Stadtleben

Hörfunk

Es ist aller Ehren wert, was die Künstlerin Karin Sander beabsichtigt hat mit ihrer Ausstellung „Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin“ in der Temporären Kunsthalle auf dem Schloßplatz. Es ist auch durchweg amüsant, interessant, hörenswert, konfus, melodisch, rhythmisch, wirr, unausgegoren, steif, musikalisch und was es noch für Kategorien geben kann für die Statements von 566 Künstlern, die in Berlin arbeiten. Angesprochen hatte sie circa 800, und so ist sie auch mit der Resonanz durchaus zufrieden, denn Ablehnungen gab es nur wegen Arbeitsüberlastung, aber nie wegen inhaltlichem Widerspruch. Dazu sind Künstler sowieso zu eitel, wenn sie gefragt werden, ob sie nicht einen etwa zweiminütigen akustischen Beitrag zu ihrer Arbeit liefern möchten. So hat Frau Sander dann die Namen der Künstler von Saadane Afif bis Christof Zwiener alphabetisch durchnummeriert in Augenhöhe eines erwachsenen Mitteleuropäers auf die Wand pinseln lassen. Der geneigte Besucher kann dann die entsprechende Zahl in den Audioguide tippen, und vor seinem geistige Auge entsteht ein Kunstwerk in einem anderen Medium – vielleicht.

Was wirklich angenehm überrascht, weil es in anderen Großausstellungen kaum vor­gekommen ist, dass tatsächlich die Hälfte der Künstler Künstlerinnen sind. Leider aber muss man dem ambitionierten Projekt attestieren, dass es ein paar unübersehbare Macken hat. Es ist gar nicht mal der Charme der Achtzigerjahre, als Audioguides revolutionär erschienen, es ist die Auswahl schlechthin, die keineswegs beliebig ist, sondern sich einfach an den Ausstellungen orientiert, die in den letzten Jahren in Museen und Galerien stattfanden. Dadurch werden gleich all jene Künstler von vorneherein ausgeschlossen, die hier gerade keinen Markt haben, aber dennoch sehr wohl arbeiten, nur eben nicht hier gezeigt werden. Dadurch fallen eben doch Künstlerinnen und Künstler durch den Rost, die sehr wohl die Ausstellung bereichert hätten.

Misslich ist aber auch, dass man 18 Stunden braucht, um alle Beiträge zu hören. Da wünscht man sich in der leeren Halle schon ein paar bequeme Sitzmöbel. Im Grunde aber hat die Ausstellung in der Temporären Kunsthalle nichts zu suchen. Ein feines Kabinett wäre dem Kabinettstück­chen sicher angemessener gewesen.    

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