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Im Gespräch mit Bread&Butter-Chef Karl-Heinz Müller

Karl_Heinz_Muellertip Die Vermietung des Flughafengebäudes an die Bread & Butter hat nicht nur Begeisterung ausgelöst, sondern ist bei vielen Berlinern auf Unverständnis gestoßen. Haben Sie Ihre Rückkehr nach Berlin zwischenzeitlich bereut?
Karl-Heinz Müller Nein, ich habe das nicht bereut. Man muss sich auch mal die Motive der Leute angucken, die gegen die Vermietung des Flughafens an die Bread & Butter waren. Da gibt es zum einen viele Leute in der Bevölkerung, die es bedauert haben, dass der Flughafen stillgelegt wurde. Das hatte gar nichts mit uns zu tun. Die zweite Gruppe von Leuten waren die, die dort gerne ihre eigenen Ideen realisiert hätten. Und da muss ich sagen, dass die meisten nur Fragen aufgeworfen haben. Keiner konnte eine Antwort geben, die besser gewesen wäre als unser Ansatz.

tip Immerhin hat das Studio Babelsberg ein sehr differenziertes Konzept zur Nutzung des Komplexes als Standort der Filmindustrie vorgelegt. Zudem haben sich die Babelsberger am Ideenwettbewerb für die Zukunft der Immobilie beteiligt – im Gegensatz zur Bread & Butter. So entstand der Eindruck, dass ein öffentlicher Wettbewerb um die beste Idee durch persönliche Absprachen zwischen der Messe und dem Regierenden Bürgermeister unterlaufen wurde.
Müller Ja, dieser Eindruck ist entstanden, und der ein oder andere hat sich gefragt: Warum ist jetzt eine Modemesse hier? Aber es ist auch so, dass die Berliner Immobilienmanagement GmbH unabhängig vom Ideenwettbewerb den Auftrag hat, den Flughafen zu vermarkten und auch schon etliche Mietverträge abgeschlossen hat, unter anderem für sieben Großveranstaltungen. Wir hatten uns erkundigt, wie das Prozedere ist und sind auf die BIM gestoßen, und dann hat auch der Bund zugestimmt. Der Ideenwettbewerb ging an uns vorbei, dabei ging es auch eher um die Nutzung des ganzen Geländes. Und da gibt es immer noch viele Ideen, ob diese letztendlich umgesetzt werden oder nicht. Wenn auf dem Tempelhofer Feld irgendwann mal das Matterhorn aufgebaut wird: Ich freue mich darüber. Ob es eine gute Idee ist, dort den größten Puff Europas aufzumachen – I don’t know. Und was Studio Babelsberg betrifft: Ich kenne das Konzept nicht und kann es deshalb nicht beurteilen. Nur: Wenn ich ein Ladenlokal anmieten möchte und der Laden gefällt mir, dann ist es Sache des Hausherrn, zu entscheiden, welches Konzept gut ist und wer den Zuschlag erhält.Karl-Heinz_Mueller

tip Warum haben Sie Barcelona wieder den Rücken gekehrt? Dort lief die Bread & Butter doch recht erfolgreich, oder?
Müller Ja, es lief fantastisch! Wir hatten dort bis zu 100.000 Besucher aus der ganzen Welt. Das historische Expo-Gelände von 1929 ist einmalig schön, und wir haben uns dort sehr wohlgefühlt. Aber im Grunde sind wir ein deutsches Unternehmen geblieben, unsere Zentrale befand sich immer hier in Berlin. Irgendwie hatte ich immer im Kopf, zurückzukommen. Auch haben uns vor allem die italienischen, englischen und amerikanischen Aussteller immer wieder darauf angesprochen, nach Berlin zurückzukehren, weil sie Berlin richtig fanden. Es gab nur bislang keine geeignete Location für eine Veranstaltung dieser Größenordnung.

tip Abgesehen vom Messegelände …
Müller Ja, aber es passt nicht zu unserer Philosophie. Die BBB würde dort nicht funktionieren. Sie findet seit ihrer Gründung in historischen Locations statt, das ist unsere DNA. Außerdem wird zu unserem Wintertermin dort die Grüne Woche veranstaltet. Also selbst, wenn wir wollten, würde es nicht gehen. Aber wir wollen auch nicht, weil es nicht funktionieren würde.

