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Harte Zeiten für die Volksbühnen-Kantine


Die schlechte Nachricht zuerst: Auch hier geht es um Helene Hegemann, das Copy-and-Paste-Event der Saison. Wir machen ja prinzipiell jeden Quatsch mit. Die gute Nachricht: All die Plagiats-Debatten müssen Sie jetzt hier nicht noch mal nachlesen, also die Frage, ob es okay ist, abzuschreiben oder nicht, und wenn ja, inwiefern, und ist es nicht total modern und postpostmodern abzuschreiben undsoweiter. Obwohl, ist Abschreiben für das, was Helene Hegemann gemacht hat, eigentlich das richtige Wort? Vielleicht gilt für ihre Prosa eher das, was Capote über Kerouac gesagt hat: „Das ist nicht Schreiben, das ist Tippen.“
Hier geht es, in aller Bescheidenheit, um etwas ganz anderes. Gerne erzählt Helene Hegemann in ihren Promo-Interviews, wie sie die Tage und Nächte vor ihrer Künstlerwerdung in der Volksbühne und insbesondere in der Kantine derselben verbracht hat, und zwar „als Groupie“, na ja, in Wirklichkeit eher als Dramaturgentochter. Die Volksbühne ist neben dem Berghain der andere Ort, der in
Hegemanns Erzählung von sich selbst als Hipness-Belegstelle dient. Das gibt zu  den schlimmsten Befürchtungen Anlass. All die kleinen Mädchen aus der Provinz, die das jetzt kaufen, lesen, glauben, bedauerlicherweise mit irgendeiner Wirklichkeit verwechseln und sich dann in den Schulferien auf die Suche nach dem wilden Leben machen, das komischerweise immer noch in Berlin-Mitte bei Nacht vermutet wird, wo werden sie landen, in ihren Helena-Hegemann-Touristen-Touren? Ins Berghain kommen sie nicht rein, das White Trash kennen sie nicht, wo also werden sie große staunende Augen machen? Genau. In der Kantine der Volksbühne, die leider auch nicht anders aussieht als irgendeine muffige Absturzkneipe. Schöner Nebeneffekt: endlich wieder volles Haus in der Volksbühne.                         

Peter Laudenbach


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