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Imran Sagir über das Muslimische SeelsorgeTelefon

ImranSagirHerr Sagir, gibt es Unterschiede zwischen dem Muslimischen SeelsorgeTelefon und der christlichen Telefonseelsorge?  
IMRAN SAGIR Nicht, was die Probleme der Anrufer betrifft. Meistens geht es um Zwischenmenschliches, um Trauer, Ängste oder Orientierungslosigkeit. Obwohl unsere Anrufer im Schnitt zwischen 20 und 39 Jahre alt sind – und damit deutlich jünger als bei der christlichen Telefonseelsorge –, ist auch Einsamkeit ein großes Thema. Um Glaubensfragen oder -krisen geht es eher selten.

Gibt es auch Probleme, bei denen Telefonseelsorger passen müssen?  
Ein Mädchen hat sich mal an uns gewandt, weil sie von einem Verwandten vergewaltigt worden war. In solchen Fällen versuchen wir, die Anrufer zu ermutigen, eine Therapie in Anspruch zu nehmen.

Eine junge Berlinerin gewann kürzlich einen Prozess gegen einen Ausbildungsbetrieb, der sie wegen ihres Kopftuches nicht einstellen wollte. Zuvor hatte sie sich bei Ihnen telefonisch beraten lassen.  
Bei Mobbing oder Diskriminierung leiten wir Betroffene in der Regel an das Antidiskriminierungsnetzwerk weiter. Hier hat man der jungen Frau eine Rechtsanwältin empfohlen.

Wie werden Ihre Seelsorger ausgebildet?  
Bei der Ausbildung arbeiten wir eng mit der Katholischen Telefonseelsorge zusammen. Sie dauert sechs Monate und umfasst 160 Stunden. In dieser Zeit werden therapeutische Inhalte vermittelt und potenzielle Problemszenarios durchgesprochen. Anschließend folgen Hospitationen und Supervisionen. Wir wollen aber auch, dass die Bewerber sich während der Ausbildung intensiv mit sich selbst auseinandersetzen. Nicht jeder hält der Belastung dieses Jobs stand.

Momentan ist MuTes täglich nur von 8 bis 24 Uhr erreichbar. Planen Sie in naher Zukunft eine 24-Stunden-Beratung?  
Psychische und seelische Probleme halten sich nicht an den Tagesablauf. Deshalb werden wir die Sperrstunde voraussichtlich im Februar 2013 abschaffen. Dann sind unsere Nachwuchs-Seelsorger mit ihrer Ausbildung fertig. Wir denken allerdings auch über eine Beratung in Chatform nach. Das dürfte vor allem junge Muslime ansprechen.    

Interview: Henrike Möller
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Muslimisches Seelsorgetelefon
Tel. 443 50 98 21 (erreichbar: tgl. 8–24 Uhr).Auf Wunsch findet die Beratung auch auf
Türkisch, Arabisch, Urdu, Englisch und weiteren Sprachen statt;
www.mutes.de

 

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