Berlin verstehen

Weg damit! Schlösser, Kirchen, Bunker: 12 Sprengungen in Berlin

Sprengungen sind in Berlin eher selten. Die dichtbebaute Metropole lässt den Einsatz von Dynamit & Co. nicht unbedingt zu. Nur in Randbezirken oder wenn es gar nicht anders geht, greifen die Ingenieure zur explosiven Lösung. Dennoch fielen in den vergangenen Jahrzehnten vom Krieg zerstörte Prachtbauten, vom Sozialismus ungewollte Gotteshäuser und vom wirtschaftlichen Kreislauf ausgestoßene Industrieanlagen den Sprengsätzen zum Opfer. Weg damit! Wir stellen 12 Bauwerke vor, die in einer Rauch- und Staubwolke verschwanden.


Berliner Schloss

Sprengung des Berliner Schlosses, 1951. Foto: Winter
Sprengung des Berliner Schlosses, 1951. Foto: Winter

Das Berliner Schloss, auch Stadtschloss genannt, ist das historische Monument, an dem sich die Geschichte dieser Stadt am besten ablesen lässt. Der Prachtbau ist vielleicht nicht so berühmt wie das Brandenburger Tor oder so markant wie der Fernsehturm, was auch daran lag, dass er 70 Jahre gar nicht existierte. Doch die Residenz der Hohenzollern erregt bis heute die Gemüter.

Seit den Tagen der brandenburgischen Kurfürsten wurde von dort aus regiert. Das Schloss ist ein Symbol der Kaiserzeit, es überdauerte den Ersten Weltkrieg, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die SED-Regierung sah keine Verwendung für den beschädigten Bau, der für einen Teil der deutschen Geschichte stand, von dem man sich abgrenzen wollte. 1951 wurden die Überreste des Berliner Schlosses weggesprengt und der Schutt abgetragen. In der DDR stand an der Stelle der Palast der Republik – und im wiedervereinigten Berlin hat man das Schloss neu aufgebaut.


Bunker in Friedrichshain

Sprengungen in Berlin: Der geborstene Bunker in Friedrichshain, 1946. Foto: Imago/Erich Andres/United Archives
Der geborstene Bunker in Friedrichshain, 1946. Foto: Imago/Erich Andres/United Archives

Der Große Bunkerberg, auch Mont Klamott genannt (und von Silly besungen), ist mit seinen 78 Metern Höhe die höchste Erhebung in Friedrichshain-Kreuzberg. Der Trümmerberg entstand auf den kurz nach dem Krieg gesprengten Überresten der beiden Friedrichshainer Flaktürme. Heute steht er friedlich im Herzen des Volksparks Friedrichshain.

Der benachbarte Kleine Bunkerberg enthält die Reste des Feuerleitturms. In diesem waren während des 2. Weltkriegs wichtige Gemälde aus der Berliner Gemäldegalerie ausgelagert, die jedoch fast alle 1945 verbrannten. Heute führen mehrere Wanderwege zum Gipfel des Bunkerberges, von dem aus man einen guten Blick über die Nachbarschaft hat.


Versöhnungskirche

Sprengungen in Berlin: Sprengung der Versöhnungskirche in Berlin, Januar 1985. Foto: Imago/Günter Schneider
Sprengung der Versöhnungskirche in Berlin, Januar 1985. Foto: Imago/Günter Schneider

Die evangelische Kirche stand von 1892 bis 1985 an der Bernauer Straße 4 in Mitte. Damit befand sie sich exakt auf der Grenze zwischen Wedding und Mitte und nach dem Kriegsende folglich zwischen dem französischen und dem sowjetischen Sektor. Nach dem Bau der Mauer im August 1961 wurde die Kirche, die de facto auf dem Todesstreifen stand, geschlossen. Teilweise nutzten sie Grenzsoldaten als Wachturm. Im Januar 1985 ließ die DDR-Regierung den nutzlos gewordenen Kirchenbau sprengen. Am 9. November 2000 wurde auf den Fundamenten der verschwundenen Versöhnungskirche die architektonisch spektakuläre Kapelle der Versöhnung eröffnet.


