Stadtleben

Impressionen vom Berlin-Festival

Das zweite August-Wochenende stand ganz im Zeichen des Berlin-Festivals. Über 60 Live-Acts und noch dazu mitten in der Stadt – das durfte man sich nicht entgehen lassen. Zumal die Location auf dem ehemaligem Flughafen-Gelände in Tempelhof noch eine ganz besondere Atmosphäre versprach.

Flughafen Tempelhof

Und in der Tat hielt der Flughafen, was er versprach. Wer auf’s Festival-Gelände wollte, musste in der großen Eingangshalle erst einmal einchecken und die nötigen Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Die Organisatoren hatten den Check-In jederzeit im Griff und erfreulicherweise kam es zu keinen großen Wartezeiten, ehe der Trip in die Festival-Welt losgehen konnte.

Dendemann

Mit großen Vorschusslorbeeren angetreten und am Ende doch ein wenig enttäuschend: Der Auftritt von Dendemann. Der Hamburger Wortvirtuose kam nicht so recht rüber und beschwerte sich mehrmals über die Akustik im großen Flugzeughangar.

Peter Doherty

Die große Frage, die sich bis zum Beginn des Konzerts alle gestellt haben: Kommt er oder kommt er nicht? Zu oft hatte Pete Doherty auch in letzter Minute noch Konzerte ausfallen lassen und spätestens seit sich am Nachmittag über twitter die Nachricht verbreitet hatte, Doherty käme erst mit Verspätung in Berlin an, wuchs die Unruhe.
Doch nicht umsonst nennt sich Pete inzwischen Peter und dementsprechend aufgeräumt wirkte der Mann bei seinem Auftritt. Allein mit einer Akustik-Gitarre auf solch einer großen Bühnen; den Mut muss man erst einmal haben. Und vor allem auch das Können.
Und dass Peter Doherty das Können hat, hat er am Freitag Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Erst, als er gegen Ende des Konzerts mit diversen Bambyshambles- und Libertines-Song die Stimmung noch einmal anheizte, hätte man sich gerne eine echte, rockende Kapelle im Hintergrund gewünscht. Die Stimmung wäre dann nicht nur kochend gewesen, sie wäre übergekocht.

Flugfeld

Wer zwischen den Gigs eine kurze Verschnaufpause brauchte, ließ sich einfach auf dem Flugfeld nieder. Das Ganze war zwar ein wenig hart und natürlich hätte man sich ein Stück Wiese gewünscht, doch die aufgestellten Bierbänke wurden trotzdem gemieden. Festival und Holzbänke geht eben gar nicht.

Jarvis Cocker

Einer der absoluten Höhepunkte des Berlin-Festivals war der Auftritt von Jarvis Cocker. Der Mann, der aussieht, als würde er fürs Feuilleton schreiben, sprudelte mit seiner Band nur so vor Spiellaune und ließ nicht locker, ehe sein frisch gebügeltes Hemd vollständig durchgeschwitzt war.

Bierstand

Gerade auch aufgrund der warmen Temperaturen und des schönen Wetters, waren die Bierstände in den Konzertpausen äußerst beliebt. Natürlich ging es hierbei ausschließlich um die Erfrischung, denn von Biergenuss kann man bei lauwarmem Warsteiner aus Plastikbechern (und das für 3,50 Euro !!!) wohl kaum sprechen.

Tip-Kicker-Lounge

Wer denn schnellen Bewegungen des weißen Plastikballs noch folgen konnte, konnte sich auch zu später Stunde noch in der Kicker-Lounge von tip und 5meter mit Freunden messen. Erstaunlich: Die Tische waren auch in den frühen Morgenstunden noch stets gut besetzt.

Bar

Stylish wie im coolsten Berliner Club. Während auf der MainStage Digitalism gerade die Anlage auf ihre Basstauglichkeit prüfte, sieht man der Bar trotzdem irgendwie an, dass sie den größten Teil des Abends bereits hinter sich hat.

Deichkind

Richtig voll wurde es im großen Hangar, als am Samstag Deichkind zum Konzert baten. Ob die Hamburger indes wirklich mit auf der Bühne standen, war nicht eindeutig zu verifizieren. Entweder trugen die Deichkinder seltsame, dreieckige Plastikhüte, die mitunter in bester Kraftwerk-Manier bunt blinkten, oder es waren so viele Menschen gleichzeitig auf der Bühne, das man gar nicht so recht wusste, wer denn nun eigentlich zu den Ex-HipHoppern gehört. Mitunter nahmen die Gleichschritt-Choreographien im Detlef D!Soost-Format solch ausufernde Züge an, dass man sich auf einem DJ-Bobo-Konzert wähnte.
Die Stimmung war trotzdem bestens und wer Titel wie „Mein Computer und ich“ singt, darf eine Show dann auch schon mal ein wenig unpersönlich werden lassen.


Fazit der zwei Tage
: As much Festival as can be. Die Location hat gestimmt, die Mischung der Musik- und DJ-Acts auch und das Wetter sowieso. Dann noch die kurze An- und Abreise und fertig ist das Hauptstadtfestival. Jetzt noch ein wenig am Sound und an den Bühnenstandorten geschraubt und schon steht einer jährlichen Kultveranstaltung nichts mehr im Wege.

Mehr über Cookies erfahren