• Stadtleben
  • Internationaler autofreier Tag in Berlin: Klau, schau, wem

Kommentar

Internationaler autofreier Tag in Berlin: Klau, schau, wem

Autos raus aus der Stadt! Heute ist internationaler autofreier Tag in Berlin, die Hauptstadt beteiligt zum ersten Mal daran. 24 Straßen werden von 14 bis 18 Uhr zu Spielstraßen (siehe unten), für Nutzer*innen des öffentlichen Nahverkehrs gibt es Rabatte auf ihre Fahrscheine. Ein Herzensprojekt der Verkehrssenatorin Günther (Grüne).

Aber noch eine Gruppe arbeitet eifrig an der autofreien Innenstadt: Autodiebe. Besonders gefragt dabei: SUVs. Internationaler autofreier Tag in Berlin: Klau, schau, wem.

Ein Kommentar von Erik Heier.

Internationaler autofreier Tag in Berlin: Friedrichshain-Kreuzberg machte es schon im Mai in der Friedrichstraße vor. Foto imago images / IPON

Zu den zahlreichen Disziplinen, in denen Berlin in Deutschland an der Spitze steht, gehört neben Flughafenbau-Dauer, Coronavirus- und Syphilis-Infektionen oder Bürgeramtstermin-Wartezeiten der ­Autodiebstahl. Nirgendwo in der ­Republik werden so viele Autos geklaut. 2019 trug sich in Berlin jeder fünfte unfreiwillige Eigentümerwechsel in Deutschland zu, ein Anstieg um satte neun Prozent. 3.130 kaskoversicherte Wagen kamen auf diese Weise zu einem neuen Einsatzgebiet.

Besonders gefragt unter Langfingern mit Bleifuß sind dabei offensichtlich SUVs – jene Protzkarrenkategorie, die für so ziemlich alle Verkehrsteilnehmer, die keinen SUV durch die Straßen walzen, ohnehin auf den Schrottplatz der Automobilgeschichte gehört.

Man könnte sagen, dass die Autodiebe damit ihren Teil zum Ziel der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) beitragen, Benzin-­Autos ab 2030 aus der Innenstadt zu verbannen.

Autofreier Tag in Berlin: Ansonsten läuft es für Günther weniger gut

Ansonsten läuft es dabei für die Senatorin derzeit weniger gut. Erst haute ihr das ­Berliner Verwaltungsgericht vorerst acht Pop-up-Radwege um die Ohren, obendrein nach einer AfD-Beschwerde. Aber Verwaltungsbeschlüsse müssen eben auch gegen rechtspopulistische Klagen gerichtsfest sein. Das Gericht vermisst konkrete Verkehrsgefährdungen, offensichtlich fahren die Juristen nicht so oft mit dem Rad zum Dienst auf Straßen, wo die Autos ohne Sicherheitsabstand vorbeidonnern. Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann legte sich in der Debatte dann noch mit der Feuerwehr an.

Dann verhakte sich wiederum Günthers geplantes Klimaschutzpaket mit einer abgasfreien Zone, Parkraumbewirtschaftung im Innenstadtring und einer möglichen City-Maut im senatsinternen Zoff mit der SPD, die der Senatorin zudem vorwirft, 66 Millionen Euro für den Nahverkehrsausbau nicht genutzt zu haben. Immerhin aber läuft das Pilotprojekt einer autofreien Friedrichstraße bislang ­passabel an.

Am heutigen 22. September beteiligt sich Berlin zum ersten Mal am internationalen autofreien Tag, den es seit den 80er-Jahren gibt. Günther ruft dazu die Berliner*innen auf, an diesem 22. August ihr Auto daheim stehen zu lassen. Immerhin:

Hoffentlich wird es nicht geklaut.

Besondere BVG-Aktion

Die BVG hat heute als Teil des Verkehrverbundes Berlin Brandenburg ein besonderes Angebot – mit Einzelfahrkarten kann den ganzen Tag in der entsprechende Zone, mit Zeitkarten durch Gesamt-Brandenburg ohne Zusatzkosten gefahren werden. Alle Infos zur BVG-September-Aktion, die auch an Wochenenden gilt, findet ihr hier.

Diese Straßen werden heute gesperrt

Zum autofreien Tag in Berlin sperrt die Stadt von 14 bids 18 Uhr 24 Straßen. Dies ist die Liste des Senats.

Charlottenburg-Wilmersdorf

  • Rüdesheimer Straße, zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße
  • Babelsberger Straße, zwischen Badensche- und Waghäuseler Straße
  • Sigmaringer Straße, zwischen Wegener- und Gasteiner Straße
  • Windscheidstraße, vom Stuttgarter Platz bis zum Ende des Stadtbahntunnels

Friedrichshain-Kreuzberg

  • Dresdener Straße, zwischen Adalbertstraße und Erkelenzdamm
  • Kinzigstraße, zwischen Weser- und Scharnweberstraße
  • Simplonstraße, zwischen Helmerdinger- und Matkowskystraße
  • Waldemarstraße, zwischen Adalbertstraße und Leuschnerdamm

Mitte

  • Freienwalder Straße, zwischen Soldiner Straße und Friedhof
  • Große Hamburger Straße, zwischen Oranienburger- und Krausnickstraße

Neukölln

  • Anzengruberstraße, zwischen Donaustraße und Sonnenallee
  • Neckarstraße

Pankow

  • Bötzowstraße, zwischen John-Schehr- und Danziger Straße
  • Gneiststraße, zwischen Greifenhagener Straße und Schönhauser Allee
  • Göhrener Ei
  • Jacobsohnstraße, von Nr. 1 bis Nr. 17
  • Tassostraße, zwischen Pistorius- und Charlottenstraße
  • Templiner Straße, zwischen Zionskirch- und Schwedter Straße

Steglitz-Zehlendorf

  • Baseler Straße, zwischen Ringstraße und Kadettenweg

Tempelhof-Schöneberg

  • Barbarossastraße, zwischen Goltz- und Karl-Schrader-Straße
  • Goltzstraße (Lichtenrade), zwischen Haeseler- und Rehagener Straße
  • Niedstraße, Nr. 1 – 2 (am Breslauer Platz)
  • Steinmetzstraße zwischen Bülow- und Alvenslebenstraße

Treptow-Köpenick

  • Krüllsstraße, zwischen Schmollerplatz und Karl-Kunger-Straße

Mehr Leben in der Stadt:

Die meisten Radfahrer*innen sind überaus sympathische Verkehrsteilnehmer*innen. Und dann gibt es die anderen. Hier sind 12 Typen von Radfahrer*innen, die uns nerven.

Ein Umzug von Friedrichshain nach Kreuzberg verändert nichts, so könnte man glauben. Stimmt das wirklich?

Unsere Autorin dachte, ein Corona-Test sei in Berlin im Verdachtsfall schnell möglich. Ein Irrtum.

Mehr über Cookies erfahren