Post am Berliner Ostbahnhof

Überreste der alten Post am Berliner Ostbahnhof, 2004. Foto: Imago/Götz Schleser
Überreste der alten Post am Berliner Ostbahnhof, 2004. Foto: Imago/Götz Schleser

Rund um den Ostbahnhof klaffte noch in den 2000er-Jahren eine riesige Brache, die leeren Flächen bestimmten damals das Stadtbild. Der Legendäre Club Maria am Ostbahnhof befand sich tatsächlich am Ostbahnhof, um die Ecke tanzte man bis 2003 im Ostgut. Der Technoclub, der sich in der Lagerhalle eines ehemaligen Güterbahnhofs befand, ist der Vorläufer des Berghains.

2004 musste auch das Gebäude der alten Post am Ostbahnhof den neuen Zeiten weichen. Man sprengte den Kasten und karrte den Schutt weg, es gab ja kaum Nachbarn in der Gegend, die sich hätten beschweren können. Das wäre nicht mehr möglich. Heute befindet sich entlang East-Side-Gallery und Spree ein funkelndes Stadtquartier der Zukunft, mit dem unheimlichen Mercedes-Benz-Platz mittendrin.


Heizkraftwerk am Teltowkanal

Sprengung des Heizkraftwerkes am Teltowkanal in Rudow, 2007. Foto: Imago/Bernd Friedel
Sprengung des Heizkraftwerkes am Teltowkanal in Rudow, 2007. Foto: Imago/Bernd Friedel

Das alte Heizkraftwerk in Rudow sollte 2007 weg, der riesige Bau beheizte seit 1962 die Umgebung, auch die berüchtigte Plattenbausiedlung Gropiusstadt bezog ihre Wärme von dem 5500 schwerem Koloss aus Stahl und Beton. Anfangs wollte man das Teil fachgerecht auseinanderbauen und nach China verkaufen, doch die potentiellen Käufer sprangen ab. Auch später lief die Sache nicht unbedingt glatt. Eine Pannenserie beim Rückbau der Anlage sorgte damals für Aufsehen und erst 2010 sprengte man das Kraftwerk am Teltowkanal endgültig und entsorgte die Trümmer.


Deutschlandhalle

Sprengungen in Berlin: Reste der gesprengten Deutschlandhalle warten auf den Abriss und Abtransport, Januar 2012. Foto: Imago/Rech
Reste der gesprengten Deutschlandhalle warten auf den Abriss und Abtransport, Januar 2012. Foto: Imago/Rech

Im Krieg wurde die bis zu 16.000 Menschen fassende Halle, in der Shows, Sportereignisse und NS-Propagandaveranstaltungen stattfanden, weitgehend zerstört. In den 1950er-Jahren wurde der Wiederaufbau beschlossen und 1957 die Halle in Westend wiedereröffnet. Seitdem war die Deutschlandhalle die erste Adresse für internationale Rock- und Pop-Stars. Hier spielten legendäre Musiker und Bands wie Jimi Hendrix, David Bowie, The Who, Pink Floyd und die Rolling Stones.

Die endgültige Schließung und der Abriss erfolgten in mehreren Etappen, der Konzertbetrieb endete 1998, dann folgte eine Nutzung als Eissporthalle. 2011 wurde die Deutschlandhalle schließlich gesprengt und abgerissen. Auf dem Gelände entstand die moderne Messe- und Kongresshalle City Cube.


Schornstein in Marzahn

Schornsteinsprengung in Marzahn, 2012. Foto: Imago/Bernd Friedel
Schornsteinsprengung in Marzahn, 2012. Foto: Imago/Bernd Friedel

In Randbezirken wie Marzahn, inmitten eines Gewerbegebiets, kann man schon eher Sprengstoff einsetzen. Gerade bei nutzlos gewordenen Schornsteinen werden oft und gerne Sprengmeister beauftragt. 2012 wurde das Areal für einen neuen Technologiepark beräumt. Auch dieser Schlot sollte weg. Auf dem Gelände entsteht bis heute der CleanTech Business Park Berlin, Berlins größtes Industrieareal. Die Schwerpunkte des Projekts liegen auf Medizin und Gesundheitswirtschaft sowie Bio-, Energie- und Umwelttechnologie.


Sendemast Britz

Sprengung des Sendemasts Britz, 2015. Foto: Imago/Bernd Friedel
Sprengung des Sendemasts Britz, 2015. Foto: Imago/Bernd Friedel

Hier endete ein Stück der Berliner Radiogeschichte. 1946 wurde in Britz die Sendeeinrichtung in Britz eingerichtet, die erst vom RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) verwendet wurde und seit den 1990er-Jahren das Deutschlandradio Kultur und der Deutschlandfunk übernahmen. Die Veränderungen in der Sendetechnologie, vor allem die Umstellung auf digitale Frequenzen, machten die alten, immer wieder aufgestockten Sendemasten überflüssig. Der mit 160 Metern höchste Sendemast wurde am 18. Juli 2015 gesprengt.


