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Stadtleben

Hund, Katze und Maus in der Stadtwohnung

Wer in Berlin lebt, der lebt meist auch in einer Wohnung. Das bedeutet ein begrenztes Platzangebot – für den Menschen meist kein Problem, da er täglich seine Wohnung verlässt und seinem individuellen Bewegungspensum in Eigenregie nachkommt. Für die Haustiere sieht das in der Wohnung jedoch anders aus: Nur die wenigsten können dann selbst wählen, ob sie sich draußen oder drinnen bewegen – ist das nicht gewährleistet, muss der Mensch umso mehr dafür sorgen, dass sein Vierbeiner zufrieden ist. Das ist Sinn und Zweck artgerechter Haltung. Was ist also zu beachten beim Tier in Berlin?

Foto: fotolia.de © muratti6868 (#127983717)
Foto: fotolia.de © muratti6868 (#127983717)

In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass die Bedürfnisse des Tieres gewahrt werden. Die Wohnung muss also zum Tier passen. Ob diese zur Miete oder Eigentum ist, ist zunächst dabei unerheblich – es geht darum, dass das Tier sich wohlfühlt und die Umgebung seinen Bedürfnissen gerecht wird. Für die üblichen Verdächtigen wie Katze und Hund sind das in erster Linie Auslauf und Beschäftigung. Zu viel Zeit alleine hingegen bringt Schwierigkeiten. Aber auch andere Zeitgenossen haben Ansprüche an ihre Wohnumgebung.

Das (Zwerg-)Kaninchen

Auf weite Strecken wohl das unterschätzteste Haustier ist das Kaninchen. Besonders bei Kindern kommen die kleinen Nager gut an, weil sie wirklich niedlich und kuschelig sind. Aber: Artgerechte Haltung ist nur mit genügend Auslauf möglich, der nicht – wie vielfach zu lesen – bei 4qm erreicht ist. Außerdem fühlen sie sich nur zusammen in einer Kleingruppe wohl, die auf verschiedene Arten zusammengesetzt werden kann. Am besten wäre ergänzend zum großen Freilauf in der Wohnung noch ein Außenauslauf, was jedoch besonders in der Stadtwohnung nur selten möglich ist. Dann sollte eine Wühlkiste zum Graben aufgestellt werden und durch ein kaninchensicheres Zimmer genügend Freilauf gewährt werden. Kaninchensicher bedeutet:

  • Keine losen Kabel zum Anknabbern
  • Keine Pflanzen
  • Möbel, die angeknabbert werden können
  • Mit Draht geschützte Wände, um sie vor Knabber-Schäden zu schützen
  • Gesicherte Steckdosen (Kindersicherung)

Wird die ganze Wohnung zur Verfügung gestellt, können übrigens Katzenklos aufgestellt werden, die von den Kaninchen recht schnell angenommen werden. Sind diese Bedürfnisse gewahrt, sind die Kaninchen freundliche Mitbewohner, die nach ihrem Maß gerne Streicheleinheiten entgegen nehmen.

Ziervögel

Auch Vögel fliegen gerne durch Deutschlands Wohnzimmer. Wie die Kaninchen wohnen sie grundsätzlich lieber an der freien Luft, können mit einem großen Käfig und täglichem Freiflug jedoch einigermaßen zurecht. Mindestens zwei Tiere sind zur Vergesellschaftung notwendig, um Einsamkeit zu vermeiden. Geht es durch die offene Käfig Tür dann in die Wohnung, sollte die Wohnung Freiflug sicher sein: keine Netze, die die Vögel am Fliegen hindern oder in denen sie sich verhaken können. Auch hier sollte der Halter sich jedoch eventueller Gefahren bewusst sein. Diese kommen nicht nur durch Netzgardinen oder spitze Dekoration – besonders zur Weihnachtszeit sind viele Deko-Elemente mit Verletzungsgefahren verbunden. Dazu gehören selbst Mistelzweige, die für die Vögel giftig sind. Ist die Sicherheit und der täglich mehrstündige Freiflug gesichert, kommen die Vögel gut mit dem Leben in der Wohnung zurecht. Im Gegensatz zu manchen anderen Tieren besteht hier jedoch keine Möglichkeit, den Vogel mit nach draußen zu nehmen.

