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12 Gründe, warum Herbst in Berlin schöner als der Sommer ist

Es ist Herbst in Berlin und das ist schön. Klar ist es schwer, etwas gegen laue Sommernächte, sonnentrunkene Tage am See, Pommes im Schwimmbad und eine voll im Saft stehende Stadtnatur zu sagen. Aber so ein Sommer in der Großstadt hat eben auch viele Nachteile, angefangen beim Gestank und der stickigen Luft bis zu überfüllten Seen. Der Herbst dagegen wird unterschätzt, vielleicht weil er uns die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen führt. Wir lieben ihn trotzdem und liefern hier 12 Gründe, warum auch ihr den Herbst in Berlin lieben lernen könnt – wenn ihr es denn nicht schon tut.


Endlich wieder in weichen Sesseln in dunklen Kinosälen sitzen

Herbst in Berlin bedeutet: Gemütlich im Kino sitzen statt auf Klappstühlen im Open-Air-Kino.
Im Herbst kann man wieder gemütlich und ohne schlechtes Gewissen im Kino sitzen, wie hier im Delphi Lux. Foto: Imago/F.Anthea Schaap

Ja, in lauen Sommernächten im Park sitzen und Filme gucken, zwischen sich dunkel gegen den Nachthimmel abhebenden Bäumen und zirpenden Grillen, das macht Spaß. Aber mal ehrlich: Man sitzt doch irgendwann ungemütlich auf den Klappstühlen und Holzbänken in den Open-Air-Kinos. Ein Traum dagegen sind die weichen, oft knuddeligen Kinosessel mit Armlehnen, Getränkehaltern, ja manchmal sogar ergonomischem Schwung, in den Berliner Kinos. Dazu Säle, in denen es richtig dunkel ist und nach leicht staubigem Samt und Popcorn riecht und ein in Wellen gelegter Vorhang: So ein Abend im dunklen Kinosaal mit Surround-Sound ist schon bezaubernd.


In den Hinterhöfen stinkt es nicht mehr nach Leiche

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Weniger Hitze gleich weniger Gestank im Hinterhof. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Gerüche breiten sich bei hohen Temperaturen mehr aus – und sie entstehen auch schneller. Das heißt: Die abgelaufenen Hähnchenschenkel für 1,50 Euro, die schmierige Wurst die toten Ratten, die zwischen und unter den Mülltonnen in den Berliner Hinterhöfen so vor sich hin schimmeln, stinken an kühlen Herbsttagen nicht mehr so bestialisch wie im Sommer. Endlich müssen also die Zartbesaiteten unter uns nicht mehr fast umkippen, wenn sie mit angehaltenem Atem im Hinterhof nach ihrem Fahrrad suchen und es nicht finden, aber eben auch nicht atmen wollen, weil da Maden an der Mülltonne krabbeln. 12 Hinterhöfe in Berlin: Eine fotografische Reise zu verborgenen Ecken.


Die Ufer der Seen sind nicht so überfüllt

Herbst in Berlin bedeutet einsame Seen.
Seen wie der Schlachtensee sind im Herbst wahre Naherholungsgebiete. Foto: Imago/F. Berger

Es beruhigt, aufs Wasser zu gucken – egal zu welcher Jahreszeit. Und weil wir in der Stadt andauernd anderen Menschen begegnen, Menschenmassen sogar, im Supermarkt, in den U-Bahn-Stationen und auf den Gehwegen, tut es besonders gut, wenn das Wasser, auf das man schaut, menschenfrei ist. Wenn dort keine besoffenen Typen auf aufblasbaren Einhörnern treiben und ehrgeizige Krauler mit ihren Händen das Wasser durchschneiden und zwischen schreienden Kinder auf knallgrünen Krokodilen hindurchschießen, dann strahlt so ein See eine wohltuende Ruhe aus. Und die herbstlichen Seeufer sind wie ein Urlaub auf einer einsamen Insel im Vergleich zu den Wiesen und kleinen Stränden im Sommer, wenn sie aussehen wie ein Mosaik an einer Badezimmerwand. 12 der schönsten Seen in Berlin listen wir hier.


Es gibt neue Stücke in den Theatern

Herbst in Berlin bedeutet neue Theaterstücke.
Viele Theaterstücke haben im Herbst Premiere. Foto: Imago/Martin Müller

Üblicherweise starten viele Theater im Herbst mit neuen Spielzeiten in die Saison. Dieses Jahr scheint sogar kein neues fieses Virus dazwischen zu funken. An der Schaubühne startete zum Beispiel am 19. September „Wer hat meinen Vater umgebracht“ von Édouard Louis, inszeniert von Thomas Ostermeier und am 18. November kommt „Eurotrash“ von Christian Kracht, inszeniert von Jan Bosse. Am Deutschen Theater läuft seit 25. September „Frankenstein“, inszeniert von Jette Steckel. Und an der Volksbühne seit 23. September „A Divine Comedy“, inszeniert von der Choreographin und neuen Hausregisseurin Florentina Holzinger. Die Sophiensäle präsentieren noch bis 7. November gleich ein ganzes Festival mit dem Thema „Coming of Age“. Dabei geht es ums Altern und die Babyboomer, die sich nun verstärkt mit einer Elterngeneration am Lebensabend auseinandersetzen müssen. Theater in Berlin: 12 Bühnen für jeden Geschmack.