Gaswerk Dimitroffstraße

Die Sprengung des Gasometers in der Dimitroffstraße, Prenzlauer Berg 1984. Foto: Gerd Danigel/ddr-fotograf.de/CC BY-SA 4.0
Die Sprengung des Gasometers in der Dimitroffstraße, Prenzlauer Berg 1984. Foto: Gerd Danigel/ddr-fotograf.de/CC BY-SA 4.0

Die 1980er-Jahre waren auch in Ost-Berlin eine Zeit der Veränderungen. Die alten, teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Gasometer wurden nicht mehr gebraucht. Doch die Berliner hatten die markanten Industriedenkmäler ins Herz geschlossen und es entstand die Bürgerinitiative „Gasometer sprengt man nicht“. Den SED-Stadtverwaltern war das Anliegen herzlich egal, am 28. Juli 1984 wurde der Gasometer in der Dimitroffstraße (heute Danziger Straße) gesprengt. Filmen und fotografieren der Aktion war nicht erlaubt, dennoch entstanden einige Amateuraufnahmen der Sprengung, wie das Foto von Gerd Danigel beweist.


Anhalter Bahnhof

Sprengungen in Berlin: Blick über die Ruine des Anhalter Bahnhofs, 1952. Foto: Imago/Frank Sorge
Blick über die Ruine des Anhalter Bahnhofs, 1952. Foto: Imago/Frank Sorge

Der Architekt Franz Schwechten baute den Fernbahnhof, der ab den 1840er-Jahren zu den wichtigsten Verkehrsknoten der preußischen Metropole gehörte. In direkter Anbindung zum Potsdamer Platz spielte der Kopfbahnhof am Askanischen Platz eine wichtige Rolle in der Entwicklung Berlins zur modernen Großstadt.

Ab 1939 schloss man den Anhalter Bahnhof an das Berliner S-Bahnnetz an, doch am Kriegsende wurde die gewaltige Anlage bei der Schlacht um Berlin zerstört. Nach der Teilung der Stadt fand man keine Nutzung für die Ruine an der Sektorengrenze und gab den Standort auf. Nur die S-Bahn blieb, und an die alte Pracht erinnert bis heute ein Überbleibsel des Bahnhofsportikus.


Zoobunker

Der Zoobunker wird gesprengt, 1947 Foto: Bundesarchiv/ Bild 183 S 76934
Der Zoobunker wird gesprengt, 1947 Foto: Bundesarchiv/ Bild 183 S 76934

Sechs gewaltige Flaktürme sollten Berlin während des Zweiten Weltkrieges vor feindlichen Luftangriffen schützen. Die Nazis ließen die gewaltigen Anlagen in den Volksparks Friedrichshain und Humboldthain, der Hasenheide und im Tiergarten errichten. Heute wächst über den Betonmonstern Gras oder sie werden als Kletterwände genutzt. Der Zoobunker im Tiergarten wurde mit Tonnen von Dynamit in den späten 1940er-Jahren gesprengt. Die Staubwolken legten sich damals spektakulär über die Gleise des Fernbahnhofs Zoologischer Garten.


Bellevue-Tower am Potsdamer Platz

Sprengungen in Berlin: Bellevue-Tower am Potsdamer Platz, 1993. Foto: Imago/Detlev Konnerth
Bellevue-Tower am Potsdamer Platz, 1993. Foto: Imago/Detlev Konnerth

In West-Berliner Zeiten war der einst geschäftige Potsdamer Platz eine Einöde, nur wenige Bauten standen hier und da in der Landschaft herum, darunter der Bellevue-Tower. Doch nach dem Mauerfall wurde schnell klar, dass die Brache keine bleiben wird und es begann ein Run auf die innerstädtischen Grundstücke. Potente Unternehmen wie Sony, Daimler und die Deutsche Bahn planten hier ihre Standorte, ein Casino, Luxus-Hotels und Filmpaläste sollten entstehen, daneben ein großes Einkaufszentrum, ein Filmmuseum und Gastronomie. Es entstand ein Masterplan für das Areal und der alte Bellevue-Tower passte nicht mehr ins Konzept. Im Oktober 1993 wurde das bis zuletzt als Studentenwohnheim genutzte Hochhaus gesprengt.


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