• Stadtleben
  • Interview mit Kirsten Niehuus über den Frauenanteil im Medienboard

Stadtleben

Interview mit Kirsten Niehuus über den Frauenanteil im Medienboard

Kirsten-NiehuusFrau Niehuus, die Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg fällt durch einen besonders hohen Frauenanteil von 83 Prozent auf.
Unser Bestreben ist nicht, speziell Frauenkarrieren zu fördern. Von daher sind wir ein ganz normales Unternehmen. Im Vergleich mit der allgemeinen Unternehmenslandschaft sind wir aber mit unserer hohen Frauenquote sicher untypisch. Natürlich nicht im Vergleich zu Schlecker, die haben noch viel mehr Frauen. Aber uns gibt’s ja noch.

Ist ein hoher Frauenanteil typisch für die Medienbranche?
Schon in den klassischen Studiengängen wie Theater- oder Literaturwissenschaft findet man viel mehr Frauen als Männer. Das schlägt sich natürlich in der Berufswahl nieder. Dadurch sind bei vielen Unternehmen in dieser Branche im Mitarbeiterstab auch mehr Frauen als Männer beschäftigt. In den Chefetagen sitzen jedoch nach wie vor eher Männer. Produzentinnen sind zwar in den letzten Jahren deutlich mehr geworden, aber immer noch in der Minderzahl.

In Ihrem Unternehmen sind auch viele Frauen in Leitungspositionen. Haben Sie da als Geschäftsführerin eine Vorbildrolle? Wir haben so viele Frauen in Führungspositionen, weil wir so viele qualifizierte Frauen in unserem Unternehmen haben. Und das ist vielleicht unsere Vorbildfunktion, dass wir nicht gesagt haben: Wir brauchen jetzt für die Abteilungsleitung noch einen Mann.

Wie stehen Sie denn zum Spitznamen „Mädchenboard“?
Ach, den haben wir, glaub ich, selbst geprägt. Wir waren beim Medienboard bis 2010 zwei Geschäftsführerinnen. Vielleicht hat das tatsächlich noch einmal zu einem anderen Verständnis im Unternehmen bezüglich der Führungsrolle von Frauen geführt. Generell haben wir den Beinamen „Mädchenboard“ immer ziemlich heiter genommen.

Quote_medienboardWas halten Sie denn von einer Frauenquote?
Ich finde, das ist ein schwieriges Thema. Quote hat natürlich immer den anrüchigen Beigeschmack, dass Leute, in diesem Fall eben Frauen, die für ihren Job nicht qualifiziert sind, qua Quote ins Amt kommen. Wichtiger als eine Quote wäre es, die Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, z.B. dadurch, dass genügend Kita-Plätze geschaffen werden. Ich denke, wenn die Betreuungslage verbessert wird, kann man sich eine Frauenquote fast sparen, denn die größten Hindernisse sind oft noch praktischer Natur: zum Beispiel, ob man sich die Unterbringung des Kindes leisten kann.   

Interview: Teresa Geisler
Foto: Christian Schulz

Mehr:

BERLIN – STADT DER FRAU

Mehr über Cookies erfahren