• Stadtleben
  • Interview mit der Kreuzberger Grünen-Abgeordneten Heidi Kosche

Stadtleben

Interview mit der Kreuzberger Grünen-Abgeordneten Heidi Kosche

Heidi_Kosche
tip: Frau Kosche, ist der Herr Wieland eigentlich  schon schreiend davongerannt?
Heidi Kosche: Nein, Wolfgang Wieland ist gern hier. Er ist der Meinung, wir haben jetzt alle Probleme geklärt.

tip: Der Ex-Senator sollte im Streit zwischen Realos und linkem Flügel, dem Sie angehören, vermitteln. Bei der Wahl zum Frak­tionsvorsitz ist der Wortführer der Linken, Dirk Behrendt, gegen den Realo Volker Ratzmann gescheitert. Seitdem kracht es.
Kosche: Dirk Behrendt hatte im ersten Wahlgang genauso viele Stimmen wie Herr Ratzmann. Im zweiten Wahlgang ist dieser mit einer Stimme mehr gewählt worden. Daraufhin haben wir gesagt: Wir als Parteilinke fühlen uns von diesem Vorstand nicht vertreten.

tip: Akzeptiert der linke Flügel keine demokratischen Mehrheiten?
Kosche: Doch. Wir sagen nicht, dass das undemokratisch war. Aber wir haben 41 Prozent in der Fraktion. Und wir möchten wieder so in Partei und Fraktion zusammenarbeiten, Realos und Linke, wie das früher war: dass wir respektvoll miteinander umgehen, Unterschiede ausdiskutieren, aber alle Leitungspositionen gemeinsam besetzen, wie es auch in anderen Landesverbänden oder der Bundestagsfraktion ist.

tip: Weshalb funktioniert der respektvolle Umgang besonders zwischen Ratzmann und Behrendt so gar nicht?
Kosche: Warum die beiden so große Kommunikationsschwierigkeiten haben, verstehe ich auch nicht. Es sind beides Juristen, also vom Kern her Menschen, die „Recht haben“ studiert haben. Das ist dann auch in ihrer  Auseinandersetzung so. Warum aber die Linke auch schon in der vergangenen Fraktion nicht respektiert und einbezogen wurde, begreife ich nie.

tip: Sie waren eine von insgesamt vier Kandidaten des linken Flügels, die neben der gewählten Realo-Vertreterin Ramona Pop für den zweiten Fraktionsvorsitz oder als Vertreter angetreten sind. Haben Sie sich, nachdem Behrendt gescheitert war, als eine Art Kompromissangebot gesehen?
Kosche: Nein. Ich wollte aber den Vorwurf nicht stehen lassen, dass die Linke kein Personal hat. Und ich finde, dass ich eine gute Vorsitzende gewesen wäre, auch für die internen Prozesse, weil ich eine hohe Sozialkompetenz habe. Ich hätte mich da voll eingesetzt.

tip: Sie haben nicht eine Realo-Stimme bekommen.
Kosche: Richtig. Es gab von den Realos nicht mal eine Frage an mich. Sie werfen mir ja nichts vor, inhaltlich. Ich glaube, der einzige Vorwurf ist, dass ich seit 18 Jahren mit Dirk Behrendt befreundet bin und wir erfolgreiche, linke Politik machen – was man an unseren Wahlkreisergebnissen sieht.

tip: Ratzmann ist dann selbst zurückgetreten und sprach anschließend dem linken Parteiflügel die Politikfähigkeit ab.
Kosche: Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge.

tip: Stellen wir uns mal kurz vor, die rot-grüne Koalition wäre nicht an der A 100 gescheitert. Würden die Grünen in der Regierung jetzt auch dieses verheerende Bild abgeben?
Kosche: Wir hätten wahrscheinlich sehr viel sanfter nach innen diskutiert, weil wir einen Wust an Arbeit gehabt hätten. Der hätte uns dazu gezwungen, diese Diskussionen etwas langfristiger zu führen. Wir sind jetzt dabei, die Sachen Ende Januar auf einem Landesparteitag intensiv zu diskutieren. Deswegen explodiert jetzt alles thematisch nach innen.

| 1 | 2 | vorwärts

Mehr über Cookies erfahren