Frettchen

Frettchen sind inzwischen ebenfalls recht beliebte Haustiere. Ähnlich wie für Kaninchen ist es wichtig, dass sie genügend Auslauf haben, sich ihren Bedürfnissen entsprechend bewegen können und mindestens zu zweit gehalten werden. Experten raten dafür zu mindestens 15 Quadratmetern Grundfläche im Gehege wenn sie keinen täglichen Auslauf haben – haben sie stattdessen Freigang für mehrere Stunden täglich, reichen auch 4 Quadratmeter, die dann aber ebenfalls ansprechend gestaltet sein sollten. Mehrere Etagen, die mit Klettersteigen oder Röhren verbunden sind, kommen dem natürlichen Bewegungsbedürfnis nach.

Beim Freigang gibt es dann ebenfalls einiges zu beachten: Da die kleinen Marder-Verwandten sehr flink sind, kann dabei einiges zu Bruch gehen. Alles was in ihrer Reichweite ist muss entsprechend gesichert oder freigeräumt sein, auch Pflanzen sollten rausgestellt werden, da sie sonst gerne von den Frettchen ausgebuddelt werden. Auch Fenster und Möbelspalten sind sehr verlockend, weswegen eine Vergitterung notwendig ist.

Da diese Haltung nicht mehr wie gesetzlich für Kleintiere angenommen „in geschlossenen Behältnissen“ stattfindet, sind Frettchen hier nicht mehr als Kleintiere zu sehen. Stattdessen sollte der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden, da die Frettchen durchaus die Wohnung verschmutzen können.

Auch Frettchen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit als Haustiere – aber auch sie haben Ansprüche, die weit über einen kleinen Käfig hinausgehen. Foto: fotolia.de ©Couperfield (#93036374 )
Auch Frettchen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit als Haustiere – aber auch sie haben Ansprüche, die weit über einen kleinen Käfig hinausgehen. Foto: fotolia.de ©Couperfield (#93036374 )

Hausschwein

Das Hausschwein mag unkonventionell wirken, wird jedoch immer beliebter. Wie ein kleiner Hund ist es zutraulich, verschmust und sehr intelligent und in einer Wohnung sehr zufrieden. Allerdings sollte auch hier auf genügend Auslauf an der frischen Luft geachtet werden – ist das in einem Garten nicht möglich, lassen sich die Schweinchen aber auch im Geschirr spazieren führen, so lange keine wilden Schweine in der Nähe sind. Wie ein Hund ist auch das Schwein stubenrein zu erziehen, so dass ein Halter von Hausschweinen in der Stadt keine Probleme hat, so lang er sie oft genug ausführt.

Sind Haustiere in der Wohnung grundsätzlich erlaubt, ist das Schwein ein legitimer Mitbewohner, der keine spezielle Erlaubnis braucht, sonst ist hier der Vermieter zu fragen, ob er mit dem Vierbeiner einverstanden ist. Die Tiere sind an sich sehr freundlich, weswegen hier keine Verhaltensprobleme zu erwarten sind.

Katze

Eine Katze hat an die Wohnung recht hohe Ansprüche, umso mehr wenn es ihr einziger Lebensraum ist. Katzen ohne Freigang sind besonders in großen Städten wie Berlin die Regel, da die Halter oftmals in höheren Stockwerken ohne Garten und Katzenklappen wohnen. Ist das der Fall, sollte die Katze Zugang zu jedem Raum in der Wohnung haben und genügend Klettermöglichkeiten zur Verfügung haben. Dazu zählen zum einen Kratzbäume, aber auch Schränke und Regale werden liebend gern genutzt. Die Katze bewegt sich dreidimensional durch Raum und macht ihren Halter deshalb auf viel mehr Möglichkeit aufmerksam, als ein Hund beispielsweise. Deswegen muss eine Umgebung für Katze auch speziell gesichert werden:

  • Keine giftigen Pflanzen
  • Keine gekippten Fenster
  • Keine losen Gläser oder Dekoelemente im Sprungbereich der Katze (auf Schränken o.ä.)
  • Bei Balkon eine spezielle Sicherung

Um die Möbel und Türen vor den Kratzspuren der Katze zu schützen, empfehlen sich Kratzbäume, Kratzbretter an verschiedenen Stellen und natürlich genügend Höhlen und Schlafmöglichkeiten für die Katze. Besonders Heizungsnähe ist da begehrt.

