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Foto-Zeitreise

30 Jahre Wiedervereinigung: Diese Fotos zeigen Berlin 1990 und wie es heute aussieht

In dieser Zeitreise stellen wir 12 historischen Berlin-Fotos von 1990 – dem Jahr der deutschen Wiedervereinigung – 12 Fotos von 2020 gegenüber. Anlass ist der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 2020. Eine gute Gelegenheit, zu schauen, was sich in Berlin in diesen drei Jahrzehnten alles verändert hat. An zentralen Orten wie dem Brandenburger Tor, Alexanderplatz und Checkpoint Charlie genauso wie in eher abgelegenen Ecken in Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Friedrichshain.


Brandenburger Tor – 1990 und 2020

Erstes gemeinsames deutsch-deutsches Silvester nach dem Mauerfall, das Brandenburger Tor am 1. Januar 1990. Foto: Imago/Jochen Tack
Erstes gemeinsames deutsch-deutsches Silvester nach dem Mauerfall, das Brandenburger Tor am 1. Januar 1990. Foto: Imago/Jochen Tack

In der Silvesternacht 1989 feierte ganz Berlin gemeinsam das neue Jahr am Brandenburger Tor. Heute ist der Pariser Platz zugleich Berliner Schmuckkästchen, ein Hotspot für Touristen und Plattform für Demonstrationen jeder Art.

Ein Mann protestiert vor dem Brandenburger Tor, Aufnahme vom Juli 2020. Foto: Imago/Hohlfeld
Ein Mann protestiert vor dem Brandenburger Tor, Aufnahme vom Juli 2020. Foto: Imago/Hohlfeld

Potsdamer Platz – 1990 und 2020

Vogelschwarm über dem leeren Potsdamer Platz, Januar 1990. Foto: Imago/Werner Schulze
Vogelschwarm über dem leeren Potsdamer Platz, Januar 1990. Foto: Imago/Werner Schulze

Kein anderer Ort hat sich so radikal verändert wie der Potsdamer Platz. Die Brache aus Mauerzeiten wich einem modernen Gebäude-Ensemble.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Blickwinkel der Fotos von 1990 und 2020 nicht immer komplett übereinstimmen, sie geben aber stets Stimmung und jeweilige Situation wieder.

Der Potsdamer Platz im März 2020. Foto: Imago/Panthermedia
Der Potsdamer Platz im März 2020. Foto: Imago/Panthermedia

Reichstag – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Reichstagsgebäude mit Länderflaggen am Tag der ersten gesamtdeutschen Bundestagssitzung am 4. Oktober 1990. Foto: Imago/Kundel-Saro
Reichstagsgebäude mit Länderflaggen am Tag der ersten gesamtdeutschen Bundestagssitzung am 4. Oktober 1990. Foto: Imago/Kundel-Saro

Der Reichstag war bis zum Mauerfall ein leicht in Vergessenheit geratenes Relikt an der Berliner Mauer, in dem sich Schulklassen eine Dauerausstellung zur deutschen Geschichte anschauen durften. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gebäude komplett saniert, bekam von Stararchitekt Norman Foster eine Glaskuppel aufgesetzt und ist Sitz des Bundestags.

Das Reichstagsgebäude am 11. August 2020. Foto: Imago/xim.gs
Das Reichstagsgebäude am 11. August 2020. Foto: Imago/xim.gs

Alexanderplatz – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Alexanderplatz mit Brunnen der Völkerfreundschaft, 15. April 1990. Foto: Imago/Werner Otto
Alexanderplatz mit Brunnen der Völkerfreundschaft, 15. April 1990. Foto: Imago/Werner Otto

Der Brunnen der Völkerfreundschaft ist geblieben, die Weltzeituhr, auch die etwas unwirtliche Weite. Der Alexanderplatz gehört nicht zu den angenehmsten Orten der Stadt, aber er hat eine bewegte Geschichte, ist einer der wichtigsren Verkehrsknotenpunkte und bietet gute Einkaufsmöglichkeiten. Einige Gebäude aus DDR-Zeiten, die rund um den Alex standen, sind verschwunden. Und einige neue hinzugekommen. In ein paar Jahren sollen den Platz hohe Türme flankieren.

