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Kolumne

Jackie A. entdeckt… Strandbad-Shopping

Da stand dieses Schild: „Zu verkaufen.“ Echt jetzt? Das kleine, ostige Strandbad Rahmersee? Sofort rief ich bei der Maklerin an. 375.000 Euro soll es kosten. Und weil ich die gerade mal nicht im Handtäschchen habe, aber doch gerne, wie viele andere hier aus der Gegend auch, den See bis ans Lebensende nutzen möchte, kam mir die Idee eines kollektiven Einkaufs. Warum denn nicht mal zusammenlegen?

Foto: Jackie A.

Im örtlichen „Mühlenspiegel“ schrieb ich einen Text mit der Überschrift „Komm, wir kaufen ein Strandbad“, in dem ich vorrechnete, dass bei 14.823 Gemeinde-Einwohnern der Preis bei 25,30 Euro pro Person liegt – wir sprechen hier also von einem absoluten Schnäppchentarif! Das Timing – Badesaison – war perfekt und so rannte ich offene Türen ein. Erste Gründungstreffen einer „AG Strandbad“ wurden vorgeschlagen, Brainstormings eröffnet, der Bürgermeister bekundete in der ortseigenen Facebookgruppe Wohlwollen. Die Sache nahm Fahrt auf. Leute sprachen mich auf der Straße an oder im Supermarkt. Auch schon morgens. Ich stand noch im Schlaf-T-Shirt am Rasensprenger, als jemand über den Gartenzaun rief: „Ich würde 20 Anteile nehmen!“ Ein Student bot an, kostenfrei einen Sack Flyer zu drucken. Immer mehr neue Ideen zur Strandbad-Nutzung ploppten auf. Was da alles gehen würde! Freiluftkino, Lesungen, Jugendclub, Senioren-Fitness, Ausstellungen, FKK-Spezialangebote und Yogakurse in grandioser Open Air-Kulisse statt im schnöden Mehrzweckraum des Dorfes. Bald schon fand ich mich auf der Gemeindevertreter-Sitzung wieder. Und da war richtig was los. Von wegen Politikverdrossenheit! Schon vor dem Eingang demonstrierte eine Gruppe gegen Glyphosat. Gleich daneben Jugendliche, die für den Erhalt ihres Jugendclubs protestierten. Der Saal war krachend voll und ich hatte drei Minuten, um die Idee vorzustellen. Ergebnis: viel Beifall, zugesteckte Telefonnummern und ein Interviewtermin. Als ich nach Hause kam, stand überraschend die Grundstücksmaklerin vor meiner Haustür, „not amused“ über den ganzen Rummel. Sie würde mittlerweile am Telefon beschimpft, berichtete sie, und sprach auch von einem Käufer, der bereits gefunden sei. Katerstimmung! Allerdings: Das öffentliche Interesse ist geweckt, die Naturschutzauflagen sind streng und der Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben. Wie weit werden wir kommen? Ich habe keine Ahnung! Aber aufgeben kann ja jeder.

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