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Im Gespräch mit Sportmediziner Dr. Robert Margerie über Laufschuhe

Robert-MargerieHerr Dr. Margerie, Sie sind Mediziner und Läufer. Mit welchen Schuhen laufen Sie?
ROBERT MARGERIE
Das sind leichte Trainings- und Wettkampfschuhe.

Warum diese Laufschuhe?
Ich laufe seit über 20 Jahren, habe auch die Entwicklung hin zu immer höheren, immer weicher gedämpften Schuhen mitgemacht. Man hat damit weniger Kontakt zum Boden. Trotzdem, das hat man festgestellt, sind die Verletzungen nicht geringer geworden.

Das waren fast schon High-Heel-Schuhe.
Ja. Aber inzwischen geht der Trend wieder hin zum natürlicheren Laufen. Die Sohlen werden flacher. Auch damit es nicht zu einseitigen Belastungen des Fußes kommt.

Luden diese gedämpften Schuhe nicht auch dazu ein, beim Aufkommen auf den Boden zuerst mit der Ferse aufzusetzen?
Ja. Dabei ist dies nicht unbedingt ein empfehlenswerter Laufstil. Schnelles Laufen findet eher auf dem Mittel- und Vorfuß statt. Das sieht man vor allem bei Sprintern. Nur beim Gehen oder sehr langsamen Laufen setzt man mit der Ferse auf und rollt den ganzen Fuß ab. Aber sobald man besser trainiert ist oder schneller laufen will, muss man seinen Laufstil entsprechend anpassen.

Adidas_LaufschuhVibramSollte ein Laufanfänger also gleich mit flachen Laufschuhen in den Sport starten?
Bei Laufanfängern oder schweren, untrainierten Läufern empfiehlt es sich, einen Schuh mit etwas mehr Stützung und Dämpfung zu wählen. Mit zunehmendem Trainingszustand oder einer Gewichtsreduktion kann man auf leichtere Schuhe wechseln. Grundsätzlich kann man sagen, dass es sinnvoll ist, mehrere Paar Schuhe mit unterschiedlicher Ausprägung zu haben und diese immer mal wieder zu wechseln, um den Fußmuskel besser zu trainieren.

Kinder sollten ja viel barfuß laufen, damit sich die Füße gesund entwickeln können. Ist barfuß auch für Läufer ein Thema?
Barfuß laufen auf Asphalt, Beton oder in Innenstädten kann man nicht empfehlen. Das Verletzungsrisiko für die Haut und den Fuß ist zu hoch. Auf Wiesen oder Sand dagegen ist Barfußlaufen empfehlenswert. Barfuß läuft und federt man automatisch viel mehr über den Vorfuß.

Für Läufer gibt es inzwischen sogar Barfuß-Laufschuhe. Was halten Sie davon?
Im Wettkampf bei den Topläufern spielen die keine Rolle. Aber als zusätzliches Trainingsmittel, nicht als alleiniger Laufschuh für Stadtläufer, sind sie empfehlenswert. Die Besohlung schützt vor Verletzungen.

Asics_LaufschuhVivobarefootWorauf sollte man beim Schuhkauf achten?
Jeder Fuß ist anders, jeder Läufer läuft anders. Man kommt nicht umhin, auszuprobieren, welcher Schuh sich für einen gut anfühlt, welcher sich auch noch nach zehn, 20 oder mehr Kilometern gut anfühlt. Da macht jeder seine eigenen Erfahrungen.

In manchen Sportgeschäften wird mithilfe von Laufbändern eine Laufanalyse erstellt oder die Füße werden im 3D-Verfahren vermessen. Ein Weg zum perfekten Schuh?
Solche Verfahren liefern beim Schuhkauf wichtige Hinweise. Trotzdem garantieren sie nicht, ob der ermittelte Schuh auch nach 20 Kilometern und mit ermüdeten Füßen noch als angenehm empfunden wird.

Sie haben schon viele Läuferfüße gesehen. Wie häufig sind normal gewachsene Füße?
Der Normalfuß, wie er im Lehrbuch steht, ist eher die Ausnahme. Fehlstellungen, wie Senk-, Spreiz- oder Knickfüße, sind die Regel. Das heißt nicht, dass es zu Problemen kommen muss. Doch wenn es zu Schmerzen kommt, dann sollte man einen erfahrenen Sportmediziner, im Regelfall einen Orthopäden, zu Rate ziehen. Mithilfe etwa von angepassten Einlagen könnte man dann korrigierend eingreifen. Das ist eine sportorthopädische Maßnahme. Vom Laufschuheinzelhandel können Sie
diese Leistung nicht erwarten. 

Interview: Eva Apraku

Zentrum für Sportmedizin und Sport-Gesundheitspark,
Stammhaus: ­Forckenbeckstraße 21, Wilmersdorf, Tel. 89 79 17-0, www.sportgesundheitspark.de; das von einem Verein betriebene Zentrum und die in verschiedenen Bezirken betriebenen Sport-Gesundheitsparks führen medizinische Sport-Gesundheits-Checks durch, bieten Sport-Leistungsanalysen oder Gesundheitssportgruppen

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