• Stadtleben
  • Interview mit Tom Michelberger zum Michelbergerhotel

Stadtleben

Interview mit Tom Michelberger zum Michelbergerhotel

Tom_Michelbergertip Die Konkurrenz auf dem Hotelmarkt ist gerade in Berlin besonders groß. Warum sind Sie das Wagnis eingegangen, ausgerechnet hier ein Hotel zu eröffnen?
Tom Michelberger Natürlich ist das ein Risiko, das man eingeht. Aber hauptsächlich ist es ein moralisches Risiko. Man hat eine Idee, die man leidenschaftlich vertritt, man sucht ein Haus, dann die Geldgeber. Und den Investoren fühlen wir uns entsprechend auch persönlich verpflichtet – wir wollen sie nicht enttäuschen. Wenn ich Geld hätte, dann würde ich es in genau so ein Projekt investieren. Viel Herz, greifbare Idee, ehrlich. Ein sehr geringes Risiko also.

tip Wie kamen Sie denn auf die Hotelidee?
Michelberger 2003/2004 habe ich im Prenzlauer Berg gewohnt, und da war noch jedes zweite Haus unsaniert. Es war naheliegend, die romantische Vorstellung mit Freunden zu teilen, hier mal ein Haus zu besetzen – jeder macht sein Ding, und dann gibt es aber auch Symbiosen. Und dann hat einer in einem Gespräch eingeworfen: „Warum nicht ein Hotel machen?“ Und das hat für mich plötzlich ganz viel zusammengebracht. Und da ich nicht so ein Einzelgängerunternehmer bin, kam es mir sehr entge­gen, das Projekt hier mit Freunden zu verwirklichen. Damals gab es auch noch nicht so viele neue Hotelprojekte wie jetzt. Da hat sich in den letzten drei, vier Jahren extrem viel getan. Und je klarer die Ideen wurden, desto klarer wurde uns, wir müssen das machen. Und so ging es los mit naiven vierseitigen Businessplänen, mit denen wir zu Banken gelaufen sind. Ich wundere mich heute noch, dass die uns nicht rausgeworfen haben.

Michelbergerhoteltip Haben Sie reiche Eltern, oder wie sind Sie an das nötige Geld herangekommen?
Michelberger Wir sind von Bank zu Bank gegangen, haben die Kontakte unserer Eltern genutzt, um an Investoren heranzukommen – ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Und es ist ja tatsächlich ganz viel Geld vorhanden. Manche kaufen sich Containeranteile, andere kaufen sich in Windparks ein. Ich habe von Anfang an fest daran geglaubt, dass wir das Geld irgendwie kriegen werden. Und so war es dann auch. Wir hatten natürlich nie genug Geld – und dann wurde es auch teurer als geplant. Und so hatten wir ursprünglich die hinteren 30 Zimmer (von insgesamt 119, Anm. d. Red.) gar nicht geplant. Denn 30 Zimmer bedeuten auch 30 Fenster, 30 Toilettenschüsseln, 30 Betten.

tip Worin unterscheidet sich das Michelberger von anderen Hotels?
Michelberger Die Zimmer haben einen gewissen Grad an Innovation. Mein größter Job war es, dieses Hotel zu initiieren, damit kreative Leute herkommen und sich mit ihren Ideen hier einbringen können. Viele andere Hotels haben einen Designer, und das wird dann umgesetzt, hier ist es eher eine Motivation von vielen. Ob Grafiker, Tischler, Barbetrieb – und das merkt man an allen Ecken, dass das hier ein kreativer Prozess war und ist. Wir planen immer noch. Das hat natürlich auch auf der Baustelle für einige Auseinandersetzungen gesorgt. Aber dieses Unmittelbare macht es eben auch so speziell. Es ist so gebaut, wie man sein eigenes Einfamilienhaus bauen würde. Und das Schöne ist, dass die ersten Gäs­te das genauso beschreiben. Das Hotel ist eigentlich erst in der Bauphase entstanden.

tip Bei den Zimmern hat Ihnen der Berliner Stardesigner Werner Aisslinger geholfen. Wie kam er zum Projekt?
Michelberger Wir hatten einen Architekten, der hat schon für meinen Großvater viel umgesetzt, aber wir brauchten noch jemanden, der auch konzeptionell verstand, was hier entstehen sollte. Die Zimmerkonzeptionen waren schon ziemlich klar. Ich kannte Werner Aisslinger vorher nicht, bin übers Internet auf ihn gestoßen. Und dann haben wir uns im Schwarzsauer getroffen. Ich kannte bis dahin nicht einen Stuhl von ihm, aber es war von der ersten Minute an klar, dass wir das zusammen machen müssen, in Ergänzung zum Architekten. Sein Team ist jetzt auch fester Bestandteil vom Hotelteam.

Michelbergerhoteltip Der Keller ist schon vor der Eröffnung für Partys genutzt worden. War das eine Zwischenlösung, oder wird es einen Club geben?
Michelberger Als wir noch keine Baugenehmigung hatten, haben wir schon mal mit Freunden angefangen, die Teppiche rauszureißen, und dann saßen wir abends im Innenhof und haben gegrillt, und dann fiel uns ein, während der Bauphase was im Keller zu machen – und zwei Wochen später haben wir eine Anlage dort aufgebaut. Das hat dazu beigetragen, dass der Ort hier bekannt wurde. Aber im Mai haben wir dann unten zugemacht. Vor Kurzem haben wir angefangen, unsere Bühne hier im Hin­terhof für Konzerte zu nutzen. Das soll nächsten Sommer an ein paar Wochen­enden so weitergehen – man kann dann von den Zimmern aus auf die Bühne kucken. Die Hotelgäste kommen dann natürlich gerade wegen der Konzerte. Irgendwann werden wir im Keller eine kleine Sauna reinbauen. 

1 | 2 | weiter

zur HOTEL-BILDERGALERIE

Mehr über Cookies erfahren