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Zweirad-Wut

Idioten auf zwei Rädern: Die 12 schlimmsten Arten von Radfahrern in Berlin

Generell ist Radfahren ja erst einmal nichts Verwerfliches. In einer Stadt wie Berlin, das kann man gut und gern behaupten, sind viele Strecken auf zwei Rädern sogar schneller zu meistern als mit dem Auto oder den Öffis. Radfahren ist zudem gut für die Umwelt – und gesund. Wobei: Unserem Autor – der sich eigentlich ausschließlich mit dem Fahrrad fortbewegt – sind einige Arten von Radfahrer*innen aufgefallen, die mit ihrer Gesundheit spielen. Nicht nur, weil sie potenziell regelmäßig nah am Unfalltod vorbeischlittern. Sondern weil sie die Wut der anderen besonders gezielt auf sich ziehen. Die 12 nervigsten Arten von Radfahrer*innen in Berlin.

Radfahren in Berlin. Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Zu viele Idioten. Foto: Imago Images/David Weyand

Die Rauchenden

Rauchende Radfahrer*innen sind besonders lästig, weil den Hinterherfahrenden der ganze Rauch unvermeidlich direkt in die Fresse zieht. Foto: Imago Images/Dean Pictures

Viele Raucher*innen lügen sich ihre Abhängigkeit ja mit Genuss zurecht. Schon das ist zumindest diskutabel. Was wirklich nervt, sind aber diejenigen, die es nicht einmal auf dem Fahrrad ohne „Genuss“ aushalten. Anders als zu Fuß ist man auf dem Fahrrad meistens noch mehr gezwungen, dem Vorfahrenden recht genau zu folgen – was dazu führt, dass jede Rauchschwade mit Schwung in die eigene Fresse zieht. Das stinkt, das nervt, das ist einfach ätzend. Wenn schon „genießen“, dann wenigstens die fünf Minuten nehmen und irgendwo eine durchziehen, wo es keinen stört.


Die Fußwegfahrenden

„Es sind nur ein paar Meter“ – trotzdem nerven Radfahrerende auf dem Fußweg tierisch. Foto: Imago Images/Snapshot

Fußwege heißen Fußwege, weil sie keine Radwege sind. Entsprechend sind Radfahrer*innen sogar per Gesetz angehalten, so ihnen das Gegenteil nicht explizit erlaubt ist, Fußwege zu meiden. Nun halten sich vor allem diejenigen, die regelmäßig auf dem Bike sitzen, weitestgehend daran. Aber erstaunlich oft sind es eben doch nur „ein paar hundert Meter“, die man eben schnell zwischen den Passanten umherschlängelt. Und die meistens durch zwei Außengastronomien und drei, vier erschrockene Omas hindurchführen. Nicht machen.


Die Körperpflegenden

In Berlin erlebt man ja immer wieder etwas zum ersten Mal. Neulich zum Beispiel, da stand ich am Nordbahnhof an einer roten Ampel. Neben mir: ein junger Mann, der die Wartezeit effektiv nutzte. Was er tat, merkte ich, als ein Stück Fingernagel gegen meinen Lenker flog: Er hatte einen Knipser dabei und machte sich die Nägel. Ich finde Körperpflege ja gut und wichtig (vor allem, wenn ich die Fußnägel mancher Freunde sehe). Trotzdem befürworte ich ganz dringend, andere Menschen nicht mit dem eigenen Körperabfall zu behelligen. Tieffliegende Fingernägel muss ich morgens nicht abbekommen. Danke.


Die vordrängelnden Lahmärsche

Das Phänomen ist eins der lästigsten und wurde neulich auch von meinem Chef beobachtet, der sich bei Facebook erboste. Und weil nicht jede*r online mit Erik befreundet ist, übernehme ich einfach mal für ein breiteres Publikum seinen Post:

An Berlins Ampeln wird es gern mal voll. Besonders lästig, sind radfahrende Lahmärsche, die die Front Row für sich beanspruchen – und dann fortwährend nicht zu Potte kommen. Foto: Imago Images/Ritter

„Lieber junger Radfahrer auf der Greifwalder Straße. Ich habe dich heute morgen mit meinem Rad auf dem eher engen Fahrradweg überholt. Was sagt dir das? Genau: Ich radele schneller als du. An der Marienburger Straße stehe ich dann, wie jeder verantwortungsvoller Radfahrer, vor einer roten Ampel und warte auf Grün. Als erster. Was machst du, lieber junger Radfahrer? Du überholst mich vor der Ampel, stellst dich dann direkt vor mich. Und radelst wieder los. Also überhole ich dich erneut. Ich bin nämlich weiterhin schneller als du. Die nächste Ampel ist leider wieder rot. Ich halte an. Dann bist du, lieber junger Radfahrer, auch an der roten Ampel angelangt. Was machst du? Richtig. Du überholst mich, stehst wieder direkt vor mir. Dieses Spiel wiederholt sich an insgesamt vier fucking Ampeln. Ich überhole dich, weil ich schneller bin. Du überholst mich, wenn ich an der nächsten roten Ampel stehe. Wenn du dich fragst, warum ich dich böse angeguckt habe: Ja, genau deshalb.“

Die realistische Einschätzung, wie schnell man vorankommt und ob man durch Vordrängeln trotz Lahmarschigkeit erstens keinen Vorteil hat und zweitens andere behindert, ist leider nicht immer vorhanden.


