Kolumne

Jackie A. entdeckt… Speckgürtel

Wer schon im Herbst Lebkuchen testet, muss im Winter länger joggen. Leider scheint der Laufsport nur in der Anonymität einer Großstadt effektiv zu sein. Und mein Dasein im Speckgürtel wird bald schon mit Übergewicht gekrönt, zumindest wenn meine Joggingversuche hier weiter so verlaufen wie bisher.

Nach 40 Metern: Post-Frau ruft: „Hallo! Könnten Sie das Paket für für Wiltrud Schmidt annehmen?“ – „Ich wollte ja gerade….Hm. Na gut, geben Sie her.“
Nach 80 Metern: Techniker steht auf einer Hebebühne an der Straßenlaterne. Plötzlicher Einfall: „Hallo? Wo Sie grad’ dabei sind, die Laterne in der Siegfried-Straße war schon letzten Winter defekt. Könnten Sie da nicht mal…“ – „Da beim Öger?“ – „Genau die.“ Schaut auf die Uhr: „In Ordnung. Gucken wir uns an.“ – „Super! Danke! Schönen Tag noch!“

Nach 190 Metern: „Ach hallo! Na, wie war die Party noch bei Justin Meier?“ – „Na witzig. Gartendeko bisschen wie im Sisyphos.“ – „Man hört da ja immer so Sachen, dass die Hells Angels da verkehren oder so…“ –„Nee, war kuschelig. Und seinen Golf hat er jetzt von Schwarz-rot-gold in Regenbogenfarben umgesprüht – ‚Wir sind doch alle bunt!‘, hat er beim Tschüss-sagen noch gerufen…“ – „Da komm ich nächstes Jahr aber mal gucken!“ – „Ja, klar. Mach das. Bis dann!“
Nach 350 Metern: Auto hupt von hinten. Die Ortsvorsteherin. „Ach Hallo!“, sage ich. „Gibt es denn schon was Neues vom Strandbad?“ – „Der Dr. Schubert (Örtlicher Zahn-Implantate-Mogul) möchte es jetzt kaufen und der Gemeinde frei zur Verfügung stellen.“ – „Wow. Das klingt ja fast zu gut, um war zu sein!“ – „Er spendet ja auch regelmäßig fürs Sommerfest.“ – „Na da bin ich ja gespannt…– bis bald!“

Nach 600 Metern: Lässig auf den Bäckerei-Tresen gelehnt: „Mann, sieht der Kirschkuchen gut aus, ist der frisch? Jetzt habe ich gar kein Geld dabei…“ Verkäuferin: „Sie können auch anschreiben lassen, wenn Sie wollen… Was ist denn jetzt aus dem Strandbad geworden?“ – „ Der Zahn-Implantate-Mogul will es kaufen und zur freien Verfügung stellen.“ – „Der kann ja viel erzählen, der macht da doch ’ne Privatpraxis auf!“ – „Kann sein… jetzt muss ich aber mal wieder! Tschüssi!“
Nach 990 Metern: Ein altes Gartentor öffnet sich quietschend, ein dünnes Stimmchen spricht : „Wollen Sie nicht reinkommen auf einen Sekt, junge Frau?“ – „Was gibt es denn zu feiern?“ – „Suchen Sie sich was aus!“ „Herbstanfang? – Na gut. Aber nur einen Kleinen!“ Zurück an der Haustür: Schlüssel noch nicht im Schloss. „Jackie! Wir haben noch Apfelkuchen übrig….!“ „Ja, einen Moment, Gisela….“ „Noch ein Käffchen dazu?“ Seufzer.

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