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10 Jahre Instagram: 10 Beispiele, wie die Plattform Berlin verändert – und uns

Instagram feiert zehnten Geburtstag – am 6. Oktober 2010 kam der Anwendung zum teilen und kommentieren von Fotos und kurzen Videos auf den Markt. Für die einen ist es die Traumplattform, um den eigenen Narzissmus auszuleben. Die anderen nutzen Instagram, das seit 2012 zu Facebook gehört, um sich zu informieren. Fans bleiben auf der Höhe, wenn es um ihre Lieblingsstars geht. Und die Berliner*innen und ihre Gäste? Die nutzen den Dienst vielfältig. Wie der Erfolg Instagrams Berlin beeinflusst.


Erstmal auf Instagram schauen, was geht

Einmal in echt und zig Mal auf Instagram: Das Brandenburger Tor beim Festival of Lights in Berlin. Foto: Imago Images/Joko

Instagram bietet die Möglichkeit, zu schauen, wie Orte, Ausstellungen, Events so sind. Das ist praktisch – man muss sich nicht mehr überraschen lassen. Nimmt aber Situationen auch die Magie: Der Überraschungseffekt ist eben futsch. Oh, es ist Festival of Lights? Klasse! Nur ist es eben nur halb so beeindruckend, wenn ich alle Lichtbespielungen auf dem Brandenburger Tor schon vorher in den Storys meiner Freund*innen gesehen habe. Die schönsten Fotos des Festival of Lights 2020 haben wir trotzdem gesammelt. Ist ja schon vorbei.

Zudem werden inzwischen Städtetrips nicht mehr nur danach geplant, was sich lohnt – sondern auch danach, wie es dort aussieht. Visuelle Langeweile? Dann kann man sich den Trip sparen, auch wenn die Geschichte dahinter noch so spannend ist. Insta befeuert die neue Oberflächlichkeit.


Restaurants geben sich manchmal mehr Mühe

Restaurants und Bars geben sich inzwischen immer mehr Mühe – denn schönes Essen landet gern bei Instagram. Richtig gut und schön ist es zum Beispiel bei der Tucker Brunch Bar. Foto: Tucker Bar

Restaurantbetreibende wissen: Das Auge isst mit. Nun ist eine simple Stulle oft wahnsinnig köstlich und sieht (hoffentlich) in der Regel auch genießbar aus – aber nicht immer faszinierend schön. Gerade im Bereich Frühstück gibt es aber offenbar besonders viel Instagram-Potenzial. Weshalb vor allem im ach so trendbewussten Berlin-Mitte inzwischen manchmal wichtiger ist, eine schöne denn eine leckere Stulle zu bekommen. Oder echt was fürs Geld. Klar, das Avocado-Brot mit dem pochierten Ei hätte van Gogh nicht schöner malen können. Aber ob das schöne Foto für den Feed den Preis von 14 Euro rechtfertigt, das fragen wir uns dann doch. Tipp: Diese Frühstück-Läden haben schönes UND gutes Essen.


Instagram als Geschäftsmodell für Fotojunkies

Bällebad für Erwachsene in der Wow-Gallery, ausgesprochen Instagram-tauglich. Hier vorgeführt von Berliner It-Girl Julian FM Stöckel. Foto: Imago/Future Image.

Vor wenigen Jahren baute mal ein bekannter Kamerahersteller diverse Kunstinstallationen im Kraftwerk Berlin an der Köpenicker Straße auf. Nur wenige Tage nach Eröffnung waren die Schlangen irre lang – denn drinnen gab es tolle Flatterbänder an der Decke, Blitze über Wasser, ein Zimmer, das verkehrt herum war, all so Kaspereien. Die Generation Instagram rückte sofort an, verewigte sich in allen möglichen und unmöglichen Positionen.

Inzwischen gibt es sowas quasi auch als Dauerausstellung. The Wow Gallery an der Greifswalder Straße 81in Prenzlauer Berg ist quasi ein Instagram-Museum: Von Bällebad bis Mauersprung kann man hier allen möglichen Blödsinn machen – ohne tieferen Sinn, aber es sieht eben gut aus, auf Instagram. Tolle Instagram-Fotos bekommt ihr an diesen Orten auch ganz ohne Eintritt.


Ein Meer aus Licht – an der falschen Stelle

Wer kein Foto hat, war wohl gar nicht da: Lollapalooza 2019. Foto: Imago/Martin Müller

Noch so etwas, das schlicht nervt: Kameras bei Konzerten. Irgendwann mal beobachtete ein Kollege, der über ein Rihanna-Konzert schrieb, wie ein Besucher-Paar die vollen 90 Minuten reglos nebeneinander saß. Beide filmten die gesamte Show. Dann standen sie am Ende auf und gingen. Wahrscheinlich nach Hause. Keiner hat irgendwas gesehen außer seinem Display. Was blieb: Zwei schlechte Videos aus der gleichen Perspektive, die wohl niemand je wieder ganz guckt. Warum nur?

Instagram (und Youtube) hat das Phänomen noch verschärft. Denn zeigte man vorher nur ein, zwei Bekannten und im Büro das Video vom Hammer-Konzert, das auch so im Gedächtnis geblieben wäre, kann es nun die ganze Welt sehen. Umso wichtiger, dass das Video gelingt. Umso mehr Versuche werden unternommen. Umso mehr wird gefilmt. Das ist einfach nur lästiger Irrsinn, wirklich. Und die ganzen Kameralichter versauen uns anderen die Show.