Ohne Disput in Kneipen gehen

Herbst in Berlin bedeutet, endlich wieder ohne größeren Disput in die Kneipe gehen zu können.
Endlich wieder Bier aus Gläsern in verrauchten Kneipen trinken! Foto: Quiz Night Show

Die Wiesen in den Parks sind im Herbst mindestens feucht, wenn nicht nass und das bedeutet: Man kann endlich wieder ohne größeren Disput in die Kneipe gehen, weil niemand mehr unbedingt im Schneidersitz von Mücken und Slacklines umgeben auf kratzigen Picknickdecken lauwarmes Bier trinken will, weil es draußen ach so schön sei bei 35 Grad und ohne Klo. Stattdessen kann man sich auf ein gemütliches Sofa in einem schummrigen verrauchten Keller lümmeln und in Porzellanschüsseln statt in mit Papiertaschentüchern übersäte Büsche pinkeln – und das sogar zu jeder Uhrzeit, denn in Berlin gibt es eine Reihe von Kneipen, die rund um die Uhr geöffnet haben. 24-Stunden-Kneipen listen wir hier. Und vielleicht lernt man beim Gang aufs Klo sogar jemanden kennen. Außerdem bietet Berlin eine unglaubliche Vielfalt an Kneipen. Da sind zum Beispiel Alt-Berliner Kneipen, in denen Berlin schon seit mehr als 100 Jahren pichelt. Oder Kneipen, die so einzigartig sind, dass ihr sie nicht vergessen werdet.


Man kann tagsüber ohne schlechtes Gewissen in dunklen Clubs feiern

Den Tag, nicht die Nacht im Club verbringen? Im Herbst geht das auch ohne schlechtes Gewissen. Foto: Imago/F.Anthea Schaap

Es soll ja Menschen geben, die Sonne und angenehme Temperaturen um 25 Grad meiden wie Zehlendorfer Bankiers das Kotti. Die meisten anderen aber, zumindest in unseren Breiten, klammern sich an die warmen Sommertage und versuchen, jede freie Minute draußen zu verbringen. Es könnten ja die letzten in diesem Jahr sein. Sich in einem fensterlosen Club tagsüber zwischen Grimassen ziehenden Menschen müde zu tanzen und zu trinken, läuft daher jeder Intuition zuwider und verursacht bei vielen wahrscheinlich nicht nur einen Kater sondern auch ein schlechtes Gewissen. An einem verregneten Sonntag Ende Oktober, an dem das Thermometer die zweistelligen Zahlen nicht erreicht, ist das ein ganz anderes Ding. Außer Badezimmer putzen, Serien gucken oder Kuchen essen verpasst man da nämlich nicht viel. Vielleicht schafft man es stattdessen sogar, inmitten der tanzenden Körper und angesichts des Basses, der einem durch den Körper fährt, den Stress bei der Arbeit oder mit den Ämtern oder den Freund:innen zu vergessen.


Endlich die schicke Herbstkleidung tragen

Es ist Herbst und das bedeutet: Endlich die Übergangsjacke rausholen! Foto: Imago/Westend61

In Berlin geht vieles bekanntlich ziemlich schlecht, zum Beispiel einen Termin beim Bürgeramt machen, eine Wohnung finden oder eine Wanderung machen, die ein wenig Steigung beinhaltet (Berlins höchste Erhebung, die Arkenberge, messen schlappe 120,7 Meter). Shoppen jedoch lässt es sich in Berlin ganz hervorragend, ob nun in Mitte zwischen Weinmeisterstraße, Hackeschem Markt und Alex oder in den Second-Hand-Läden Kreuzbergs. Viele Mäntel und Jacken, Westen und Trenchcoats, Mützen und Schals aber lassen sich nur bei gemäßigten Temperaturen tragen, ohne in Schweiß auszubrechen oder Gliedmaßen an die Kälte zu verlieren, sprich: im Frühling und im Herbst. Unglücklicherweise scheinen Menschen dazu zu neigen, sich ausgerechnet von diesen Exemplaren besonders viele zu kaufen. Allein wegen der Übergangsjacken lohnt sich der Herbst.