Die Paare

Da bekommen nicht nur Singles einen Brechreiz. Besonders schlimm sind radfahrende Super-Pärchen aber im Stadtverkehr. Foto: Imago Images/Panthermedia

Schön, wenn ihr auf dem Tempelhofer Feld neben eurem Tinder-Date, eurer Mutter, eurem Zuhälter oder eurer besten Freundin fahrt und mobilen Kaffeeklatsch abhaltet. Auf Hauptstraßen, erst Recht im Feierabendverkehr, gibt es ABSOLUT keinen Anlass, dass Paare jeder Art NEBENEINANDER fahren. Zumal das Durchschnitts-Zweiergespann häufig eher in die Kategorie Lahmärsche fällt. Fahrt hintereinander, tretet ein bisschen in die Pedale – und ihr kommt viel schneller am Ziel an, wo ihr endlich in Ruhe quatschen könnt.


Die Liegeradfahrenden

Die tun per se nichts Schlimmes. Sie sehen nur unglaublich albern aus. Und meistens auch nicht, als würde das Liegeradfahren sonderlich Spaß machen. Oder für spaßige Menschen erfunden worden sein. Sorry.


Die Hobby-Rennradfahrenden

Wie sich Berliner Hipster auf ihrem Rennrad fühlen, Symbolbild. Foto: Imago Images/Beautiful Sports

Das Rennrad ist ja irgendwann im Hipster-Trend vor ein paar Jahren zum Hipster-Fortbewegungsmittel Nummer 1 geworden. Das ist etwas unsinnig, weil Rennräder gar nicht für den Stadtgebrauch gedacht sind. Ihnen fehlt Schutzblech, weshalb die Fahrer bei Regen immer gleich einen nassen Schmutzstreifen am Hintern haben. Ihnen fehlt Licht. Und vor allem fehlt den Fahrer*innen das Verständnis, dass nur, weil sie ein Rennrad haben, sie keine Rennradfahrer*innen sind. Sie fahren auf der Straße, als wäre es ihre, sie nehmen jede rote Ampel mit, sie rauben Vorfahrten und ignorieren jede Regel. Vielleicht ja nur, weil sie sich so schnell umziehen müssen – wegen der Bremsspur am Po.


Die Nahkommenden

Wieder der Kollege Erik, der offenbar eine ähnliche Wut im Straßenalltag verspürt. Er beschwerte sich schon zu Beginn der Corona-Pandemie über die Ignoranz einiger, die bis heute anhält – und auch ohne globale Krise nervt: Leute, Abstand ist etwas, das schon immer mit Anstand zu tun hatte. Der Umstand, dass ihr an der roten Ampel unbedingt vorne stehen müsst und damit mir (oder Erik) fast auf der Stange sitzt, weil kein Platz mehr ist, nervt. Und die reale Zeitersparnis für euren Gesamtweg beträgt meist 0,0003 Sekunden. 1,5 Meter Minimum, auch auf dem Rad, und bitte nicht nur wegen Covid 19. Danke.


Die dunklen Kämpfer*innen

Wo ist Walther? Man weiß es nicht. Blöd nur, wenn das Auto ihn auch nicht rechtzeitig findet. Deshalb: Radfahrer – bitte Licht an! Foto: Imago Image/Photothek

Kein Licht am Fahrrad zu haben ist Mist. Für jeden. Denn manchmal, im Dunkeln, da sieht man euch wirklich schlecht. Im Auto, zu Fuß, und eben auch als anderer Radfahrer. Nachbessern


Die, die noch im Himmel sind

Keine Ahnung, was ihr am Wochenende alles geballert hat. Dass ihr aber im Rhythmus der Musik auf dem Fußweg an der Oberbaumbrücke ausufernder Schlangenlinien fahrt, mag euch Spaß machen. Für alle anderen ist es vor allem gefährlich. Denn meistens seid ihr nicht sonderlich schnell. Und entsprechend will man euch gelegentlich mal überholen. Das ist dann, gelinde gesagt, gefährlich.


Die Mittelspurfahrenden

Auf Radwegen gibt es keine Mittelspur, allerdings tun einige so, als wäre dies der Fall. Selbst in Neukölln und in Friedrichshain, wo ganze Busspuren für Radfahrer*innen freigegeben sind, schaffen es manche, so gezielt in der Mitte zu fahren, dass links und rechts kein Vorbeikommen mehr ist. Dabei ist es gar nicht so schwer: Man fährt einfach soweit am Rand, wie möglich. Dann kommen alle anderen schnelleren Verkehrsteilnehmer*innen am sichersten an euch vorbei. Ist wirklich nicht so schwer.


Die Tourist*innen

Touristengruppen sind toll. Vor allem auf dem Fahrrad. Foto: Imago Images/Kneffel

Wir wollen nicht immer auf die Touristen schimpfen, aber viele nerven nun mal. Sie mieten sich ein – im schlimmsten Fall e-motorisiertes – Fahrrad. Fahren aber schon zuhause in Bitterfeld nur selten nicht mit dem Auto. Und sind dann den Großstadtverkehr nicht gewohnt. Das führt dazu, dass sie oft überaus unerwartet anhalten, willkürlich über Fußwege und Straßen zu Sehenswürdigkeiten navigieren und generell bei jeder Gelegenheit den Verkehr behindern. Liebe Gäste: Dass ihr langsam seid, ist nicht schlimm. Nur versucht einfach, nicht auch vollständig unberechenbar zu sein. Danke.


Mehr Radvergnügen in Berlin und Brandenburg:

Wenn euer Bike nicht mehr macht, wie es soll, dann wird euch in diesen Fahrradläden immer gern weitergeholfen. Wenn dann alles rollt, könnt ihr euch auf eine dieser wunderbaren Radtouren durch Berlin begeben. Oder, wenn es mal etwas weiter hinaus gehen soll, nach Brandenburg. Auch dort haben wir tolle Fahrradrouten für euch entdeckt.

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