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Großer Tiergarten: Reiher, Rosen und Ruhe-Oasen in der ältesten Parkanlage Berlins

Der Große Tiergarten ist nicht nur ein oft verwunschener Zufluchtsort für Entspannungssuchende, sondern hat auch einiges an Kultur, Kunst, Natur und Geschichte zu bieten. Wunderschöne Gartenanlagen wie der Englische Garten und der Rosengarten wechseln sich ab mit Denkmälern für historische Berühmtheiten wie Jean-Jacques Rousseau oder Gotthold Ephraim Lessing. Und dann wieder steht man plötzliche im Wald, unter knorrigen Eiche blühen die Buschwindröschen und im Teich stakst ein Reiher. Mit seinen rund 210 Hektar wird der Tiergarten an Größe nur noch vom Tempelhofer Feld übertrumpft.

Umgeben von Grün, im Morgennebel des Tiergartens, umso leichter trainieren. Foto: Photothek/Florian Gaertner

Geschichte: Die ersten Strukturen für einen Tiergarten, der zunächst als Jagdrevier benutzt wurde, wurden bereits 1527 an einer anderen Stelle angelegt. In den Jahren danach wurde das Gebiet stetig nach Norden hin erweitert, bis zu den Grenzen des heutigen Tiergartens und darüber hinaus.

Friedrich der Große gab 1742 den Auftrag, den Park zu einem Lustpark für die Bevölkerung umzugestalten. Der Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ließ daraufhin Blumenbeete angelegen, Brunnen bauen und Skulpturen errichten.

Im 19. Jahrhundert baute Peter Joseph Lenné den Park nach englischem Vorbild um. Weitere feuchte Waldgebiete wurden trockengelegt und Wege fürs Spazieren, Fahren und Reiten geschaffen. Des weiteren entstanden größere Rasenflächen, die von Wasserläufen durchzogen waren, sowie kleine Seen und Brücken. In dieser Zeit kamen die Luiseninsel und der Rosengarten hinzu. Ende des Jahrhunderts wurden im Park mehrere Denkmäler aufgestellt. So entstand beispielsweise die Siegesallee, ein Prachtboulevard, den Kaiser Wilhelm II. 1895 in Auftrag hatte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Tiergarten durch Luftangriffe der Alliierten sehr schwer schädigt. Die restlichen Bäume verheizten die Berliner*innen nach dem Krieg. Auf den nun freien Flächen bauten sie Gemüse an. Zwischen 1949 und 1959 wurde der Tiergarten wieder aufgeforstet.

Im Jahre 1987 wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins, das Carillon im Tiergarten errichtet, einem rund 40 Meter hohen Turm mit 68 Glocken.

Zwischen 1996 und 2006 fand entlang des Tiergartens die Techno-Parade Loveparade statt: Bis zu 1,5 Millionen Raver*innen tanzten über die Straße des 17. Juni.

Das Sowjetische Ehrenmal ist eines der vielen Denkmale im Tiergarten.    Foto: Imago/Zeitz
Das Sowjetische Ehrenmal ist eines der vielen Denkmäler im Tiergarten. Foto: Imago/Zeitz

Die Sehenswürdigkeiten des Großen Tiergartens

Diese Besonderheiten gibt es: Der Große Tiergarten ist voll mit besonders gestalteten Bereichen mit Kunst, Denkmälern und Architektur.

Eines der bekanntesten Denkmale und gleichzeitig auch Wahrzeichen Berlins, ist die Siegessäule in der Mitte des Tiergartens. Die insgesamt 69 Meter hohe Säule wird von der Siegesgöttin Viktoria, auch „Goldelse“ genannt, gethront. Gebaut wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts, um an die Siege Preußens gegen Dänemark, Frankreich und Österreich in den Jahren 1864, 1866 und 1870/1871 zu erinnern. Für rund drei Euro, kann man sie ganzjährig besichtigen. Von der Aussichtsplattform hat man ein wundervolles Panorama über Park und Stadt.

