Stadtleben

Harte Zeiten



Zum Spielzeit-Ende ein entspannter Blick in die Zukunft? Nicht ganz einfach in
diesen Tagen. Während das Fachmagazin „theater heute“ wacker das Prinzip
Hoffnung hochhält und auf dem Cover der Juli-Ausgabe mit beneidenswertem
Optimismus erklärt „Jammern war gestern – Die Finanzkrise in NRW ist lösbar“,
sind neue Zahlen aus den unterfinanzierten Kommunen eher deprimierend. „Deutschlands
Städte und Gemeinden sind so hoch verschuldet wie noch nie in der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Hans-Peter Busson, Partner bei der
Unternehmensberatung Ernst & Young, die für eine aktuelle Studie 300 Städte
und Gemeinden befragt hat. Sein Fazit: „Die Finanzsituation ist
katastrophal. Viele deutsche Städte sind im Grunde bankrott. Sie werden die
Schuldenkrise nicht aus eigener Kraft lösen können.“ Das hat Folgen für
die Theater. Viele Städte denkt darüber nach, das Einnahmesoll der Bühnen und
die Eintrittspreise zu erhöhen. Die Gefahr drohender Theater- und
Spartenschließungen, wie derzeit zum Beispiel in Wuppertal, dürfte noch lange
nicht gebannt sein.

Auch die meisten Theaterleute wissen, dass die Zeiten
besonders für die kleineren Theater härter werden. „Die Theater in mittelgroßen
Städten werden aussterben, eine einschneidende Entwicklung, da damit ein für
die Städte wichtiges kulturelles Zentrum wegbricht“, prognostiziert Armin
Petras, Intendant am Maxim Gorki Theater, in der Juni-Ausgabe der
Wirtschaftszeitschrift „brand eins“. Petras weiter: „Insgesamt wird der
finanzielle Druck auf jegliche Art von Theaterform erhöht werden bei einer
Zunahme des Sponsorings aus der freien Wirtschaft. Projektbezogene Förderung
durch öffentliche Stiftungen (Kulturstiftung des Bundes, Hauptstadtkulturfonds
etc) und private Stiftungen werden weiter an Boden gewinnen.“ Aber weil zum
Beispiel die Bundeskulturstiftung direkt vom Haushalt des seinerseits hoch
verschuldeten Bundes abhängt und auch Sponsoren keine Gelddruckmaschinen im
Keller stehen haben, wird die Konkurrenz der Bühnen und anderer Kultureinrichtungen
um die begrenzten Gelder härter. Keine schönen Aussichten.

 

Peter Laudenbach

 

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