Berliner Straßen

Unter den Linden: Wie aus einem Reitweg Berlins Prachtstraße wurde

Unter den Linden ist weit über Berlins Grenzen ein Begriff. Die Straße hat sich vom Reitweg zu einer der ersten Adressen der Stadt entwickelt – und zum Touristen-Highway. Denn sie verbindet den Berliner Dom und das Brandenburger Tor. Das ist aber bei weitem nicht alles, was die 1,5 Kilometer lange und 60 Meter breite Straße zu bieten hat.

Die Geschichte der Prachtstraße Unter den Linden und welche geschichtlichen Gebäude und Denkmäler ihr hier bei einem Spaziergang finden könnt, haben wir euch in 12 Punkten zusammengefasst.


Eine Straße mit vielen Namen

Name der Station im neuen Bahnhof Unter den Linden der U Bahn Linie U5. Foto: Imago/McPHOTO

Kurfürst Johann Georg hatte 1573 erstmals einen Reitweg vom Stadtschloss bis nach Spandau anlegen lassen. Dieser führte über Lietzow, was heute Charlottenburg ist. Kurfürst Friedrich Wilhelm befestigte 1647 den Weg und ließ die ersten Linden pflanzen. In dieser Zeit trug sie den Namen „Erste Straße“. Die Bebauung an der Straße nahm besonders in den Jahren 1674 bis 1737 zu. In der Zeit des deutschen Kaiserreichs wurde aus einer Wohn- eine Geschäftsstraße mit Hotels und Restaurants.

Der Name der Straße hat sich immer wieder gewandelt. Von 1674 bis 1690 hieß sie Neustädtische Allee. Danach Lindenallee – bis 1723. Zuletzt trug sie den Namen Lindenstraße, bis 1734.


Der Lustgarten

Blick auf den Lustgarten mit dem Alten Museum und dem Berliner Dom. Foto: Imago/Westend61

Erstmals wurde der Lustgarten nach holländischem Vorbild im Jahr 1646 angelegt. Er befindet sich zwischen dem Alten Museum und dem Berliner Dom. Die Nationalsozialisten machten aus diesem Platz 1934 ein Aufmarschforum und pflasterten ihn. So wurde er dann erstmal weiter genutzt, bis in den 1990er-Jahren ein Umbau anstand, der wieder eine Grün- und Gartenanlage aus dem Platz machte. Der Bereich ist bis heute einer der traditionsreichsten Plätze in Berlin, der von vielen Touristen und Berlinern besucht wird.


Das Zeughaus

Das Zeughaus an der Straße Unter den Linden. Foto: Imago/Arkivi

Das Zeughaus ist das älteste erhaltene Gebäude an den Linden. Es wurde ab 1695 unter der Leitung von Johann Arnold Nering gebaut und dann 1706 von Jean de Bodt vollendet. Damals wurde es als Waffenarsenal verwendet. Von 1877 bis 1881 wurde das Zeughaus umgestaltet und diente als Militärmuseum und als preußisch-brandenburgische Ruhmeshalle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Gebäude schwere Beschädigungen, die bis 1967 ausgebessert wurden. In DDR-Zeiten wurde es dann zum Museum für Deutsche Geschichte. Seit 1991 ist im Zeughaus an der Straße Unter den Linden das Deutsche Historische Museum zu Hause.


Reiterstandbild „Alter Fritz“

Reiterdenkmal Friedrich der Große. Foto: Imago/Schöning

Friedrich der Große hatte 1701 den weiteren Ausbau der Straße vorangetrieben. Deswegen ist am östlichen Ende das Reiterstandbild vom „Alten Fritz“ zu finden. Dieses Denkmal wurde 1852 enthüllt, jedoch im Zweiten Weltkrieg wieder eingemauert. 1950, also zu DDR-Zeiten, wurde der „Alte Fritz“ abgebaut und 1960 im Potsdamer Park Sanssouci wieder aufgebaut. Schlussendlich kam das Denkmal 1980 wieder zurück an den Ursprungsort.


Das Forum Fridericianum

Der Bebelplatz mit Blick auf die Humboldt-Universität. Foto: Imago/Andreas Gora

Nach dem Abtragen der alten Berliner Stadtbefestigung wurde 1740 auf Wunsch von Friedrich II. eine neue Anlage gebaut. Das Forum Fridericianum sollte ein neuer, vollständig gepflasterter Platz im Stadtzentrum sein. Der beauftragte Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der übrigens einer der prägendsten Baumeister in Berlin war, konnte die Planung des Platzes nicht vollenden, weswegen es zuerst nur das Operngebäude gab. Daraufhin wurde der Platz einfach „Opernplatz“ genannt. Dieser Name sollte allerdings keinen Bestand haben. Der Platz wurde 1947 nach dem SPD-Politiker August Bebel benannt und ist deshalb jetzt als „Bebelplatz“ bekannt.

Hier stehen einige historisch bedeutende Gebäude des Forums Fridericianums. Neben der Staatsoper gibt es hier auch noch die Alte Bibliothek, das Prinzessinnenpalais, die St. Hedwig-Kathedrale, das Hotel de Rome und das Alte Palais. 1933 wurden auf dem Platz mehr als 20.000 Bücher von bekannten Schriftstellern von den Nationalsozialisten verbrannt.