Die Siegessäule zieht zu jeder Tageszeit Besuch an.    Foto: Imago/Contini
Die Siegessäule zieht zu jeder Tageszeit Besuch an. Foto: Imago/Contini

Es gibt fünf Mahnmale zu den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Verbrechen im und nahe des Parks:

  1. Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 errichtete die Rote Armee auf der Kreuzung zwischen der ehemaligen Siegesallee und der heutigen Straße des 17. Juni das Sowjetische Ehrenmal. Der gärtnerische Teil des Ehrenmals ist der letzte Ruheort für mehr als 2.000 im Kampf um Berlin gefallenen Soldaten der Roten Armee.
  2. Östlich des Tiergartens, an der Ebertstraße, befindet sich seit 2005 das Denkmal für die Ermordeten Juden Europas des Architekten Peter Eisenmann. Es ist die zentrale Holocaustgedenkstätte Deutschlands und somit auch eines der meist besuchten Mahnmäler.
  3. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurde von den Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen und 2008 eröffnet. Die Form ist dem Holocaustdenkmal nachempfunden. Die Besonderheit ist die Öffnung in der Struktur, durch die man eine Kussszene betrachten kann.
  4. Der Künstler Dani Karavan entwarf das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma. Es besteht aus einem Brunnen umkreist von ungleichmäßig geformten Steinen. In der Mitte des Brunnen befindet sich ein versenkbarer Stein mit einer frischen Blume.
  5. Das neueste der Mahnmale ist der 2014 errichtete Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Den etwa 300.000 Opfern der ‚Zentrale für die Organisation‘, wird mit einer 24 Meter lange Glaswand gedenkt. Diese führte währen der NS-Zeit den Mord an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten durch.

Neben diesen Mahnmalen spazieren Parkbesucher*innen auch immer wieder an Kunstdenkmalen vorbei. Beispielsweise am Gedenkstein für den Hofmarschall von Bredow, dem weiblichen Standbild mit Putto „Flora“, den Denkmälern für Richard Wagner oder auch Johann Wolfgang von Goethe.

Flora und Fauna: Der Große Tiergarten zeichnet sich durch seine abwechslungsreiche Landschaft aus. Wiesen mit jungen und alten Bäumen, treffen auf Teiche und Kanäle. Kein Wunder also, dass er ein Lebensraum für mehr als 1400 Arten von Tieren und Pflanzen ist; darunter sind über hundert auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Berlins. Des weiteren ist er für die Stadt durch seinen Beitrag zum Luftaustausch und Temperaturausgleich auch wichtig. Die Landschaft des Parks ist geprägt von seinen vielen Wiesen, Gewässern und Altbäumen.

Mit Altbäumen sind die circa 290 Bäume die aus der Zeit vor 1945 geblieben sind gemeint. Viele der Bäume wurden durch Bomben und Kämpfe während des Krieges zerstört oder geschwächt. Jedoch wurden weitaus mehr in der Nachkriegszeit für Feuerholz gefällt. Ende der 1940er Jahre wurde dank Baumspenden wieder aufgeforstet.

Der Tiergarten ist ein Ort vieler ökologischer Nischen. Besondere und seltene Arten von Flora und Fauna finden hier ihr Zuhause. Vor allem Vögel wie Habichte, Mäusebussarde, Nachtigallen und Teichralle können im Park nisten. In den Gewässern finden sich unter anderem auch Biber und Sumpfkrebse.

Das Denkmal Königin Luise von Preußen ist ein weiterer beliebter Anlaufpunkt für viele Besucher des Tiergartens.    Foto: Imago/Schöning
Das Denkmal für Königin Luise von Preußen ist ein weiterer beliebter Anlaufpunkt für viele Besucher des Tiergartens. Foto: Imago/Schöning

Hunde, Grillen, Lage: Was man über den Großen Tiergarten wissen muss

Fun Fact: Der Park ist Standort eines ‚Michael Jackson Baumes‘. Möglicherweise inspiriert durch die Vielfalt an Denkmalen im restlichen Park, ist dieser Baum dem 2009 verstorbenen „King of Pop“ gewidmet. Der Baum ist verziert mit Bildern, Dekoration und dergleichen. Da es sich jedoch um einen nicht-offiziellen und darum auch nicht geschützten Ort handelt, werden diese oft wieder entfernt.

Öffnungszeiten: Der Park ist immer zugänglich.

