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Das Moderatorenpaar Stefan Rupp und Christoph Azone im Gespräch

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Herr Rupp, Herr Azone, Sie moderieren jetzt seit genau 20 Jahren als Morgenpaar. Schon mal darüber nachgedacht, einen gemeinsamen Namen anzunehmen?

CHRISTOPH AZONE Haben wir doch schon. Rupp und Azone.
STEFAN RUPP In einem durchgeschrieben: Ruppundazone.

Wann stehen Sie morgens auf?
AZONE
Um vier.
RUPP Viertel vor vier.

Wie oft verschlafen?
RUPP
In den 20 Jahren vielleicht zwei Mal.
AZONE Ich vielleicht zehn Mal. Was immer noch gut ist. Finde ich.

Schon mal verkatert moderiert?
RUPP
Ja …
AZONE Aber lange her. (Grinst Rupp an.) Bei dir nicht, ne?
RUPP Moderation mit einer Flasche Wein am Abend davor intus ist schlecht. Aber eine halbe Flasche guter Rotwein, wenn es dann keinen Kater gibt, das kommt schon mal vor.

Kann man sagen, bei welchem Sender das war, oder wird es jetzt arbeitsrechtlich heikel? Sie haben ja bei KISS FM angefangen, waren dann bei Energy, ehe Sie 2000 zu Radioeins kamen.
RUPP
So verkatert, dass man sich während der Musik hinlegen musste, weil man einfach stehend k. o. war von der Nacht, das gab es noch bei KISS FM. Aber bei Radioeins gehört das nicht zum Standardprogramm.

Während der Sendung: Tee oder Kaffee?
RUPP
Buttermilch.
AZONE Kaffee und Buttermilch.

Buttermilch?
RUPP
Ja. Liegt schwer im Magen und erspart einem das Essen für die vier Stunden.
AZONE War aber ursprünglich – und damit sind wir bei der vorigen Frage – gedacht als probates Mittel gegen Kater.

Herr Rupp, stimmt die Geschichte, dass Sie 1993 plötzlich Programmchef von KISS FM wurden, weil der Geschäftsführer nach Betrugsvorwürfen gehen musste?
RUPP
Ja. Ich war aber sowieso schon Redaktionsleiter. Das war auch nach diesem Rauswurf so. Und blieb es, erstaunlicherweise.

Herr Azone, Sie fingen dort als Praktikant von Stefan Rupp an. Wie war der Herr Rupp denn so als Chef?
AZONE
Am ersten Tag doof. Danach war es okay. Und dann auf Augenhöhe.

Was heißt doof?
AZONE
Stefan war im Urlaub, als ich angefangen habe. Ich kannte ihn noch gar nicht, stand am Fax. Dann kam er rein, führte sich als Chef auf, der er ja auch war, nahm mein Fax raus, legte seins rein. Da dachte ich: Das ist ja ein Arschloch.

Wie kamen Sie gemeinsam vors Mikro?
AZONE
Stefan hat mir während einer seiner Samstagmorgensendungen gezeigt, wie man die Technik fährt. Dabei haben wir ein wenig on air geplänkelt, was nett war. Sogar ein bisschen lustig. Ich hab noch das Band: heute eigentlich kaum noch anzuhören. Aber herrlich, wie fröhlich wir waren damals. So ein schönes Abenteuer: Radio machen! Ui!

Wer hat heute im Studio das Sagen?
AZONE
Ausgewogen. Wir ticken gleich.
RUPP Und wir verlassen uns auf die Zweifel des anderen. Wenn der eine sagt: „Hm, das funktioniert so nicht“, vertrauen wir dem.

Die beste Eigenschaft des jeweils anderen?
AZONE
Integrität.
RUPP Genau. Ich kann mich auf Christoph in allen Lebenslagen, zu jeder Uhrzeit, hundertprozentig verlassen.

Und die größte Marotte?
AZONE
Stefan wiegt sich im Studio. Von links nach rechts, immer von einem Fuß auf den anderen.
RUPP Und Christoph malt Kästchen. Wie andere Büroklammern verbiegen. Kästchen mit ganz vielen Strichen drin.
AZONE Aber du malst ja häufiger Pfeile, die nach außen explodieren. Vielleicht gleichen wir damit so was aus, dass ich, der Unordentliche, der Wirrkopf, versuche, so eine gewisse Ordnung reinzubringen, und du, der eher Introvertierte, versuchst so …
RUPP Ich versuche den Ausbruch, genau.

Da sind wir ja schon mitten in der Paarberatung. Ihr Rat für Langzeitbeziehungen?
AZONE
Nicht auf Sex bestehen (lacht).

Apropos: Sind Ihre jeweiligen Partnerinnen eifersüchtig auf Ihre Radioehe?
AZONE
Kein bisschen.
RUPP Sie haben uns ja so kennengelernt.