Die Staatsbibliothek

Innenhof der Berliner Staatsbibliothek an der Prachtstraße Unter den Linden. Foto: Imago/epd

Die Staatsbibliothek wurde in den Jahren 1903 bis 1914 von Ernst von Ihne gebaut. Sie gehört zu den bedeutendsten Bibliotheken der Welt. Seit 2005 wurde sie einmal umfangreich saniert und wieder instand gesetzt. Im Januar 2021 gab es eine digitale Wiedereröffnung. Den neuen Glanz für die alte Staatsbibliothek sehr ihr hier fotografisch dokumentiert.


Vom Schloss zur Universität

Das Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Foto: Imago/Schöning

In den Jahren 1748 bis 1766 entstand für das Forum Fridericianum am heutigen Bebelplatz das Palais des Prinzen Heinrich. Eigentlich sollte das ein neues Königsschloss werden, was durch die Fassade zu erahnen ist.

Es gründete sich die Friedrich-Wilhelms-Universität, die sieben Jahre nach dem Tod des Prinzen das Gebäude über- und 1810 den Lehrbetrieb aufnahm. Da trug sie noch den Namen „Königliche Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin“. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude fast vollständig zerstört und musste wieder rekonstruiert werden. 1949 wurde die Universität dann nach ihrem Gründer Wilhelm und seinem Bruder Alexander von Humboldt umbenannt.


Das Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor am Pariser Platz. Foto: Imago/agefotostock

Unter den Linden führt direkt auf die wohl bekannteste Touristenattraktion Berlins zu. Das Brandenburger Tor ist am Ende der Straße auf dem Pariser Platz zu finden. Es ist in den Jahren 1788 bis 1791 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm II. gebaut worden. Erst zwei Jahre danach wurde der Wagen, der von vier Pferden gezogen wird, also die Quadriga, auf das Dach des Tores gesetzt.

In der Zeit des Mauerbaus war das Tor im Sperrbereich und konnte von keiner Seite erreicht werden. Als im Jahr 1989 die Mauer fiel, wurde das Brandenburger Tor zum Symbol der Wiedervereinigung. Auf dem Pariser Platz sind dazu noch die Akademie der Künste, die Botschaft der USA und das Hotel Adlon Kempinski zu finden.


Der Berliner Dom

Berliner Dom am Lustgarten. Foto: Imago/agefotostock

Der Berliner Dom, so wie wir ihn heute kennen, wurde im Jahr 1905 eingeweiht. Die Geschichte geht jedoch weit zurück bis ins Jahr 1465. Da hat alles mit der Erhebung der St.-Erasmus-Kapelle in dem damals neu erbauten kurfürstlichen Schloss zu Cölln begonnen.

Der „Alte Dom“ verlor, nachdem Berlin ab 1871 Hauptstadt des neu gegründeten Deutschen Reichs war, seine Repräsentativität. Der Architekt Julius Carl Raschdorff aus Schlesien bekam daraufhin den Auftrag, einen Neubau zu planen. Dafür hatte er sich 20 Millionen Reichsmark erhofft. Aber das preußische Abgeordnetenhaus hat nur zehn Millionen bewilligt. 1893 begann der Abriss der bestehend Bausubstanz, um den Platz für den Neubau zu nutzen.


Die Neue Wache

Die Neue Wache im Jahr 1917. Foto: Imago/Arkivi

Die Neue Wache war schon immer eine Gedenkstätte. Der damals bekannteste Baumeister Preußens, Karl Friedrich Schinkel, hat das Gebäude für die in den napoleonischen Kriegen und den Befreiungskriegen Gefallenen erbaut. Das war sein erstes Werk in Berlin. Bis zum Ende der Monarchie 1918 diente das Gebäude als Wachhaus für die königliche Wache.

Heinrich Tessenow war für die Umgestaltung der Neuen Wache 1931 als Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Weltkriegs zuständig. Diese wurde vor Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bomben stark beschädigt. Das restaurierte Gebäude ist seit 1960 ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus. Seit 1993 dient die Neue Wache nun als zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer des Kriegs und der Gewaltherrschaft.


Das Berliner Schloss

Berliner Schloss mit Schlossbrücke. Foto: Imago/teutopress

Im Zweiten Weltkrieg wurde an der Straße Unter den Linden weitestgehend alles zerstört – bis auf das Stadtschloss, welches aber 1950 abgerissen wurde. Der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht, veranlasste das, da es für ihn ein Zeichen des preußischen Absolutismus war. An seiner Stelle wurde der Palast der Republik gebaut, der nach der Wende wiederum abgerissen werden musste.


Das Humboldt Forum

Blick auf das Humboldt Forum und dem Fernsehturm am Alexanderplatz. Foto: Imago/Jochen Eckel

Das Humboldt Forum wurde 2020 eröffnet. Es befindet sich im wiederaufgebauten Berliner Schloss. Bereits 2002 hatte der Bundestag entschieden, dieses wieder aufzubauen. Hier gibt es die Geschichte vom Berliner Schloss zum Humboldt-Forum in 12 Bildern. Die Kuppel, drei der Außenfassaden und drei Fassaden des historischen Schlüterhofes wurden detailgetreu nachgebaut. Insgesamt hat das Humboldt Forum eine Fläche von 30.000 Quadratmetern. Genug Raum unter anderem für eine interaktive Ausstellung, die dort beheimatet ist.


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