Berlin verstehen

Regen, Niesel, Schauer: Geschichte des schlechten Wetters in Berlin

Regen in Berlin. Graue Wolken, Gewitter, nasse Straßen und Pfützen. Das Wetter bestimmt immer wieder die Stadt. In sehr nassen Jahren fallen 600 bis 700 Liter Regen auf einen Quadratmeter auf die deutsche Hauptstadt. Ist es ein trockenes Jahr, kommen wir durchschnittlich auf etwa 400 Liter pro Quadratmeter. 2018 war das regenärmste Jahr mit 380 Litern, das nasseste 2007, damals fielen 788 Liter je Quadratmeter.

Regen ist nicht Klima, heißt es, trotz Klimaveränderung und Hitzewellen kann es zu anhaltenden Regenfällen kommen. Immer wieder. Hier schauen wir uns aber keine Klimadaten an, sondern begeben uns auf einen historischen Ausflug in die verregnete Geschichte Berlins.


Regenschirme in der Kaiserzeit

Regen in Berlin: Passanten in der Friedrichstraße, Collage um 1900. Foto: Imago/Arkivi
Passanten in der Friedrichstraße, Collage um 1900. Foto: Imago/Arkivi

Angeblich wurde der erste Regenschirm bereits um 800 nach Christus erwähnt, doch so richtig kam der praktische „Gebrauchsgegenstand, der vor Wettereinflüssen schützen soll“ im 17. Jahrhundert in Mode, er wurde im 19. Jahrhundert zum Accessoire, der das städtische Leben bestimmte. Es war vor allem ein urbanes Phänomen.

In der Belle Epoque hatten vornehme Damen und Gentleman, die etwas auf sich hielten, stets einen Regenschirm dabei. Ob in London oder Paris – und auch in Berlin setzte sich der mobile Wetterschutz durch und die Stadt spielte in seiner Entwicklung eine bedeutende Rolle. In den 1920er Jahren erfand Hans Haupt einen teleskopierbaren Taschenschirm und gründete Anfang der 1930er in Berlin die Knirps GmbH. Seitdem steckte der kleine „Knirps“ in jeder Manteltasche und die Welt der Regenschirme war nicht mehr die gleiche. 


Trümmer und Pfützen nach dem Krieg

Familie auf dem Weg durch das verregnete Berlin. Auch 1949, vier Jahre nach dem Kriegsende, gehören die Trümmer zum Stadtbild. Foto: Imago/United Archives
Familie auf dem Weg durch das verregnete Berlin. Auch 1949, vier Jahre nach dem Kriegsende, gehören die Trümmer zum Stadtbild. Foto: Imago/United Archives

Berlin lag nach dem Kriegsende in Trümmern, man weiß von schweren Wintern nach 1945, die den Stadtbewohnern zusetzen. Um die Öfen zu befeuern, wurde 1945/46 der Tiergarten abgeholzt. Regen war da weniger schlimm. Das Foto zeigt eine anscheinend recht gut gelaunte Familie, die im Jahr 1949 bei Regen durch Berlin zieht. Diese 12 Fotos zeigen Berlin in den 1940er-Jahren und das in Farbe (und ohne Regen!).


Der Sozialismus ist nicht immer sonnig

Maikundgebung mit Parade vor den Abbildungen von Josef Stalin und Wilhelm Pieck in Ost-Berlin, 1950er Jahre. Foto: Imago/United Archives/Roba/Siegfried Pilz
Maikundgebung mit Parade vor den Abbildungen von Josef Stalin und Wilhelm Pieck in Ost-Berlin, 1950er Jahre. Foto: Imago/United Archives/Roba/Siegfried Pilz

Es gibt Legenden, dass die Sowjets bei schlechtem Wetter mit Flugzeugen versuchten, die Regenwolken zu vertreiben, wenn Stalin irgendwo erscheinen sollte. Man soll sogar das Gras grün angemalt haben, damit es grüner ist, für den geliebten Generalissimus. Der Kommunismus sollte bei Sonnenschein eben etwas mehr glänzen.

