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Interview mit Veranstalter Marcus Steinweg

Marcus_SteinwegDie Bücher von Richard David Precht sind Bestseller. Seit Kurzem erscheinen außerdem das „Philosophie Magazine“ und die Zeitschrift „Hohe Luft“: Woher rührt das neue Interesse an den Fragen nach der Existenz oder des Lebenssinns?
MARCUS STEINWEG Die Philosophie hat nie an Aktualität verloren. Es gibt niemanden, den Fragen nach Sinn, Wahrheit, Freiheit, Liebe oder Gerechtigkeit nicht betreffen.

Ihre neue Philosophie-Veranstaltungsreihe heißt „Überstürztes Denken“. Was meinen Sie damit?
„Überstürzt“ bedeutet, etwas Neues zu wagen. Philosophie gibt es nur als Überstürzung, das heißt, als Erfahrung elementarer Orientierungslosigkeit. Sich in der Orientierungslosigkeit – das heißt in der Wirklichkeit – zu orientieren, wäre eine erste Definition von Philosophie. Zum Denken gehört immer auch die Blindheit, man sieht nicht, wohin es einen führt. Die Philosophie ist in diesem Sinne eher eine Erfahrung als eine Wissensprozedur.

Bei Ihrer nächsten Veranstaltung ist Felix Ensslin, der Sohn von Gudrun Ensslin, eingeladen. Was hat er uns zu sagen? Felix Ensslin lade ich nicht als Sohn seiner Mutter, sondern als Philosophen ein, der zugleich Kurator und Dramaturg ist. Sein Vortrag heißt „Immer zu früh, immer zu spät: Zur Unzeit des richtigen Zeitpunkts“. Bleibt abzuwarten, worum genau es gehen wird.
Sie reden von „Konsistenz“ oder „Riss im Zeitkontinuum“: Wie viel philosophische Vorkenntnisse muss der Besucher Ihrer Veranstaltungsreihe mitbringen? Keine. Immanuel Kant hat die Metaphysik sogar als „Naturanlage“ bezeichnet. Der Mensch ist demnach ein philosophisches Tier. Er kann nicht anders, als zu philosophieren. Zumindest lassen ihn die philosophischen Fragen nicht unberührt. Im eigenen Vortrag auf andere Philosophen zu verweisen, bedeutet, dass man im permanenten Gespräch mit der Geschichte der Philosophie ist.

Interview: Alina Blesing

Überstürztes Denken
Volksbühne, Roter Salon, Linienstr. 227, jeden 2. Di im Monat, nächster Termin: 10.1., 20 Uhr

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