Dankbarkeit fürs Fotoverbot

Kameras drinnen nicht erwünscht: das Berghain. Foto: Imago Images/Pemax

Mit den Digitalkameras wurde Fotografieren Volkssport, seitdem jedes Smartphone auch ein Fotoapparat ist, wurde es zur Pest. Immer und überall werden von allem Fotos gemacht. Umso dankbarer sind wir mittlerweile, wenn zwischendurch mal Fotoverbot herrscht. Einige gehobene Restaurants verbieten sich nach wie vor Fotos zu Tisch. Und Berliner Clubs wie Berghain und Sisyphos setzen Hobbyfotografen, wenn die Angestellten sie erwischen, gern mal vor die Tür. Richtig so: Ein Moment kann auch dann schön und bedeutend sein, wenn niemand ihn festhält. Und teilt.


Der Beleg-Zwang

Nochmal Berghain, dieses Mal drinnen. Foto: Imago Images/Steinach

Manche scheinen trotz Fotoverbot einfach inzwischen einen inneren Zwang zu fühlen, belegen zu müssen, wo sie sich nun herumgetrieben haben. Dunkle Videos aus dem Berghain, auf denen man nichts sieht, aber den Bass hört. Rauchschwadenfotos von irgendwelchen illegalen Raves in Brandenburger Bunkern. Verwackelte Fotos aus dem Theater – nun wirklich kein Ort, in dem die Zuschauer*innen Bilder knipsen sollten. Und wozu? Der Beleg-Zwang ist einfach nur nervig.


Selfies im Denkmal für die in Europa ermordeten Juden

Selfies im Denkmal für ermordete Juden – eine Frage der Einstellung, offenbar. Foto: Imago Images/Hans Lucas

In Berlin (und deutschlandweit) wurde vor wenigen Jahren debattiert, wie geschmacklos Selfies sein können. Der Satiriker Shahak Shapira hatte mit der Aktion „Yolocaust“ jene bloßgestellt, die sich im Denkmal für die in Europa ermordeten Juden selbst inszenierten. Und tatsächlich, ob auf Dating-Seiten, Instagram-Profilen oder sonstwo, wo man sich zeigen kann: Immer wieder halten es Menschen für eine gute Idee, auch mal „sexy“ zwischen den Stelen zu posieren. Auch, wenn der Künstler eine vielfältige Auseinandersetzung mit dem Mahnmal wollte – es ist einfach geschmacklos, wenn auf Tinder Karl-Horst aus Bispingen sein Sixpack im Mahnmal präsentiert. Die nächsthöhere Stufe davon sind dann Betroffenheits- (und Spaß-Selfies) in ehemaligen Konzentrationslagern. Ja, auch die gibt es.


Boyfriends of Instagram

Wir sehen sie am Brandenburger Tor, am Berliner Dom, ganz besonders tief auf dem Boden vor dem hohen Fernsehturm: die „Boyfriends of Instagram“. Der Account zeigt, wie viel Mühe sich Menschen, oft eben die Freunde der Influencerinnen, geben müssen, damit die große Liebe auch auf Instagram möglichst perfekt rüberkommt. 2079 Fotos später steht dann endlich die Sonne richtig, das Haar weht wie es soll und die Kleidung wirft keine Falten. Königsdisziplin: Wenn der alberne Tanz in einem Foto gipfelt, das auch noch ganz spontan aussieht. Immerhin: Sich den Zirkus anzugucken, macht allen anderen Spaß. Und bevor jemand was falsches denkt: Dieses Phänomen ist alles, aber nicht Frauen-exklusiv. Uns taten auch schon genug Girlfriends of Instagram sehr Leid, weil ihr Gockel erst nach dem 87. Anlauf Bauch- und Oberarmmuskeln gleichzeitig richtig angespannt hatte.


Museen können ganz neues Publikum erschließen

Unglaublich Insta-tauglich: Katahrina Grosses Werk im Hamburger Bahnhof. Foto: Jens Ziehe/Copyright: Katharina Grosse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wahrscheinlich wird es kaum jemand zugeben. Aber einige Museen, die etwas auf sich halten, denken inzwischen auch Instagram mit. Riesige Installationen, tolle Gemälde und vor allem ein paar innenarchitektonische Finessen machen aus einer simplen Ausstellung einen Magnet für Influencer*innen. Die interessieren sich vielleicht nicht nachhaltig für die große Kunst um sie herum. Zahlen aber am Ende eben auch Eintritt. Was dann dafür sorgt, dass die wirklich Kunstinteressierten noch bessere Ausstellungen zu sehen bekommen. Und wir geben es ja zu: Bei Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof mussten wir auch ein paar Selfies machen.


Wir machen es ja auch

Jaja, lästern ist einfach. Wir machen es ja auch: tipBerlin ist natürlich auch auf Instagram. Für schöne Berlin-Fotos, Event-Tipps in Feed und Storys und generell ganz tollen Content, folgt uns einfach.

Und weil es tatsächlich so viel tolles Essen in Berlin gibt, machen wir davon auch immer mehr Fotos – natürlich rein für die Arbeit. Ergebnisse gibt es auf unserem Food-Channel.

Übrigens: In unserem Architektur-Guide findet ihr jede Menge imposante Bauwerke, die perfekte Hintergründe für das nächste Selfie werden können. Und unsere Ausflugstipps führen euch noch an ganz andere Orte.

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