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Interview mit Boxweltmeister Arthur Abraham

Arthur_Abrahamtip Sie boxen demnächst in der größten Halle Berlins gegen den Amerikaner Jermain Taylor. Wird dies auch Ihr größter Kampf?
Arthur Abraham Auf jeden Fall. Die O2 World ist für mich ein Traum. Ich habe da viele Eishockeyspiele gesehen, auch viele Konzerte, und ich habe immer davon geträumt, hier mal zu boxen. Und nun wird dieser Traum wahr. In dieser Halle und dann noch in meiner Heimatstadt Berlin zu boxen, vor meinen eigenen Fans, das ist für mich eine ganz große Ehre.

tip Das heißt, es macht für Sie schon einen Unterschied, wo Sie boxen, in welcher Stadt und in welcher Halle?
Abraham Das macht einen ganz großen Unterschied. In der eigenen Stadt ist man motivierter, man will unbedingt eine gute Leistung zeigen. Ich will all die Leute, die diesen Kampf vorbereitet haben, die ihre Zeit darin investiert haben, nicht enttäuschen. Auch meinen Trainer will ich nicht enttäuschen. Ob das klappt, liegt nur an einem: an mir. Ich muss alles geben.

tip Sie wohnen seit 2004 in Berlin. Wie haben Sie sich hier eingelebt?
Abraham Super. Ich bin sehr zufrieden hier. Für mich ist Berlin die schönste Stadt Europas.

tip Gleich ganz Europas?
Abraham Ja. Ich liebe Berlin. Ich werde mein Leben lang hier bleiben. Mir gefällt an Berlin, dass man hier Tag und Nacht etwas unternehmen kann. Hier gibt es gute Veranstaltungen, Konzerte, Restaurants. Mir gefällt, dass es hier alles gibt, was man braucht. Mir gefällt auch, dass es hier so viele unterschiedliche Menschen und auch so viele Touristen gibt. Wir müssen hier gar nicht groß rausfahren, um Leute zu treffen. Die Leute kommen alle nach Berlin. Das ist das Beste.

tip Wie nutzen Sie die Möglichkeiten, die Berlin bietet?
Abraham Ich gehe in viele Konzerte, ich war zum Beispiel bei Cйline Dion, Kylie Minogue, Lionel Ritchie oder Madonna. Außerdem gehe ich viel zu Sportveranstaltungen, habe mir Spiele bei den Fußballweltmeis­terschaften angesehen, gehe zum Eishockey und war beim Männer-100-Meter-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Solche Sachen interessieren mich. Ich gehe auch gerne ins Museum, etwa ins Naturkundemuseum oder das Deutsche Historische Museum. Es gibt so unglaublich viel hier, was man sich ansehen kann.

tip Jermain Taylor, Ihr Gegner am 17. Oktober, hat 2005 zeitweilig die Mittelgewichtsweltmeister­titel der vier Box-Organisationen WBC, WBA, WBO und IBF auf sich vereinigt. Wird der Kampf gegen ihn deshalb auch aus sportlicher Sicht ihr wichtigster Kampf?
Abraham Mein aus sportlicher Sicht wichtigster Kampf war der zweite Kampf gegen Edison Miranda am 21. Juni 2008. Den ersten Kampf hatte ich ja am 23. September 2006 trotz gebrochenen Kiefers gegen ihn gewonnen. Auch beim zweiten Kampf, das war in Amerika, habe ich ihn k.o. geschlagen. Der Kampf gegen Jermain Taylor ist aber ebenfalls eine sehr
große Herausforderung. Der Mann ist eine lebende Legende, er hat ganz große Boxer geschlagen: Bernard Hopkins, Cory Spinks. Trotzdem glaube ich, dass ich das schaffe. Mein Ziel ist: Immer gewinnen. Ich gehe durch den Tunnel, um zu gewinnen.

tip Wie bereiten Sie sich auf den Kampf gegen Jermain Taylor vor?
Abraham Wir haben Sparringpartner bestellt, die etwa so groß sind wie
Jermain Taylor und Rechtsausleger sind wie er. Wir haben uns seine alten Kämpfe angesehen und analysiert, wie er boxt.

tip Gibt es auch Momente, wo sich angesichts eines guten Gegners so etwas wie Angst einstellt?
Abraham Ich habe vor einem guten Gegner auf jeden Fall Respekt. Und ich kenne auch Angst. Jeder normale Mensch kennt Angst. Nur dumme Leute haben keine Angst.

tip Als Sie trotz des Kieferbruchs gegen Edison Miranda weitergekämpft haben, haben Sie da überhaupt noch gespürt, was mit Ihnen los war?
Abraham Natürlich spürt man das. Aber ich habe eben trotzdem wei­tergemacht. Weil ich das wollte, weil ich motiviert war und ein Ziel vor Augen hatte. Mein Ziel ist, nicht zu verlieren. Darum geht es mir. Nicht ums Geld oder ein schönes Auto. Mein Traum ist, dass ich ungeschlagen bleibe.

tip Woher kommt dieser Ehrgeiz?
Abraham Das ist Erziehungssache. Und Charaktersache.

Arthur_Abrahamtip Ihre Eltern haben Sie immer zum Durchhalten angespornt?
Abraham Meine Eltern haben mit Sport gar nichts zu tun. Die sind immer noch dagegen, dass ich und mein Bruder Alexander boxen. Meine Mutter sieht sich nie meine Boxkämpfe an. Sie mag diesen Sport nicht. Mein Vater schaut sich die Kämpfe zwar an, ist aber auch nicht dafür, dass wir boxen.

tip Was hat Sie zum Boxen gebracht?
Abraham Ursprünglich war ich eigentlich Radfahrer, sogar ein ziemlich guter Radfahrer. Ich war mal Frankenmeister und nordbayerischer Meister. Nur Weltklasse war ich leider nicht. Ich habe dann eingesehen, dass ich beim Radfahren nur ein mittelmäßiger Sportler bin und nicht das Talent habe, ein ganz Großer zu werden. So hatte ich mir überlegt, dass ich parallel noch boxen will. Ich hatte Kämpfe von Mike Tyson gesehen, und das hat mich motiviert. Anfangs bin ich in der Woche ein- bis zweimal nach dem Radfahren zum Training gegangen. Zu einem ganz kleinen Verein in Bamberg mit ganz wenigen Mitgliedern. Der hieß ETSV 1930 Bamberg. Da habe ich dann regelmäßig trainiert, und irgendwann fiel auf, dass ich zum Boxen Talent habe. Nach nur zwei Jahren Boxtraining bin ich 1997 Internationaler Deutscher Meister im Mittelgewicht geworden. Das hat mich bestätigt, mich auf das Boxen zu konzentrieren.

tip Fahren Sie noch Rad?
Abraham Ich fahre in der Freizeit noch viel Rad, manchmal auch zum Training. Mit meinem Rennrad.

tip Ist das auch ein Teil ihres Boxtrainings, also quasi Konditions­training?
Abraham Würde ich eher nicht sagen. Wenn ich richtig ambitioniert Rennrad fahren würde, dann würden die Beine zu muskulös und zu dick. Dann kann ich mich im Ring nicht mehr schnell genug bewegen. Radfahren ist zwar gut für die Power, aber ein Boxer braucht auch Schnelligkeit.

tip Boxen gilt als ein Sport, mit dem gefährdete Einwanderer­jugendliche von der Straße auf den rechten Weg gebracht werden können. Warum?

 

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