Echt wahr, dass Sie beide sogar gemeinsam Urlaub machen?
AZONE
Nicht grundsätzlich. Aber wenn es sich so ergibt, ja.
RUPP Christoph hatte ja 2009 die Idee mit Peking. Da habe ich gesagt: Geile Sache, ich bin dann auch da. Dann haben wir uns am 16. Juni 2009 um zwölf Uhr auf dem Platz des Himmlischen Friedens verabredet.
AZONE Für Dienstag, 12 Uhr.
RUPP Wir sind nämlich aus unterschiedlichen Richtungen angereist. Christoph war vorher in der Mongolei, ich bin direkt aus Berlin nach Peking geflogen.

StefanRupp_ChristophAzone

Sie beide gemeinsam im Auto: Wer darf die Musik bestimmen?
AZONE
Der, der fährt.
Also entweder Schlager oder Jazz?
RUPP Na ja, ich lege zwar Schlager auf …
… seit 1996 bei der Schlagerparty „Stimmen in Aspik“ in der Hafenbar …
RUPP Aber es ist nicht so, dass ich mir auf der Rückfahrt vom Sender Helene Fischer reinlege. Da höre ich quer durch die Radiolandschaft das aktuelle Musikprogramm.
AZONE Ich höre nicht nur Jazz, sondern auch Helmet oder Rachmaninow. Das geht alles.
Herr Rupp, kommt es vor, dass Sie morgens von fünf bis zehn Uhr Radiodienst haben und abends in der Hafenbar auflegen?
RUPP Ja. Gelegentlich.

Wie hält man das durch?
RUPP
Da schläft man mittags vier Stunden und steht abends um 21 Uhr vor den Plattentellern. Man macht dann aber die Nacht nicht durch, sondern überlässt ab halb zwei dem anderen Disc-Jockey das bittere Ende.
AZONE Um halb zwei schon Feierabend? Das kann man doch auch ohne vier Stunden Vorschlaf hinkriegen. Weichei!

Tickt bei Morgenmoderatoren der Biorhythmus anders als bei anderen Leute?
RUPP
Ich glaube, dass es bei uns mittlerweile eine innere Taktung gibt. Selbst in der moderationsfreien Woche werde ich um zwei Uhr müde. Wenn es sich einrichten lässt, mache ich dann Mittagsschlaf. Mittagsschlaf gehört mit zur Lebensqualität.

Warum funktionieren Moderatorenpaare besonders am Morgen offenbar besser, als wenn ein Einzelner am Mikro sitzt?
AZONE
Da sitzt dann nicht der Onkel Otto und erzählt dem Hörer irgendwas, sondern da unterhalten sich zwei. Der Vorteil ist auch, dass man Sachen mitbekommt, während man dem anderen zuhört, die der, der gerade spricht, möglicherweise überhört. Das kann in einem Interview sein, wo dir auffällt: Ach, da hat gerade der Inter­viewpartner einen Fehler gemacht. Wir gucken mal, ob wir den in die Ecke drängen können.

2000 sind Sie von Energy zu Radioeins gewechselt: vom „Dudelfunk“ zum seriösen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. War das ein Problem für Sie oder andere?
AZONE
Sowohl als auch. Wir waren bereit Sachen zu machen, die wir noch nie vorher gemacht haben. Dadurch bist du Anfänger und kannst gewissen Ansprüchen erst einmal nicht genügen. Wir haben also mal wieder, wie eigentlich unser ganzes Leben, beim Machen gelernt.
RUPP Wir mussten uns an Radioeins gewöhnen, aber Radioeins musste sich auch an uns gewöhnen.

Keine Angst vor böser Hörerpost?
RUPP
Du trittst ja immer mal Hörern auf die Füße. Wenn du in deiner Fußballkolumne am Montag Energie Cottbus nicht drin hast, kriegst du zwei Mails von Cottbus-Fans: „Ihr habt schon wieder nicht über Cottbus geredet! Schon letzte Woche nicht!!!“ Und wenn du mal eine Bemerkung zu Hertha machst, zum Beispiel zum schlechten Saisonstart, kriegst du fünf E-Mails von erbosten Fans.
AZONE So sehr man sich bemüht, wird man gerade im Radio niemals Vollständigkeit erreichen. Dadurch entsteht dann oft auch so ein Dünnbrettbohrer-Eindruck, weil man  eben nicht so in die Tiefe gehen kann, wie man es gerne selber wollte.

Sinnvoll, im Berliner Radio kundzutun, dass Sie Fans von Bayern München beziehungsweise VfB Stuttgart sind?
RUPP
Ich meine, 90 Prozent der Berliner sind zugezogen. Klar, dass die nicht alle Hertha-Fans sind.
Wie oft versuchen Sie, der Redaktion morgens „Sommer in Berlin“ unterzujubeln?
AZONE Einmal im Jahr.
RUPP Wenn es richtig heiß ist. Dann fragen wir aber auch keinen. Wir spielen es einfach.