Hund

Ein Hund kann nicht nur im großzügigen Eigenheim mit Garten glücklich werden – aber viel Auslauf und Beschäftigung gehören für ihn zwangsläufig mit dazu. Das gilt auch für kleine Hunde, obwohl gerne assoziiert wird, dass große Hunde nur in große Häuser und kleine Hunde auch in kleinen Wohnungen wohnen möchten. Das ist so nicht richtig, denn auch manche kleine Hunde haben einen großen Bewegungsdrang, während einige große Hunde auch in kleinen Wohnungen zufrieden sind. Essentiell ist dabei immer der regelmäßige Auslauf, der nicht nur an der Leine um den Block stattfindet. Da in viele Parks Leinenpflicht herrscht, ist es wichtig, zwischendurch einen der Hunde-Parks zu besuchen, in denen das freie Laufen ohne Leine erlaubt ist. So kann der Hund sich austoben – und ist hinterher wieder zufrieden, wenn er auf der Couch residiert.

Beim Handling in der Stadt ist dann zu beachten, dass speziell für alle Listenhunde ständige und lebenslange Maulkorbpflicht besteht. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Maulkorbpflicht – für Hunde jeden Alters, jeder Größe und auch jeder Rasse. Lässt die Größe und das Gewicht es zu, kann er stattdessen auch in einer Tasche untergebracht sein.

Der Hund kann unabhängig von seiner Größe in einer Stadtwohnung durchaus glücklich sein – vorausgesetzt es warten genug Abenteuer außerhalb der Wohnung auf ihn. Foto: fotolia.de ©javier brosch (#104526905)
Der Hund kann unabhängig von seiner Größe in einer Stadtwohnung durchaus glücklich sein – vorausgesetzt es warten genug Abenteuer außerhalb der Wohnung auf ihn. Foto: fotolia.de ©javier brosch (#104526905)

Rechtliches: Wer darf einziehen?

Sind die grundsätzlichen räumlichen Bedingungen für die Tiere erfüllt, kommt es doch noch zu der Frage: Miete oder Eigentum? Wer zur Miete wohnt, sollte vor Überlegungen zu Anschaffungen einen genauen Blick in den Mietvertrag werfen. Dort ist geregelt ob ein Tier mit einziehen darf. Grundsätzlich gibt es dafür mehrere Varianten:

  • Haustierhaltung ist grundsätzlich erlaubt
  • Haustierhaltung ist grundsätzlich verboten
  • Das Haustier braucht eine Erlaubnis

Ist die Haltung grundsätzlich erlaubt sind vor allem die üblichen Haustiere davon betroffen: Hund, Katze und Kleintiere sind in jedem Fall willkommen. Darunter fallen jedoch keine exotischen und möglicherweise „gefährlichen“ Tiere oder Listenhunde, für die jeweils eine Genehmigung beim Vermieter oder gar dem zuständigen Veterinär Amt eingeholt werden muss.

Das grundsätzliche Verbot im Mietvertrag hingegen ist nicht rechtskräftig. Besonders Kleintiere wie Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen können auf diese Weise nicht ausgeschlossen werden. Das gilt auch, wenn im Mietvertrag festgehalten ist, dass die Haustierhaltung vom Vermieter genehmigt werden muss. Katzen und Hunde hingegen sind dann genehmigungspflichtig – mit einer freundlichen Vorstellungsrunde beim Vermieter stehen die Chancen jedoch oft gar nicht schlecht.

In der Eigentumswohnung darf schließlich jeder selbst entscheiden, welches Tier mit einzieht. Hier ist lediglich gegebenenfalls mit Einwänden der Eigentümergesellschaft zu rechnen, wenn das Tier sich daneben benimmt und Schäden am Haus anrichtet.

Fazit

Selbst in Berliner Stadtwohnungen können die üblichen und eher unüblichen Haustiere glücklich werden – werden sie denn artgerecht und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten. Dazu zählt auch bei kleinen Tieren mehr Auslauf als mancher denken mag. Besonders Kleintiere wie Kaninchen oder Ziervögel werden hier zu ihrem Leidwesen gerne unterschätzt – sie sollten ihren Auslauf oder Freiflug in der gesamten Wohnung finden, während besonders Hunde regelmäßig in einem der Hundeparks einen ausgiebigen Freilauf zum Toben brauchen. Nicht in jedem Park ist das gestattet, weswegen die Berliner sich durchaus informieren sollten. Zur Haltung in der Wohnung ist der Eigentümer grundsätzlich berechtigt, wenn es sich nicht um ein potenziell „gefährliches“ Tier wie ein Listenhund oder exotisch tödliche Tiere handelt, für die jeweils ein Berechtigungsschein von Nöten ist. Was hingegen der Mieter darf, hängt vom Mietvertrag ab, auch wenn Kleintiere grundsätzlich zugelassen sind und vom Vermieter geduldet werden müssen.

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