Stadtleben

Huflattich statt Javaanse Jongens

Ab heute soll das Rauchverbot durchgesetzt werden

Bisher war man eher erstaunt und belustigt, wenn die rauchenden Freunde mitten im Satz aufstanden und mit Bier und Kippen vor die Tür verschwanden. Entweder blieb man allein zurück oder ging auch nach draußen. So war es noch vor ein paar Monaten. Seit alle vor der Tür sitzen, interessiert das Rauchverbot sowieso keinen großen Geist. Und in den Restaurants ist der Glimmstengel seit einem halben Jahr eh kein Thema mehr. Nur in Friedrichshain-Kreuzberg wollen Rauch-Kontrollettis die qualmfreie Kneipenzone durchsetzen. Dort klappert das sogenannte „Interventionsteam Jugendschutz“ Läden nach volltrunkenen Kids und ab jetzt auch nach Rauchern ab.

Aber muss das sein? Eigentlich nicht. Die Kontrollen sind eher überflüssig. Denn Rauchen gilt mittlerweile tendenziell als unsexy. Menschen jenseits der 35 wissen längst, dass Rauchen alt, krank und hässlich macht. Ab diesem Alter raucht man nur noch aus Verzweiflung, weil man vom Nikotin nicht loskommt, als Angeber, weil mann glaubt, Zigarren machen potent oder weil man gerne Molle und Korn bei Rosi und Dieter an der Ecke kippt. Sogar auf dem Schulhof ist es mittlerweile uncool, in der Raucherecke den Initiationsritus zu bestehen. Laut Drogenbeauftragte des Senats quarzen nur noch 31,7 Prozent der Jugendlichen täglich. Vor fünf Jahren waren es noch knapp 45 Prozent.

In den Niederlanden gilt übrigens auch ein Rauchverbot. Dort fürchten aber weniger Kneipiers Umsatzeinbußen als vielmehr die Coffee-Shop-Besitzer. Zwar darf man weiter seinen Joint rauchen – aber ohne Tabak. Besonders Kreative probieren bereits Kräuter-Zigaretten als Grundlage aus. Das wäre auch für unsere Abhängigen eine Alternative: Huflattich statt Javaanse Jongens. Mit solchen Zigaretten käme man nicht nur im Trockenen und Warmen über den Winter. Man könnte auch wieder an Orten rauchen, an denen es schon lange als unanständig gilt, zum Beispiel im Auto. Und wenn nicht nur die Klamotten sondern auch die Sitzbezüge nach wilder Wiese statt kaltem Rauch riechen, hätte man mehr als einen olfaktorischen Sieg errungen: die Duftbaum-Industrie wäre pleite. Und das wünschen wir uns doch alle.

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