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Kolumne

Jackie A. entdeckt: Twitter-Spionage und die Faszination harter Hosen

Unsere Kolumnistin Jackie A. landet zum Sommerauftakt 2020 in der Notaufnahme und entdeckt, ständig Zuhause, ein neues Hobby: dem Ehemann auf Twitter hinterher spionieren. Spoiler: Es geht ihr wieder blendend.

Kolumne Jackie A. für Juni-Ausgabe 2020 von tipBerlin und ZITTY

Entfederte Nervenkostüme und Pandemie-Veteranen

Gestern überraschend ertaubt, in der Notaufnahme gelandet, heute schon wieder mit Hacke und Kopftuch zwischen Tomatenpflanze „Franzi F1“ und Giga-Kürbis „Roter Zentner“ Unkraut vertrimmend. Willkommen im Pandemiesommer 2020!

Na, auch schon mentale Grenzerfahrungen gesammelt? Mein Gehör ist inzwischen wieder da. Das Nervenkostüm hat ein paar Federn verloren. Dabei wird sich im Nachhinein jedes noch so ungute Erlebnis für eine gute Geschichte gelohnt haben. Denn wenn wir nach der Krise noch halbwegs vernünftig beieinander sind, wovon ich ausgehe, ist jeder von uns ein Pandemieveteran.

Dann können wir bis ans Lebensende unsere Nachfahren mit ausgedehnten Storys voller heroischen Selbstdarstellungen langweilen: „Damals im Virenhagel, als ich mit verrutschtem Mundschutz über den Fliesenboden durch die Alexa Passagen robbte, die schweren Douglas-Einkäufe mühselig im Camouflage-Rucksack abtransportierend … das waren noch Zeiten!“ Bis es soweit ist, wird unserer Geduld wohl noch die Masterprüfung abverlangt: Zweite Welle, ick hör dir trapsen! Deshalb, und bevor die Stimmung kippt, rascher Themenwechsel: Lasst uns über harte Hosen sprechen!

Wenn der Ehemann über harte Hosen twittert

Dass hier Gesprächsbedarf besteht, fiel mir durch einen kryptischen Twitter-Kommentar meines Ehemanns auf. Der lautete wie folgt: „Can’t stop thinking about Hard Trousers.“ Das fand ich so merkwürdig, dass ich ihm hinterher spion…recherchierte. Der Tweet, auf den er sich bezog, stammte von einem gewissen David Mackau, und der ging übersetzt ungefähr so: „Mein Freund hat so viel Jogginghose getragen, dass er begonnen hat, normale Hosen nur noch ‚harte Hosen‘ zu nennen.“

Dieser Tweet, Hashtag #Hardtrousers, 178.000-mal geliked, traf den Nerv all jener, die seit dem beschränkungsbedingten Zuhausesein nicht mehr in der Lage sind, etwas anderes als schlabberige Cotton/Jersey-Materialien an ihren First-World-Schenkeln zu ertragen. Und auch hier bei uns ist das sackartige Textil im Dauereinsatz. Per Kickstarter werden passend dazu Sweater mit exakt auf Bildschirmgröße optimiertem Business-Hemd angeboten. Für die Zoom-Konferenz topgestylt, ein paar Zentimeter darunter easy Life!

Und als nächstes die Home Office Couture?

Erleben wir hier den Beginn der neuen Modeära „Home Office Couture“? Die gemütliche Hose als textile Zustandsbeschreibung zwischen Anti-Depressions-Gymnastik und Homeofficeprozedere 2020 – es könnte wirklich schlimmer kommen. 

Derweil provozieren die „Hard Trousers“ von Twitter hier immer noch diese raren, albernen Lacher, die wir jetzt gut gebrauchen können. Nerven verlieren kann ja jeder! „Neuer Sweater mit Business-Hemd: für die Zoom-Konferenz topgestylt, darunter easy Life“


In ihrer vorangegangenen Kolumne hat Jackie A. das Trampolin entdeckt. Alle ihre Kolumnen finden sich hier. Mit der Mode und Berlin ist das so eine Sache. Es gibt verdammt coole Modelabels, die weltweit Erfolg haben. Allerdings: Die Fashion Week hat Berlin trotzdem an Frankfurt verloren. Aber für guten Style brauchen wir eh keine Hilfe.