Bei dieser Maikundgebung in Ost-Berlin der frühen 1950er hatten die Sozialisten allerdings etwas Pech mit dem Wetter, da halfen weder rote Fahnen noch die Porträts von Pieck und Stalin. Die jungen Sozialisten mussten durch eine verregnete Stadt marschieren.


Der feuchte Glanz der City West

Regen in Berlin: Der Kurfürstendamm bei Nacht und Regen, 1966. Foto: Imago/Serienlicht
Der Kurfürstendamm bei Nacht und Regen, 1966. Foto: Imago/Serienlicht

In West-Berlin entwickelte sich der Kurfürstendamm im Zuge des Wirtschaftswunders zum Mekka der neuen Konsumgesellschaft. Prächtige Warenhäuser entstanden, Leuchtreklamen illuminierten die Nacht und in den Kinopalästen liefen die Schlagerfilme und neuste Produktionen aus Hollywood. Dieses Foto aus dem Jahr 1966 zeigt die City West in nächtlich-verregneter Atmosphäre.


Schmuddelwetter in der Schönhauser

Schönhauser Allee bei Regen, 1985. Foto: Imago/Frank Sorge
Schönhauser Allee bei Regen, 1985. Foto: Imago/Frank Sorge

Regen kann für viele Stimmungen Sorgen. Matschigen Schneeregen mag kaum jemand, gepaart mit eisigem Wind ist Regen auch eine eher unangenehme Erfahrung. Doch ein warmer Sommerregen stimmt melancholisch und in der richtigen Umgebung kann ein schöner Regen auch romantisch sein.

Fieser Dauerregen, der vom bleigrauen Himmel herunterkommt ist aber ein Garant für üble Laune. Man möchte sich am liebsten im Bett verkriechen, mit einem Heißgetränk und einem guten Buch. Wer hat schon Lust, durch nasskalte Straßen zu laufen? So wie etwa durch diese verregnete Schönhauser Allee des Jahren 1985. So sah es in Prenzlauer Berg der 1980er-Jahre aus.


Kreuzberer Tage sind nass

Stuhl aus Birkenzweigen vor einem Geschäft in Kreuzberg, 1986. Foto: Imago/Sven Simon
Stuhl aus Birkenzweigen vor einem Geschäft in Kreuzberg, 1986. Foto: Imago/Sven Simon

Kreuzberger Nächte sind lang. In den 1980er-Jahren entwickelte sich der einstige Arbeiterbezirk zum Symbol des alternativen Lebensgefühls in Deutschland. Freaks, Punks, Künstler, Hausbesetzer und Türken verwandelten die Gegend zwischen dem Halleschen und dem Schlesischen Tor in einen Schmelztiegel der Kulturen und Ideen. Bei Regen war Kreuzberg aber genauso trist und grau wie alle anderen Bezirke auch, wie auf dem Foto aus dem Jahr 1986 zu sehen ist.


Schutz unter der Weltzeituhr

Passanten flüchten vor einem Regenguss unter die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz, Mai 1989. Foto: Imago/Seeliger
Passanten flüchten vor einem Regenguss unter die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz, Mai 1989. Foto: Imago/Seeliger

Das Foto von der Menschengruppe, die während eines Sturzregens unter der berühmten Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz Schutz sucht, entstand im Mai 1989. Vier Monate später sollte die Mauer fallen und für Berlin eine neue Ära anbrechen. Doch eines sollte bleiben, unabhängig von politischen Systemen: der Regen.


Unter Schirmen in der Waldbühne

Regen in Berlin: Publikum in der Berliner Waldbühne bei Regen, 1996. Foto: Imago/Brigani-Art
Publikum in der Berliner Waldbühne bei Regen, 1996. Foto: Imago/Brigani-Art

Ein warmer Sommerregen kann schön sein, allerdings nicht unbedingt während einer Open-Air-Veranstaltung. Der Karneval der Kulturen etwa wurde immer wieder von heftigen Regenfällen und Gewittern überschattet, und auch große Konzerte unter freiem Himmel fielen oft ins Wasser.