tip Also war die Möglichkeit, Tempelhof zu nutzen, der entscheidende Punkt für Ihre Rückkehr.
Müller Ja, das war ausschlaggebend. Ende letzten Jahres haben wir den Vorvertrag unterschrieben. Und dann musste noch der Bund zustimmen. Mit diesem Vertrag in der Tasche habe ich dann in Barcelona gekündigt. Ich habe natürlich erst die eine Liane losgelassen, als ich die andere schon in der Hand hatte.

tip Wie viele Aussteller haben sich für den Event angemeldet?
Müller 550, viele präsentieren mehrere Kollektionen. Wir sind ausgebucht. Zwar hatten wir, um Ihre nächste Frage gleich vorweg zu nehmen, in Barcelona 800 Aussteller, aber da war die Gesamtfläche auch etwas größer und der durchschnittliche Stand wesentlich kleiner.
tip Glückwunsch. Eine ausgebuchte Messe ist in Zeiten wie diesen ja keine Selbstverständlichkeit.
Müller In diesen Tagen fragt natürlich jeder nach Krise, und ob wir davon etwas merken. Aber wir haben einen Vorteil: Die Bread & Butter ist die führende Messe im Segment der Urban Wear. Marken, die früher drei oder vier Messen in Europa gemacht haben, machen jetzt nur noch eine oder zwei. Aber wir sind immer dabei, denn für die Industrie ist die Bread & Butter die wichtigste Plattform.

tip Für die Messe sind in den Hangars einige aufwendige Umbauten erforderlich. Sehen Sie sich als reinen Veranstalter oder auch als Neugestalter des Komplexes?
Müller Die Gestaltungsansprüche stehen im Hintergrund, wir sind eindeutig Mieter. Das ist ja auch im Privaten so: Wenn man eine Wohnung mietet, dann möchte man auch seine Lampen aufhängen. Die Lampe ist die eigene Sache, aber der Stromanschluss ist Sache des Vermieters. Das Geld, das die BIM jetzt in die Infrastruktur investiert, kommt auch den anderen Veranstaltungen zu Gute, die in Tempelhof stattfinden werden. Wir sind eben nur die ersten.

tip Sie haben einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Andererseits haben Sie bei Ihrem Abschied aus Barcelona verkündet, dass Standortwechsel durchaus zur Philosophie Ihres Unternehmens gehören. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bread & Butter zehn Jahre lang in Berlin bleibt?
Müller Sehr groß. Wir wollen bleiben, weil wir wissen, wie fantastisch die Bread & Butter zu Berlin passt, und wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen. Aber wir sind nicht auf Gedeih und Verderb auf Berlin angewiesen. Wissen Sie, die Industrie- und Handelskammer von Istanbul hat uns zu verstehen gegeben, dass wir alles von denen haben können, was wir brauchen. Und kurz bevor der Vertrag mit der BIM abgeschlossen wurde, haben sich die Mailänder extrem um uns bemüht. Die Stadt ist im Modebereich weltweit führend. Bei der Mailänder Modewoche zeigen 150 De­signer ihre neuesten Kollektionen. Außerdem haben sie das größte Expo-Gelände Europas, wunderbar angebunden. Aber das ist ein Glaskasten ohne Seele; unsere Veranstaltung würde da nicht funktionieren. Wir brauchen ein Gelände, das der DNA der Bread & Butter entspricht.

tip Heftige Kritik gab es auch, weil Sie am Termin vom 1. bis zum 3. Juli festgehalten und dadurch die Premium und die Fashion Week unter Druck gesetzt haben, die eigentlich 14 Tage später stattfinden sollten und nun vorverlegt wurden. War der frühe Termin unumgänglich?

Das ungekürzte INTERVIEW MIT KARL-HEINZ MÜLLER lesen Sie im tip 14/09 auf Seite 16 bis 19

Interview: Eva Apraku, Heiko Zwirner
Fotos: Jens Berger/tip

Bread & Butter Mi 1. bis Fr 3. Juli

 

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