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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Feierlaune im Lafayette

Bei der Shopping-Night „Die goldenen  Zwanziger“ in den Galeries Lafayette ist dieser voluminöse nackte Hintern nicht unbedingt das Allererste, was ich erwartet habe – aber nun, wo er schon mal zwischen Federfächern und Lametta hervorlugt, find ich’s auch konsequent.

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Die Burlesque-Tänzerin kann ja was, obwohl es Besucher auch anders sehen: „Komm, lass uns gehen, Irene. Die ist ja tätowiert!“ Man kann es nicht jedem recht machen! Mir heute schon und deshalb finde ich es korrekt, dass ich den Eingang zum Zwanziger-Jahre-Event zusammen mit 15 Touristen in Bayerischer Tracht nutze – Berlin bleibt bunt! Den stilistischen Fauxpas rücken weibliche Anwesende zurecht, indem sie ausnahmslos alle ein schwarzes Band mit Feder im Haar tragen. Und nein, ich beschwere mich nicht! Es gibt ja Wodka aus Treptow und Kakao-Pralinen für alle. Mit vollem Mund spricht man nicht, also winke ich der gähnenden Klo-Frau zu (schon wieder Überstunden) und suche nach den Programmschwerpunkten „Roulette-Tisch“ und  „DJ“ sowie einem von Bloggern (!)  gestalteten Obergeschoss. Dort komme ich nie an, weil ich noch den Po instagrammen muss  – Filter „Walden“ oder „Romantic“? Die Blogger-Highlights will ich dennoch nicht verschweigen, und mit roten Cowboystiefeln zu roter Schlaghose können sie laut Hauszeitschrift „Les Nouvelles“ nichts falsch machen – ­insbesondere, wenn sie mit lebens­langem Hausverbot im Berghain leben können. Jetzt schnappe ich mir vom Tablett den zweiten Prosecco und höre zwischen Hand­tasche (1.820 Euro) und Bluse (370,- Euro) dieser Jazz-Band zu. Im Pausenplausch mit Akteuren wird klar, dass man als Musiker/Texter/Freischaffender in Berlin ja wohl eher nie in die Verlegenheit kommt, ein paar Tausender im Lafayette zu verbraten, was mich inzwischen, nach dem dritten Glas und umgeben von Luxus, ganz schön ärgert. Und als mir ein Verkäufer einen „angenehmen Einkauf“ wünscht, bricht es aus mir heraus, dass das System ja wohl vorne und hinten nicht stimmt! Und sich Berliner weder Mieten noch Waren auf der Friedrichstraße leisten können und so weiter. Schlimm, diese Typen, die mit besoffenen Monologen ihr Umfeld nerven! Dabei bin ich doch nur hier gelandet, weil mich gestern die hochsympathische Kassiererin der Lebensmittelabteilung, eine ältere Dame mit lateinamerikanischem Akzent, einlud: „Kommen Sie, dann tanzen wir!“ Sie machte dabei so eine lustige Bewegung. Natürlich war das Quatsch, und jetzt steht sie da an der Kasse mit Feder auf dem Kopf.
Ich hätte furchtbar gern mit ihr getanzt, aber sie sieht müde aus. Sie ist das letzte Motiv, das ich abspeichere in meinem Kopf, und vermutlich wisst ihr es längst, ihr Betreiber von der Galerie Lafayette, es sind genau diese Mit­arbeiter, die eurer Haus hochleben lassen, jeden Tag, ganz ohne Glitzer und Federn.

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