Die Vielfalt an Natur und Kultur macht den Großen Tiergarten zu einem beliebten Ausflugsziel für Berliner wie Touristen.    Foto: Imago/Schöning
Die Vielfalt an Natur und Kultur macht den Großen Tiergarten zu einem beliebten Ausflugsziel für Berliner wie Touristen. Foto: Imago/Schöning

Barrierefreiheit: Der Große Tiergarten ist generell barrierefrei. Jedoch gibt es ein paar Ausnahmen: Bei der Stufenbrücke sind jeweils auf beiden Seiten der Brücke zwei Stufen zu überwinden und die Gotische Brücke hat eine größere Steigung als sechs Prozent. Die einzige barrierefreie und für Menschen mit Behinderung ausgestattete öffentliche Toilette findet man zwischen dem Brandenburger Tor und dem Sowjetischen Ehrenmal.

Sportangebote: Die Größe des Parks ermöglicht eine Vielfalt an Möglichkeiten für sportliche Betätigung. Neben den zahlreichen Rad- und Spazierwegen, die zum Fitnessaufbau einladen, gibt es im Café am Neuen See auch ein Bootsverleih, mit dem man einen entspannten und idyllischen Nachmittag verbringen kann. Die weiten Grasflächen sind auch ideal für Aktivitäten wie Yoga und Ballspiele.

Ein Highlight des Tiergartens ist das Erkunden des Parks mit dem Ruderboot.    Foto: Imago/Schneider
Ein Highlight des Tiergartens ist das Erkunden des Parks mit dem Ruderboot. Foto: Imago/Schneider

Grillen: Grillen ist im Park nicht gestattet.

Gastronomie:

  • Das Teehaus im Englischen Garten:
    Ab 15.Mai ist das Teehaus endlich wieder geöffnet. Das Restaurant und Café befindet sich im Norden des Parks und bietet neben Kaffee, Tee und Kuchen auch immer abwechselnde regionale Gerichte aller Art an. Wegen seiner tollen Lagen in Mitten des Parks und seiner Natur, ist es empfehlenswert vor einem Besuch zu reservieren. Mehr Info auf ihrer Webseite.
  • Das Café am Neuen See:
    Das 1896 gegründete Landhaus und Biergarten, bietet allerlei Spezialitäten an. Von Pizza bis Frühstück ist für jeden etwas dabei. Für extra Gemühtlichkeit sorgen die Kaminöfen, die mit Brandenburger Buchenholz befeuert werden. Zurzeit liefert das Café. Weitere Informationen gibt es auf ihrer Webseite.
  • Der Schleusenkrug:
    Dieser Biergarten befindet sich gleich neben dem Landwehr Kanal im Westen des Parks. Frühstück, Grill Gerichte und Flammkuchen werden täglich frisch zubereitet. Auch für Vegetarier und Veganer gibt es Optionen. Momentan gibt es alles to go. Mehr Infos auf ihrer Webseite.

Besuch mit Kindern: Der Tiergarten ist ideal für einen Besuch mit Kindern. Er verfügt über sechs Spielplätze. Darunter sind beispielsweise ein Waldspielplatz mit Wackelbrücke, der sich zwischen dem Ahornsteig und der Tiergartenstraße befindet, und ein kürzlich neu gestalteter Spielplatz hinter der Akademie der Künste mit großem Holz-Kletter-Parkour.

Besuch mit Hund: Hunde sind im Park grundsätzlich an der Leine zu führen. Zusätzlich sollten sie von Spielplätzen, Mahnmalen und Gewässern fern gehalten werden.

Wie komme ich zum Park:

U-Bahnlinien:

  • U2: Potsdamer Platz
  • U9: Hansaplatz

S-Bahnlinien:

  • S1, S2, S25, S26: Potsdamer Platz
  • S3, S5, S7, S9, S75: Tiergarten

Bus:

  • 100, 106, 187, N26: Großer Stern, Nordische Botschaften/Adenauer-Stiftung
  • 200: Nordische Botschaften/Adenauer-Stiftung, Philharmonie
  • M41: Philharmonie

Adresse: Str.des 17. Juni, 10785 Berlin

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