Egal wie perfekt organisiert, wer viel Geld für ein Ticket ausgibt, will nicht unbedingt drei Stunden lang im feuchten Plastikponcho hocken und wegen der Regenschirme der Leute in der Reihe davor nichts sehen können. So wie es diesen armen Menschen auf dem Foto ergegangen ist, die im Sommer 1996 ein Konzert in der Waldbühne besucht haben.


Berlin unter Wasser

Überschwemmung im Gleimtunnel in Prenzlauer Berg, August 2002. Foto: Imago/Sven Lambert
Überschwemmung im Gleimtunnel in Prenzlauer Berg, August 2002. Foto: Imago/Sven Lambert

Zum Glück ist Berlin eine Stadt, die weitgehend vor Katastrophen verschont wird. Erdbeben und Buschfeuer gibt es hier nicht und auch der große Berliner Fluss, die Spree, tritt nicht öfter als alle 100 Jahre mal über die Ufer. An eine richtige Spreeflut erinnert sich heute niemand mehr.

Doch immer wieder kommt es aufgrund von starken Regenfällen zu Überflutungen in der Stadt. Der Gleimtunnel in Prenzlauer Berg, wie hier im August 2002, war immer wieder davon betroffen, ebenso der Hauptbahnhof und oft stehen auch in ganzen Straßenzügen die Keller unter Wasser.


Dauerregen und 20 Jahre Mauerfall

Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum des Mauerfalls, 9. November 2009. Foto: Imago/Itar-Tass
Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, 9. November 2009. Foto: Imago/Itar-Tass

Am 9. November 1989 gab es in Berlin keinen Regen. Am Tag schien damals die Sonne, dann zog sich der Himmel etwas zu, aber der Abend, an dem die Mauer fiel, war weitgehend trocken. Ganz anders 20 Jahre später. Die Feierlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 mussten in Regenjacken und unter Schirmen abgehalten werden. Die Ehrengäste konnte sich auf überdachten Tribünen vor dem nasskalten Wetter schützen, doch die Schaulustigen standen im Dauerregen herum.


Schlechtes Wetter beim Finale der Fußball-WM 2014

Fanmeile auf der Straße des 17. Juni beim WM-Finale Deutschland-Argentinien, 13. Juli 2014. Foto: Imago/S.Gabsch/Future Image
Regen in Berlin – Fanmeile auf der Straße des 17. Juni beim WM-Finale Deutschland-Argentinien, 13. Juli 2014. Foto: Imago/S.Gabsch/Future Image

Auch ein weiteres Großereignis wurde in Berlin von starken Regenfällen begleitet. Während am 13. Juli 2014 die Deutsche Nationalmannschaft im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro Argentinien mit 1:0 besiegte und Weltmeister wurde, fieberten die Berliner nass auf der Fanmeile mit. Das schlechte Wetter hat die Stimmung aber nicht wirklich getrübt, gefeiert wurde der Sieg trotzdem.


Regenbogen über Steglitz

Regen in Berlin: Regenbogen über dem Steglitzer Bierpinsel. Foto: Imago/Serienlicht
Regenbogen über dem Steglitzer Bierpinsel. Foto: Imago/Serienlicht

Nach dem Regen kommt immer die Sonne und die bringt manchmal auch einen Regenbogen mit. Der Berliner und die Berlinerin als solche sind ja nicht unbedingt für ihre durchgehend gute Laune, Freundlichkeit und ihren ungebrochenen Optimismus bekannt. Doch dieses Bild eines Regenbogens über dem Steglitzer Kreisel sollte das Herz jedes Hauptstadtbewohners und jeder Hauptstadtbewohnerin höher schlagen lassen!


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