Stadtleben

Gorkis Zukunft

Das kam überraschend. Eben noch hatte Kulturstaatssekretär Andrй Schmitz beharrlich Nicolas Stemann umworben, um ihn als Intendanten des Maxim Gorki Theaters zu gewinnen. Als das an Stemanns Etatforderungen scheiterte, präsentierte Schmitz eine Ersatzkandidatin, mit der kaum jemand gerechnet hatte: Shermin Langhoff vom kleinen Ballhaus Naunynstraße soll, gemeinsam mit dem Dramaturgen Jens Hillje, ab übernächster Spielzeit das Maxim Gorki Theater leiten. Diese Wahl muss auch für Langhoff selbst überraschend gekommen sein.

Gefragt nach ihren Plänen für das Haus, bleibt sie äußerst vage. Dass Langhoff am Ende eines monatelangen Findungsprozesses als Überraschungskandidatin das Gorki übernimmt, spricht nicht gegen sie – auch wer in letzter Minute nominiert wird, muss nicht zwangsläufig eine Not­lösung sein. Langhoffs Ballhaus Naunynstraße spielt in einer deutlich anderen Liga als das ungleich größere Maxim Gorki Theater mit seinen 440 Plätzen. Die schwankende Qua­lität der einzelnen Aufführungen konnte sie am Ballhaus mit der Kraft der Themensetzung eines „post­migrantischen“ Theaters samt einer Dosis Kreuzberger Kiez-Folklore ausgleichen. Am Gorki wird das als Konzept nicht reichen.

Dass Schmitz, noch ganz begeistert von seiner Entscheidung, in einem Gastbeitrag für „Die Zeit“ erklärte, man müsse vielleicht bei Führungspositionen in Kultureinrichtungen über eine Migranten-Quote nachdenken, war nicht sehr charmant: Es klingt fast, als sei Shermin Langhoff als Gorki-Intendantin in seinen Augen eine Quoten-Türkin.

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