Stadtleben

Grips?Theater in Nöten

Ich wusste nicht, dass sich die nette Verkäuferin in meinem Lieblingsbioladen für Theater interessiert. Aber die Ansage beim Einkauf war unmissverständlich: „Wie wäre es mal mit einem Artikel zum Grips Theater? Das ist doch eine Sauerei, was die mit denen machen.“ Stimmt. Dass das Grips Theater um seine Zukunft fürchten muss, weil ihm lächerliche 150?000 Euro im Etat fehlen, macht derzeit nicht nur diese Frau wütend. Wie Berlin mit seinem einzigartigen Kinder- und Jugendtheater umgeht, ist eine Blamage für den Nebenbei-Kultursenator Wowereit.
Derzeit muss das Grips öfter Vorstellungen für Kinder ausfallen lassen und stattdessen abends für ein erwachsenes Publikum spielen, weil das höhere Einnahmen bringt – Kinder zahlen nur 4 oder 5 Euro für ihre Karten, und das soll auch so bleiben, schon um auch Kinder aus ärmeren Stadtteilen zu erreichen. Der Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus empfiehlt, die kümmerlichen Subventionen um 50?000 Euro zu erhöhen, aber das deckt gerade mal die Mieterhöhungen, unter denen das Grips zu leiden hat, und „reicht hinten und vorne nicht“, sagt Grips-Gründer Volker Ludwig. Am 4. Mai wird der Hauptausschuss über die Zukunft des Grips entscheiden.
Axel Prahl, einst Schauspieler im Grips-Ensemble und heute „Tatort“-Kommissar, sagt es so: „Angesichts der Millionen-Etats der großen Opern und Staatstheater, sind die 150?000 Euro, die dem Grips fehlen, ein Witz. Es ist unfair, dass das Grips gegenüber den Staatstheatern und Opernhäusern so massiv benachteiligt wird. Das Grips spielt für Kinder, auch sehr viel für Kinder aus ärmeren Verhältnissen. Die haben offenbar in der Kulturpolitik keine so starke Lobby wie die Opern-Fans, und das ärgert mich.“ Nicht nur ihn.

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