Stadtleben

Ich bau mir ein Schloss

Schloss_Francesco-Stella_VicenzaWenn man sich in den diversen Kommentarforen umschaut, weiß man am Ende auch nicht weiter, was von der Entscheidung der Vergabekammer des Bundeskartellamts zu halten ist, die den Vertrag für ungültig erklärt hat, wie das Bauministerium erklärte. Die Kammer fordert gleichzeitig die Wiederholung des Vergabeverfahrens „ab Zeitpunkt der Preisgerichtsentscheidung“, was das Bundesbauministerium veran­lasste, beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einzulegen. Die Streitigkeiten mit dem im Wettbewerb unterlegenen Architekten Hans Kollhoff sollen aber den Bau des Humboldt-Forums, dem sogenannten Schloss, nicht verzögern.

„Bis zur Entscheidung des OLG Düsseldorf wird die Bundesbauverwaltung gemeinsam mit Stella die Planung für das Humboldt-Forum vorantreiben, damit pünktlich mit dem Bau begonnen werden könne“, erklärte das Ministerium. Auslöser für diesen Hickhack ist Hans Kollhoff, der bei der Vergabekammer des Bundeskartellamts eine Überprüfung des  Vertrags mit Franco Stella anstrengt. Wenn man also liest, wie der gemeine Bürger diese Nachrichten liest, kann man sich einerseits freuen, dass es genug Menschen gibt, die es begrüßen, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem man sein Recht einklagen kann. Unangenehm wird es erst, wenn man die Häme verfolgt, die gepaart ist mit der unberechtigten Freude, dass das Humboldt-Forum scheitern könnte. Dass man gar die Wiese für angemessen hält, löst doch nur Kopfschütteln aus. Allerorten ist die Rede von der Bedeutung der Kultur für Berlin, und wir sind nicht in der Lage, die Stadtmitte mit einem Gebäude zu füllen, das ansatzweise an die his­torische Bedeutung des Preußenschlosses erinnert. Hoffentlich kommt es nicht zu irgendwelchen Verzögerungen. Das Loch muss gefüllt werden, damit die Museumsinsel mit dem Humboldt-Forum ergänzt wird. Die Klein­geis­ter, die es immer noch nicht verwinden können, dass der Palast geopfert wurde für ein neues Haus der Kulturen der Welt, werden irgendwann hineinschauen können. Das nennt man dann Erweiterung des Horizonts.

Foto: Francesco Stella, Vicenza 

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