Man kann durchatmen

Herbst in Berlin bedeutet, endlich wieder besser atmen zu können.
Die Luft in Berlin wirkt im Herbst so wunderbar klar. Foto: Imago/agefotostock

Besonders in den Sommermonaten von 2018, 2019 und 2020 schien die Luft in Berlin zu einer zähen Masse zu mutieren, durch die man tagtäglich waten musste. Dazu die Dürre und die Abgase der vielen Autos, die vielen zubetonierten Fläche, die selbst nachts und tagsüber erst Recht Hitze abgaben und immer weniger Schatten spendende Straßenbäume. Zwar war der Sommer 2021 eher verregnet und kühl, aber trotzdem wirkt es, als könnte man jetzt im Herbst in der Stadt besser atmen. Irgendwie lässt sich der Smog im Winter besser ertragen. Dabei ist Wintersmog, ausgelöst durch Inversionswetterlagen, Nebel und geringe Windgeschwindigkeiten in Berlin keine Seltenheit. Wer trotz klarerer Luft das Bedürfnis hat, einmal richtig durchzuatmen, dem empfehlen wir unsere 12 Waldspaziergänge durch die Natur Berlins.


Herbst in Berlin heißt rote Weinblätter an Hausfassaden

Grüner Wein an Berliner Fassaden ist schön, roter noch mehr. Foto: Imago/Seeliger

Er klettert überall in der Stadt hoch, an Hausfassaden, Mauern oder Spalieren im Park: wilder Wein. Im Sommer ist er hübsch anzuschauen, wenn die Blätter voll im Saft stehen und man fast hören kann, wie das Chlorophyll reagiert. Seine ganze Schönheit aber entfaltet der wilde Wein, wenn er sich im Herbst tiefrot verfärbt. Wenn dann der Abend dämmert und sich leichter Nebel in den Straßen ausbreitet, während ein paar letzte schwache Sonnenstrahlen durch die lichter werdenden Bäume scheinen und vielleicht sogar auf eine bewachsene Mauer treffen, dann entfaltet der rote Wein eine faszinierende Wirkung – manchmal sogar eine mystische. Übrigens: Nicht nur mit Wein bewachsene Fassaden verschönern die Stadt. Wir listen 12 besonders eindrucksvolle Hausfassaden, die jeder kennt.


Weniger marodierende Männer-Touri-Gruppen

Niemand mag besoffene Touris, die überall hinpinkeln. Im Herbst werden sie weniger. Foto: Imago/Priller&Maug

Touristinnen und Touristen tun Berlin gut, denn sie spülen Geld in die klammen Kassen. Sie kaufen Tickets für Museen, zahlen den Eintritt und Getränke in Clubs, gehen essen und buchen sich in Hotels, Hostels und Ferienwohnungen ein. Das ist schön und gut so. Allerdings gibt es auch jene Touris, die nicht viel Geld in der Stadt ausgeben, außer Bier in Spätis zu kaufen, und dann die Hauseingänge mit ihrem dunkelgelben Urin überschwemmen. Meistens sind das Gruppen junger Männer in ihren Zwanzigern, die dann grölend durch die Straßen ziehen. Doch wie alle anderen Tourist:innen werden auch diese in den Herbstmonaten weniger. Und das ist ungefähr so erleichternd wie wenn drei Schulklassen mit einem im S-Bahn-Waggon fahren und plötzlich aussteigen. Übrigens gibt es noch so einige andere Gründe, warum Touris in Berlin manchmal allen auf die Nerven gehen.


Kuchen essen ohne Wespen in schönen Cafés

Leckeres Essen wie das vom House of Wonder genießen ohne Wespen: Das geht im Herbst in Berlin! Foto: House Of Small Wonder

Berlin hat tausende gemütliche Cafés mit leckeren Kuchen, gutem Kaffee und reichhaltigem Frühstück. Natürlich macht es Spaß, all das in der Sonne zu genießen, vielleicht mit einer ausladenden Kastanie über dem Kopf und dem Treiben der Stadt direkt vor dem Tisch. Allerdings ist das nicht so sehr der Fall, wenn einen, wie im Spätsommer bei gar nicht mehr so hohen Temperaturen, mehrere Wespen attackieren, sie in die Getränke krabbeln und Löcher in die Salami beißen. Wie schön ist es da, im angenehm warmen Café zu sitzen und die vorbei eilenden Menschen zu beobachten, ohne sich sorgen zu müssen, gleich von einem heißen Schmerz aus der Gemütlichkeit gerissen zu werden.


Allergiker:innen sehen wieder gut aus

Im Herbst heißt es: Geschwollene Augen adé! Foto: Imago/shotshop

Ab März fliegen die Birkenpollen nicht nur übers Land, sondern auch durch die Straßen und Parks Berlins, ab Mai sind es vor allem Gräser, die Allergiker:innen das Atmen schwer machen und im Hochsommer schwärmen die Pollen der vielen Linden in der Stadt aus. Das bedeutet: Viele eigentlich schöne Menschen laufen entweder mit verquollenen Augen und laufender Nase rum oder müssen sich ein Allergietabletten einwerfen, um das nervenraubende Kribbeln abzutöten.


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