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Blockwart-Mentalität

Ordnung muss sein: Grillen wird in Friedrichshain zum spießbürgerlichen Spaß

Mal eben in den Supermarkt, den Grill unter den Arm geklemmt und ab in den Park, um mit Freunden laue (Spätsommer-)Abende zu genießen: In Friedrichshain-Kreuzberg ist das nicht mehr möglich. Das Bezirksamt hat die Corona-Krise genutzt, um die öffentlichen Grillflächen neu zu organisieren, wie es auf der Seite des Bezirksamts heißt. Meint konkret: An vielen Plätzen ist es schlichtweg verboten, aber im Volkspark Friedrichshain ist Grillen gestattet. Allerdings nur, wenn man einen Katalog an Regeln einhält, die die Betreiber des Cafés „Neuer Hain“ überwachen. Berlin steht diese Blockwart-Mentalität nicht, meint unser Autor Max Müller. Und fordert: Lasst die Leute doch grillen!

Wer im Volkspark Friedrichshain grillen will, muss fortan noch mehr Regeln beachten. Ohne Online-Anmeldung geht nix. Foto: Imago/Hettrich
Wer im Volkspark Friedrichshain grillen will, muss fortan noch mehr Regeln beachten. Ohne Online-Anmeldung geht nix. Foto: Imago/Hettrich

Mit Beginn der Corona-Krise wurde auch das öffentliche Grillen untersagt. Die Politik wollte offensichtlich verhindern, dass es in der sich anbahnenden Sommerzeit zur Zusammenrottung gelangweilter und grillwütiger Berliner*innen kommt. Viele Maßnahmen wurden mittlerweile zwar wieder gelockert. Allerdings nicht in Sachen Grillen – das ist vielerorts noch immer verboten. In Friedrichshain-Kreuzberg war man nun ganz pfiffig. Dort feilten die zuständigen Mitarbeiter an ihrer Law-and-Order-Mentalität und erdachten sich kurzerhand einen „kleinen“ Regelkatalog für den Volkspark Friedrichshain – dem einzigen Ort im Bezirk, an dem man mittlerweile wieder grillen darf.

Von nun an gilt: Grillen ist erlaubt, aber nur, wenn man sich artig an die Regeln hält. Dazu gehört eine Online-Anmeldung. Hat man einen der 30 zur Verfügung stehenden Grillplätze ergattert, muss man zum Kiosk „Neuer Hain“, 20 Euro Pfand hinterlegen, kriegt dafür eine Parzelle zugewiesen und eine Marke überreicht. Die klemmt man dann möglichst elegant an den Grill, der natürlich nicht zu groß und nicht zu rauchig sein darf, mindestens 30 Zentimeter über dem Boden schweben muss und auf dem nur eine überschaubare Menge Grillgut Platz findet. Ganz kess endet die Regelsammlung mit dem Hinweis, dass die wichtigste Regel doch sei, das Grillfest zu genießen. Was für ein spießbürgerlicher Spaß! Den Pfand gibt’s übrigens nach dem Aufräumen zurück. Ordnung muss sein!

Grillen im Volkspark Friedrichshain: Spaß, aber bitte nicht zu viel

Doch mal ehrlich: Was soll das? Berlins Parks gehören weder parzelliert noch braucht man einen Blockwart, der die Regeln überwacht. Das legere Chillen in den öffentlichen Grünanlagen, das ist doch ein ganz wichtiger Teil dieser Freiheit, die Berlin als liberale Metropole auszeichnet.

Klar, in der Vergangenheit gab es Probleme: An warmen Wochenenden kamen mitunter zu viele Grillfans, es wurde zu viel Müll hinterlassen. Doch dem muss man doch durch andere pädagogische Maßnahmen begegnen. Die Regulierung führt doch nur zur Verlagerung des Problems. Viele werden, sobald sie einmal weggeschickt werden, den Park ganz meiden. Das ist weder durchdacht, noch passt es zu Berlin. In diesem Sinne: Lasst die Menschen doch grillen!


Grillen ist Volkssport

Grillen ist deutscher Volksport. Aber wie bei vielen Dingen im Leben ist auch die Essenszubereitung auf Kohle nicht immer ganz simpel. Schon allein, weil es natürlich einige Regeln gibt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Wo in Berlin darf man grillen? Wir verraten euch unsere zwölf liebsten Orte!

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