Der Alexanderplatz am 16. Mai 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Der Alexanderplatz am 16. Mai 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Checkpoint Charlie – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Das Kontrollhäuschen am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie wird am 22. Juni 1990 entfernt. Foto: Imago/epd
Das Kontrollhäuschen am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie wird am 22. Juni 1990 entfernt. Foto: Imago/epd

Radikale Veränderung: Während der Teilung Berlins befand sich hier ein Grenzübergang. 1961, im Jahr des Mauerbaus, standen sich hier US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Heute ist der Checkpoint Charlie ein vor allem für Touristen interessanter Ort. Das obere Foto zeigt, wie am 22. Juni 1990, in Anwesenheit der Außenminister der Alliierten, der Sowjetunion, der Bundesrepublik und der DDR, das letzte originale Kontrollhäuschen entfernt wird.

Checkpoint Charlie am 16. Mai 2020. Foto: Imago/IPON
Checkpoint Charlie am 16. Mai 2020. Foto: Imago/IPON

Adalbertstraße/Kreuzberg – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Reste der Berliner Mauer an der Adalbertstraße in Kreuzberg, 1990. Foto: Imago/Imagebroker
Reste der Berliner Mauer an der Adalbertstraße in Kreuzberg, 1990. Foto: Imago/Imagebroker

Zwischen Kreuzberg und Mitte klafft bis heute eine Lücke. Zwar wurden viele Häuser saniert und vor allem auf Mitte-Seite, die man auf dem Foto sehen kann, auch neue gebaut, doch der Grünstreifen entlang des Bethanien- und Engeldamms erinnert an den Verlauf der Mauer. Der Kinderbauernhof auf Kreuzberger Seite ist zudem ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Ecke Berlins verschlafen im Nirgendwo lag.

Die einstige Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte an der Adalbertstraße. Foto: Jacek Slaski

Zoo Palast – 1990 und 2020

Der Zoo Palast in der Hardenbergstraße in Charlottenburg, Februar 1990. Foto: Imago/Heiko Feddersen
Der Zoo Palast in der Hardenbergstraße in Charlottenburg, Februar 1990. Foto: Imago/Heiko Feddersen

Im Gegensatz zu der historischen Mitte, dem Potsdamer Platz oder den Gegenden, die direkt von der Mauer getrennt wurden, haben sich natürlich auch einige Teile der Stadt oder einzelne Gebäude zwischen 1990 und 2020 wenig verändert. Wie etwa der Zoo Palast. Zumindest äußerlich ist das berühmte Kino heute in etwa der gleiche Kasten geblieben wie vor 30 Jahren. Innen ist aber alles neu und auch drumherum ist in der City-West sehr viel passiert.

Zoo Palast am 2. Juli 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Zoo Palast am 2. Juli 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Lohmühlenstraße/ Neukölln – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Reste der Berliner Mauer mit Wachturm an der Lohmühlenstraße, Blick von Neukölln nach Treptow. Aufnahme vom 30. Juni 1990. Foto: Imago/Imagebroker
Reste der Berliner Mauer mit Wachturm an der Lohmühlenstraße, Blick von Neukölln nach Treptow. Aufnahme vom 30. Juni 1990. Foto: Imago/Imagebroker

Die Ecke zwischen Kreuzberg, Neukölln und Treptow wird „Dreiländereck“ genannt. Getrennt werden die drei Bezirke vom Landwehrkanal, der sich hier teilt. Nach der Wende waren die Grenzanlagen und der Wachturm an der Lohmühlenstraße noch präsent, heute hängen hier Hipster ab, im Sommer ist das Wasser voll mit Schlauchbooten, und ein süßlicher Jointduft liegt über der ganzen Szenerie.

Der Lohmühlenplatz im Herbst 2020. Foto: Jacek Slaski

Rykestraße in Prenzlauer Berg – 1990 und 2020

Wasserturm in der Rykestraße in Prenzlauer Berg, ein Kohlenfahrzeu liefert Briketts aus, Aufnahme vom 3. November 1990. Foto: Imago/Rolf Zöllner
Wasserturm in der Rykestraße in Prenzlauer Berg, ein Kohlenfahrzeug liefert Briketts aus, Aufnahme vom 3. November 1990. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Wo jetzt Schwaben in topsanierten Eigentumswohnungen leben und sich über die Vorzüge veganer Küche und Alternativen zur Schulmedizin austauschen, wehte 1990 noch ein ganz anderer Wind. Die Wartburgs und Trabis verpesteten die Luft, den Rest besorgten die Kohleöfen. Auf dem oberen Foto fährt ein alter Kohlehändler sein schwarzes Gold aus. Der Wasserturm in der Rykestraße war schon damals bewohnt, dort lebte man vor der Wende für eine Mark (Ost) den Quadratmeter. Dafür gibt es heute in der Gegend nicht mal eine Kugel Eis.