Mit dem Song hatten Sie 1996 gemeinsam als Nepper, Schlepper, schlechte Rapper einen kleinen Sommerhit. War der Sommer 1996 nicht eher kühl?
AZONE Ja, war Mist. Mist für’s Geschäft.
RUPP Wir hatten den ja in einem ganz tollen Sommer geschrieben, 1995. Er ist aber erst ’96 im Sommer rausgekommen. Da haben wir leider auf’s falsche Pferd gesetzt.

Funkmaster Confetti und Mallorca Joe. So nannten Sie sich damals. Heute noch stolz auf die Namen?
RUPP
Ja! Das war ein richtig schönes, wildes Radio Anfang der Neunzigerjahre.
AZONE Die Namen sind auch super. Das war, als White Trash noch nicht so üblich war. Wir waren damit richtig Avantgarde. Mein Name Mallorca Joe zum Beispiel: Da hatte  man so viel vor Augen. Mir war doch egal, ob das der Realität entsprach. Einfach eine wilde, wüste Party-Assoziation. Meinetwegen mit Schnauzbart. Mir doch egal!

Weil wir gerade bei früher sind: Bei KISS FM hat die Belegschaft mal sogar den Geschäftsführer ausgesperrt. Muss sich Ihr Chef Robert Skuppin jetzt Sorgen machen?
RUPP
Radioeins kann man nicht wirklich mit dem damaligen Hinterhofsender vergleichen. Damals ist uns jemand von außen vor die Nase gesetzt worden, der überhaupt kein Gefühl für den Sender hatte.
Er wollte auch einen Sextalk einführen …
AZONE Und sein erster Satz war: „Schluss mit dem Geduze. Ab jetzt wird gesiezt.“
RUPP Wir waren junge Hunde, die, wenn sie angepinkelt wurden, zurückgekläfft haben.

Vermissen Sie manchmal diese wilden Zeiten Anfang der Neunziger? Damals, als in Berlin noch viel mehr möglich war, während sich jetzt alles ein bisschen setzt.
AZONE
Ja, ich vermisse es schon manchmal. Das Unsortierte hat mir schon sehr behagt, das Wir-können-alles-machen und Wir-machen-jetzt-auch-alles. Auf der anderen Seite hat es ja auch so viel Energie gefressen. Ich weiß gar nicht, ob ich die heute noch hätte, um in so einem wild bewegten Meer überhaupt zu überleben.

Herr Rupp, was ist, wenn der Herr Azone nächste Woche plötzlich mit einem anderen Moderator gehen will?
RUPP
Ich glaube nicht, dass er das machen würde … Aber wir sind natürlich ein bisschen aneinandergekoppelt. Das ist so ähnlich wie mit Dean Martin und Jerry Lewis.

Wer ist wer?
RUPP
Ich bin Dean Martin und Christoph ist Jerry Lewis. Die waren auch nur gemeinsam richtig stark.
AZONE Ich bin Dick und er ist Doof.

Angst vor dem Tag, an dem Sie Robert Skuppin ins Büro bittet und sagt: „Macht mal die Tür zu, ich muss euch was mitteilen.“
RUPP
Nein. Angst lähmt nur. Klar heißt es vielleicht irgendwann: „Okay, jetzt wird zu Antenne Brandenburg gewechselt.“ (lacht)Aber darum mache ich mir jetzt doch noch keine Gedanken.

Den Jahrestag feiern Sie am 18. Mai in der Kalkscheune. Wie groß ist die Chance, dass dann „Sommer in Berlin“ erklingt?
AZONE
Nahe dreistellig, würde ich sage.

Interview: Erik Heier
Fotos: Harry Schnitger

Die schöne Party: 20 Jahre Rupp & AZONE
Kalkscheune, Sa 18.5., 21 Uhr

Die Muntermacher
Im Mai 1993 saßen der gebürtige Düsseldorfer Stefan Rupp (Jahrgang 1968) und der gebürtige Karlsruher Christoph Gieser (Jahrgang 1967), der später den angeheirateten Namen Azone annahm, erstmals in einem Neuköllner Hinterhof beim damaligen Black-Music-Radiosender KISS FM gemeinsam am morgendlichen Mikro. Seit 2000 moderieren sie „Der Schöne Morgen“ auf Radioeins. Ihr 20. Jubiläum feiern sie gleich mehrfach: am 12. Mai, 14 bis 16 Uhr in der „Hörbar Rust“ auf Radioeins und am 18. Mai bei der „Schönen Party“ in der Kalkscheune, ehe sie am 1. Juni mal nicht einer Meinung sein müssen. Dann treffen ihre Lieblingsmannschaften im DFB-Pokalfinale aufeinander: Rupps Bayern gegen Azones VfB Stuttgart.

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