Stadtleben

Interview zu den Kürzungen bei der BVG

JensWieseke-IGEB-stvVorsitzenderHerr Wieseke, wird es demnächst in den Berliner Bussen und Bahnen voller?   
Jens Wieseke Auf jeden Fall. Denn wenn die BVG tatsächlich Linien streicht, werden die übrigen Fahrzeuge natürlich voller. Und man wird länger warten müssen.

Die BVG hat aber Medienberichte über Linienstreichungen in den Außenbezirken zurückgewiesen. Die Vorstandsvorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta war vorher so interpretiert worden. Was stimmt denn nun?
Frau Nikutta sagt das eine, wir sagen was anderes. Es geht nicht mehr nur um den Außenbereich. Wir wissen inzwischen, dass in der gesamten Stadt gekürzt werden soll. Das ist der himmelweite Unterschied. Und das merken die Leute in Charlottenburg genauso wie in Wendenschloß.

Wo sehen Sie den Grund dafür?  
Es gibt eine Finanzierungsunterdeckung bei der BVG von 44 Millionen Euro. Dafür ist aber der Finanzsenator (Ulrich Nußbaum – Anm. d. Red.) verantwortlich, der sich seit Jahren davor drückt, die entsprechenden Verträge zu unterschreiben. Die Unterdeckung muss schleunigst aufgehoben werden.

Laut BVG wären ihre Sitz- und Stehplätze 2011 nur zu 17,2 Prozent ausgelastet gewesen. Das klingt wirklich nicht so toll.  
Wenn ein Fahrzeug zu 20 Prozent belegt ist, dann ist darin fast schon jeder Sitzplatz besetzt. Im Übrigen sollte die BVG wesentlich daran arbeiten, die richtigen Fahrzeuge zur richtigen Zeit einzusetzen.

Frau Nikutta hält die eher geringe Auslastung auch ökologisch für problematisch.   
Ökologie ist ein vorgeschobenes Argument, wenn morgens der Pfleger nicht mehr ins Krankenhaus kommt, weil sein Bus wegfällt. Dann muss er ja mit dem Auto fahren.

Dafür sollen auf Strecken mit großer Nachfrage mehr Fahrzeuge eingesetzt werden. Stimmt Sie diese Ankündigung der BVG-Chefin ein bisschen versöhnlicher?
Mehr Busse beispielsweise sind ja an manchen Stellen gar nicht mehr machbar. Wenn ich mir zum Beispiel die Potsdamer Straße angucke: Da stehen ja jetzt schon die Busse im Stau.            

Zuletzt galt ja eher die S-Bahn als Berlins Hauptverkehrsproblem. Was halten Sie von der jetzt erfolgten Teilausschreibung des Netzes?
Die Ausschreibung ist das eine. Aber das Kernproblem ist ein völlig anderes. Wir kriegen bis 2018 gar nicht mehr die notwendigen neuen Fahrzeuge. Egal, wer ab dann ein Drittel des S-Bahn-Netzes betreibt: Er muss es mit Fahrzeugen tun, die eigentlich längst in den Hochofen gehört hätten.    

Interview: rik

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