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Wasserturm, Rykestraße, Januar 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Wasserturm, Rykestraße, Januar 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Humboldt Forum/Palast der Republik – 1990 und 2020

Der Palast der Republik am 21. September 1990. Foto: Imago/photothek
Der Palast der Republik am 21. September 1990. Foto: Imago/photothek

Ja, auch hier stimmt der Blickwinkel nicht ganz zwischen dem Foto von 1990 und 2020. Die Veränderung ist allerdings eklatant. Damals stand auf dem alten Schloßplatz der Palast der republik. Ein sozialistsicher Prunkbau, dessen Abriss eine tiefe Wunde ins Selbstverständnis der halben Stadt gerissen hat. Seit Jahren wird an der Stelle das alte Berliner Schloss wieder errichtet, das Humboldt Forum wird dort einziehen. Den großen Parkplatz, wie es ihn nach der Wiedervereinigung noch gab, könnte man in Mitte auch heute noch gut gebrauchen …

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Humboldt Forum im Berliner Schloss am 1. Juni 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter
30 Jahre nach der Wiedervereinigung sieht es so aus: Humboldt Forum im Berliner Schloss am 1. Juni 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Tacheles – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße in Mitte, Aufnahme vom 9. Juli 1990. Foto: Imago/Detlev Konnerth
Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße in Mitte, Aufnahme vom 9. Juli 1990. Foto: Imago/Detlev Konnerth

Direkt nach dem Mauerfall und noch vor der Wiedervereinigung herrschte in Ost-Berlin ein kurzer Sommer der Anarchie. Viele Häuser wurden 1990 in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain besetzt. Linke und alternative Strukturen etablierten sich. Illegale Clubs und Bars entstanden. Einige haben lange überlebt, wie etwa das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße in Mitte.

20 Jahre existierte die legendäre Institution mit Kino, Theater, Café, Ateliers und Ausstellungsräumen. Jetzt wird das alte Kaufhaus sowie das umliegende Areal aufwendig saniert. Demnächst ziehen dort Büros, Geschäfte und Kunstinstitutionen ein, darunter eine neue Dependance des schwedischen Fotomuseums Fotografiska.

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Riesenbaugrube am ehemaligen Tacheles, Foto vom Februar 2020. Foto: Imago/PEMAX
Riesenbaugrube am ehemaligen Tacheles, Foto vom Februar 2020. Foto: Imago/PEMAX

Mainzer Straße/ Friedrichshain – 1990 und 2020

Wiedervereinigung Fotos Berlin: Die Polizei räumt besetzte Häuser in der Mainzer Straße in Friedrichshain, Aufnahme vom 14. November 1990. Foto: Imago/Werner Schulze.
Die Polizei räumt besetzte Häuser in der Mainzer Straße in Friedrichshain, Aufnahme vom 14. November 1990. Foto: Imago/Werner Schulze.

1990 war das Jahr der Hausbesetzer in Ost-Berlin. Die Stadt befand sich zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung im politischen Vakuum. In Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain wurden Dutzende Häuser besetzt. So auch in der Friedrichshainer Mainzer Straße. Im November 1990 kam es dann zu einem gewaltigen Polizeieinsatz und der Räumung zahlreicher Häuser. Heute ist die Mainzer Straße eine ganz normale, größtenteils sanierte, Wohnstraße unweit des bei Touristen beliebten Boxhagener Platzes. Linke Stadtgeschichte zeigen wir euch hier mit Bildern besetzter Häuser.

Von Häuserkampf keine Spur mehr: Das Foto zeigt die Mainzer Straße in Berlin 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Foto: Jacek Slaski
Von Häuserkampf keine Spur mehr: Das Foto zeigt die Mainzer Straße in Berlin 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Foto: Jacek Slaski

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