig präsentiert wird.


Der Hippie-Look made in GDR

Zurück zur Natur. Auch in der DDR wurde mit dem Look der Hippies experimentiert, frühe 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge
Zurück zur Natur: Auch in der DDR wurde mit dem Look der Hippies experimentiert, frühe 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge

Zwar war der SED das subversive Treiben der Hippies sicherlich ein Dorn im Auge. Im real existierenden Sozialismus wollte man mit dem rebellischen Geist der 1960er-Jahre, etwa freier Liebe, bewusstseinserweiternden Drogen und psychedelischer Rockmusik nichts zu tun haben, doch die bunten Farben, entspannte Sinnlichkeit und die Naturverbundenheit kamen auch in der DDR an.


Dame im Pelz

Zeitlose Eleganz, wie man sie sich in den 1970er-Jahren vorgestellt hat: Der Pelz war nicht nur in der Mode der DDR en vogue. Foto: Imago/Frank Sorge
Zeitlose Eleganz, wie man sie sich in den 1970er-Jahren vorgestellt hat: Der Pelz war nicht nur in der Mode der DDR en vogue. Foto: Imago/Frank Sorge

Der Klassiker waren aber natürlich Pelze. Den glamourösen Look prägten schon Filmdiven in der goldenen Hollywood-Ära, doch zugleich war hier auch der Einfluss der Sowjetunion ausschlaggebend, wo traditionell der Zobel, Nerz und Hermelin gerne getragen wurden. Mit „Brühl“ und vor allem „Hermelin“ existierten in der DDR zwei illustrierte Zeitschriften, die sich der Pelzmode widmeten.


Girls and Cars

Mode in der DDR: Model zeigt die neueste Damenmode vor einem Trabant P50, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge
Ein Model zeigt die neueste Damenmode vor einem Trabant P50, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Frank Sorge

Werbebilder aus der DDR haben einen gewissen Charme, denn es wurden oftmals Kampagnen für Produkte produziert, die es entweder kaum auf dem freien Markt gab oder die sowieso sofort ausverkauft waren, sobald sie in die Läden kamen. Bunte Neonschilder in Berlin oder Reklame für den neuen Trabant oder Wartburg war daher besonders absurd, mussten die DDR-Bürger doch Jahre warten, bis sie einen Wagen überhaupt kaufen durften.

Dennoch zeigt sich in der Werbeästhetik der DDR, dass man auch im Osten auf ähnliche Mechanismen setzte wie im Westen: etwa die Präsentation von neuen Kollektionen durch hübsche Frauen, die sich neben schicken Autos in Szene setzen. Als schickes Auto galt in den frühen 1970er-Jahren der Trabant P50.


Der Modemacher und seine Models

Modedesigner Heinz Bormann, Chef des gleichnamigen Modehauses aus Magdeburg, mit Models auf DDR-Tournee, 1969. Foto: Imago/Harald Lange
Modedesigner Heinz Bormann, Chef des gleichnamigen Modehauses aus Magdeburg, mit Models auf DDR-Tournee, 1969. Foto: Imago/Harald Lange

Der Modeunternehmer Heinz Bormann galt als so etwas wie der Christian Dior des Ostens. Es existierte eine nach ihm benannte Modemarke, die zu den erfolgreichsten im SED-Staat gehört. Nach dem Krieg begann Bormann als Privatunternehmer, anfangs reparierte sein Betrieb Uniformen der Rotarmisten, in den 1950er-Jahren produzierte er erste von der Modeschöpferin Helena Zeilhofer entworfene Kollektionen. Schon bald belieferte er die halbe Republik mit Original-Bormann-Kleidung und exportierte auch in den Westen, was der DDR Devisen einbrachte.

1971 wurde Bormanns „kapitalistisches“ Treiben unterbunden und sein Unternehmen verstaatlicht, ab 1972 produzierte es unter dem Namen VEB Magdeburger Damenmoden.


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