Stadtleben

Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Die Berliner gehen seltener ins Theater. Die Senatskanzlei berichtet, dass die großen Sprechtheater 2008 nur noch 627.000 Eintrittskarten verkauft haben. Im Vorjahr waren es noch 692.000, also 65.000 oder rund zehn Prozent mehr. Geht der Trend so weiter, ist spätestens in zehn Jahren Schluss, und man kann die Bühnen mangels Interesse einfach dichtmachen. Es wäre eine gute Gelegenheit, Thomas Meineckes alte Forderung zu erfüllen: Theater zu Parkhäusern! Aber in Wirklichkeit ist der Zuschauerschwund kein Grund, mal wieder Kulturpessimismus zu spielen und die Theaterkrise auszurufen. Die Gründe für den Publikumsschwund sind banal. Die Schaubühne zum Beispiel hatte wegen Renovierungsarbeiten im Haus schlicht eine verkürzte Saison. Das Deutsche Theater hatte 2007 ein herausragendes Jahr und 2008 eine lange Umbaupause, in der es viele Vorstellungen nur in Ausweichquartieren zeigen konnte. Das kostet Zuschauer und hat trotzdem mit Krisen nichts zu tun. Die Volksbühne dagegen ist schon länger in der Dauerkrise.

maxim Gorki TheaterIhr Problem ist nicht nur der bescheidene Zuschauerzustrom, sondern das inhaltliche Komplettvakuum. Die einzigen wirklich erfolgreichen Produktionen, die man dort in dieser Spielzeit sehen konnte, kamen von außerhalb: Luc Bondys Genet-Inszenierung „Die Zofen“ von den Wiener Festwochen (immerhin eine Volksbühnen-Koproduktion mit Volksbühnen- Altstar Sophie Rois) und als Gastspiel des Deutschen Theaters Jürgen Goschs grandiose „Möwe“. Angesichts dieser Bilanz wäre es zumindest konsequent, die marode Bühne gleich zum Gastspiel-theater zu machen.

Dass es auch anders geht, führt das Maxim Gorki Theater vor. Seit Armin Petras hier Intendant ist, hat das Theater sehr erfolgreich und vital ein neues, junges Publikum gewonnen. 2008 kam das kleinste der öffentlich getragenen Berliner Theater auf stolze 85.893 zahlende Gäste. Vor vier Jahren, in der letzten Spielzeit, bevor Armin Petras die Bühne als Intendant übernahm, waren es noch vergleichsweise bescheidene 74.373 Besucher. Gleichzeitig verjüngte Petras das Gorki-Publikum. Die am stärksten vertretene Altersgruppe waren 2006 noch die 60- bis 69-Jährigen. 2008 waren es dann die 20- bis 29-Jährigen. Geht doch.

Foto: Kirsti Krügener 

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