Kolumne

Jackie A. entdeckt… Dominoeffekt

Nachdem ich mich auf der Betriebsweihnachtsfeier bis ans Lebensende blamierte, mit meinem Mann von Weihnachten bis Silvester durchgestritten habe, um anschließend wiedervereint und mit Kopf über der WC-Schüssel ins neue Jahr zu starten (Magen-Darm-Grippe), wird jetzt alles gut. Ja, wirklich!

Kolumne Jackie A. tip 02/2017

Denn ab sofort konzentriere ich mich ausschließlich auf positive Dinge. Mein Ziel ist es, einen umfassenden Dominoeffekt anzustoßen, bei dem pro umgefallenem Dominostein eine Person mit Optimismus erschlagen wird. Sobald die Region Berlin-Brandenburg unter endlosen Dominosteinschlangen des Glücks verschütt liegt und sich schwere Aschewolken des Frohsinns erheben, werden Krankenwagen durch die Straßen rollen, um tausende Optimisten am Champagner-Tropf und mit aufmunterndem Augenblinzeln erstzuversorgen. Mit Martinshorn und 120 Kilometern pro Stunde werden sie an ihre Sehnsuchtsorte gebracht, zur Ausstellung „Romantik und Moderne“ ins Kulturforum, zum Steuerberater, ins Café Ora oder zu den Mexikowochen bei McDonald’s. Auch weil die Transporter sonst nicht ausgelastet wären, da im Vorjahr das Drama-Kontingent ja so dermaßen überzogen wurde, dass für 2017 nichts mehr blieb. Dieses Jahr müssen wir in Sachen Kummer den Gürtel eng schnallen! – zumindest, wenn der Dominoeffekt greift. Dann bringen nur noch positive Nachrichten Aufregung, wie die elfenhaft reinen Facebook-Timelines, nachdem Fake-News-Stationen und hass­speiende Social-Bots infolge heftigstem Herzchen-Emoticon-Beschuss zusammenbrachen. Alternativ hilft eine Google-Suche zu den Stichworten: „3-Zimmer-Wohnung + 500 Euro w + Berlin“  (62. 000 Treffer!), oder ein Blick in Orthopädiepraxen in Prenzlauer Berg, wo Patienten minütlich die Schockheilung ereilt, weil ihnen ein Termin in 62 Stunden statt wie üblich in drei Monaten angeboten wird. Die Welle der Positivität baut sich ungebremst weiter auf, bis über die Grenzen nach Amerika, wo sie sich furchteinflößend, mit schrecklichem Getöse, an den Mauern des Trump-Towers entlädt. Dies wird dann sehr weit oben, in einem unbescheiden eingerichteten Büro fälschlicherweise als erster, authentischer Beweis der Klimaerwärmung gedeutet. Ein Rückzug des nachhaltig verstörten US-Präsidenten aus dem Politikgeschäft zugunsten einer Unternehmensgründung mit dem frisch aus der Nervenheilanstalt entlassenen Musiker Kanye West wäre denkbar und eine Investition in blanken Optimismus sowie tonnenweise Dominosteine für euch und mich nicht die schlechteste Anlage.

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