Stadtleben

Gastbeitrag: Hochgschwindigkeitstheater

Der Intendanten des Maxim Gorki Theaters ist kein wortkarger Menschen. Wenn man Armin Petras in Podiumsdiskussionen erlebt, ist ein in der Kulturbranche nicht direkt üppig vertretener Typus zu bestaunen, der sich tatsächlich brennend für seine Zuschauer zu interessieren scheint. Einmal allerdings geriet Petras auf einem Podium doch ins Stocken: Der Moderator hatte gefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: „Sechs? Sieben? Acht?“
Tatsächlich besteht kein Zweifel, dass mit Armin Petras der unangefochtene Hochgeschwindigkeitsregisseur des Landes im Herbst 2006 die Intendanz des Berliner Maxim Gorki Theaters übernommen hatte. Und diesen Titel dürfte ihm auch weiterhin so schnell keiner streitig machen: Petras probt bis zu drei Stücke am Tag, gern auch in verschiedenen Städten, und aus gut informierten Kreisen verlautet, dass er bei alledem niemals mit seinem Rennrad zur Morgenprobe erscheint, ohne vorher wenigstens vier, fünf Szenen eines neuen Stückes in den Laptop gehauen zu haben.

Armin Petras
Was Wunder, dass die neue Gorki-Mannschaft Berlin quasi auf der Überholspur nahm: 42 Premieren – im Durchschnitt eine jeden sechsten Tag – brachte das Haus in seiner ersten Spielzeit unter Petras heraus. Und es spricht für sich, dass der Intendant dabei trotz eines fast schon lächerlichen Etats von 8,3 Millionen Euro und entsprechender Schauspieler-Gagen Hochkaräter wie Fritzi Haberlandt oder Peter Kurth für diese Selbstverausgabungsoffensive gewinnen konnte.
Inzwischen schlägt sich auch schwarz auf weiß in Zahlen nieder, wie dem Berliner Theaterpublikum diese Tempokur bekommen ist. Während sich Häuser wie die Schaubühne oder – noch dramatischer – die Volksbühne über Zuschauerschwund Gedanken machen müssen, kletterte die Zahl der verkauften Karten im Gorki um knapp 5000. Im Berliner Theaterranking überholte man damit sogar die Schaubühne. Und das in aller Stille; ohne die Breitbeinigkeit, mit der diverse andere Kollegen gern Wind um ihre Häuser machen.
Aus all diesen Gründen ist Klaus Wowereits Entscheidung, Armin Petras‘ Intendantenvertrag bis 2016 zu verlängern, nur zu begrüßen.

Text: Christine Wahl

Foto: Bettina Stöß 

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