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Jackie A. endeckt… Die Freuden einer Patenschaft

Jackie A. entdeckt...

Es ist vorbei, ein letztes Winken mit der Selfiestange!  Der Selfieorgien überdrüssig beende ich  „Me My Self(ie) And I“.  Adieu, schöne Selbstdarstellung! Tschüssi, ungelenk verdrehte Auftritte vor den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt! Wir hatten ein schönes Jahr aber jetzt reicht’s auch mal. Wie oft scheiterte ich in den wirklich spannenden Momenten an der Tastensperre meines Handys oder dem fehlenden Ladekabel? Damit ist jetzt Schluss! Freuen sie sich auf technikunabhängige Entdeckungen und zeitlose Erkenntnisse aus Berlin und Brandenburg oder wie hier in Folge 1,  ein nacktes Gesäß, das aus künstlerischen Gründen bemalt werden möchte.

Die Patenschaft

Meine Bekannten wurden zuletzt Paten von pausbäckigen Säuglingen mit Namen Linus und Clara. Letzte Woche wurde auch ich endlich Patin. Meine Kinder heißen Death Sexy Inc. oder Edith Schröder. Über die neue Aufgabe wurde ich per Pressetext informiert. Mein alter Kumpel Andreas hatte mich für ein von ihm veranstaltetes Krautrock-Electronica-Festival im SO36 als Patin auserkoren – und zwar, bevor ich überhaupt wusste, worum es ging. Mir war nur bekannt, dass eine Patin unterstützend agiert, und ich fand schon, dass auch ein Haufen Krautrockmusiker in Kreuzberg ein Recht auf Support hat. Wir besuchten also im Vorfeld des Festivals verschiedene Radiosendungen, um die Vorzüge meiner zu lauten und verhaltensauffälligen Patenkinder hervorzuheben. Wir ließen ihre Musik in schwindel-erregender Abfolge (Kunst!) einspielen und jede Menge Gästelistenplätze verlosen. Am Abend im Backstage angekommen des SO36 angekommen, sprachen meine zu Betreuenden fast ausschließlich Französisch. Und obwohl es häufig um triviale Themen wie Steuerabrechnungen ging, klang das immer sehr aufregend und inspirierend. Ich half dann mit Gesichtspuder und praktischen Handgriffen aus, schloss der drallen Edith Schröder den klemmenden Reißverschluss am Abendkleid. Später fand ich mich schwitzend wieder, mit Fingerfarbe an den Händen der Performancekünstlerin Miss France das Gesäß und den Rest des nackten Körpers in den Farben der französischen Nationalflagge einstreichend. Die Bühne betrat sie mit einem winzigen Fähnchen im Po, mit den Händen eine überdimensionale Frankreich-Flagge schwenkend. Der Veranstalter erläuterte am Bühnenrand, sie hätte die Professur für Transgender History in Paris abgelegt. Das erklärte natürlich einiges! Als Patin war ich erleichtert zu sehen, dass meine „Problemkünstler“ ihre Hausaufgaben gemacht hatten und die Live-Acts und Newcomer, so verschieden sie waren, ohne Ausnahme gefeiert wurden. Und das wird auch den Berliner Senat freuen, der das Festival erstmals finanziell unterstützte. „Wo alles klappt, übernimmt man gern die Verantwortung“, wusste schon der Aphoristiker Erhard Horst Bellermann. – Und weste wat, Horst? Recht haste! 

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