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Girls Skate History: Skaterinnen in Berlin

YvonneLabedzki_GiennaGieseDie Skaterszene versteht sich ja oftmals als eine große Familie ohne Grenzen. Warum braucht es da den Girls-only-Wettbewerb Suck My Trucks, der 2011 zum ersten Mal mit Skaterinnen aus aller Welt stattfand?
Labedzki Rein anatomisch sind Frauen gegenüber den Männern nun mal im Nachteil. Die meisten können nicht so hoch springen und nicht so schnell fahren. Deshalb haben sie es auf den großen Contests schwer. Da gibt es manchmal zwar auch einen Mädels-Jam, wenn die Jungs dann aber länger brauchen, wird der oft gestrichen. Und wenn sie dann doch fahren, werden sie für die gleiche Arbeit mit Sachpreisen oder lächerlichen Preisgeldern abgespeist. Wir wollten dem etwas entgegensetzen und ein vollwertiges Forum für die Skaterinnen schaffen.

Ihr habt zudem im Cassiopeia die Ausstellung „Girls Skate History“ gemacht. Was hat es damit auf sich?
Labedzki Als wir 2007 mit unserer Arbeit begonnen haben, sagten die Jungs zu uns: „Ach wie cool, Ihr skatet jetzt auch?“ Ich hätte ihnen dafür eine feuern können. Denn Frauen waren von Anfang an Bestandteil der Szene. Mit der Ausstellung wollen wir ihre Geschichte abbilden.
Giese Pattie McGee (erste Frau in der Skateboard Hall of Fame, Anm. d. Red) hat mal gesagt, dass in den USA zwar ein Viertel aller Skater weiblich ist, trotzdem fänden sie in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie nicht statt. Und wenn, dann als vollbusige Models in Werbeanzeigen. Diesem Sexismus wollen wir entgegentreten.

Warum sieht man in Berlin denn so wenig Mädels auf einem Skateboard?
Labedzki Ich glaube, das hat viel mit dem hohen Verletzungsrisiko zu tun. Für Jungs mag das manchmal dazugehören, aber Mädchen und Frauen stehen nun mal nicht so sehr auf üble Schrammen oder ein gebrochenes Handgelenk.
Giese Außerdem ist die Akzeptanz einfach noch nicht so da. Wenn Mädels skaten, dann finden die Jungs das oft gar nicht so toll, wie sie immer tun. Da haben viele nicht das Selbstbewusstsein und trauen sich dann nicht mehr, gerade als Anfängerin, vor deren Augen zu fahren.

Inwiefern hat sich durch eure Arbeit das Standing von Frauen in der Skateboard­szene verändert?
Labedzki Wir merken, dass sich auch in anderen deutschen Städten etwas bewegt. Dort gibt es inzwischen mehr Mädelsgruppen, die sich zusammenfinden und gemeinsam was reißen, es gründen sich Vereine, es finden Workshops und kleine Contests statt. Auch für Suck My Trucks wächst vonseiten der Sponsoren das Feedback.

In zehn Jahren werden mehr Frauen skaten als heute, weil …
Giese … sie es können!

Interview: RF
Foto: Oliver Wolff

www.suckmytrucks.de

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