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Jackie A. entdeckt… Widerruf „Empfehlung Landleben“

Jackie A. entdeckt... Widerruf

Sehr geehrte/r Leser/in,

aus gegebenen Anlass (Auslandsaufenthalt) bedauere ich Ihnen mitteilen zu müssen, dass die Kolumne Heft 02/2016 so nicht mehr stimmt und ich Widerspruch einlege. Das von mir angepriesene Brandenburger Landleben ist zwar schön, jedoch musste ich feststellen, dass es sich in Thailand wesentlich schöner und auch kostengünstiger lebt. Als Beweismittel konnte ich eine Tüte Papayastücken für 40 Cent, eine Kokosnuss für 90 Cent, sowie eine Perücke für 20 Euro am Straßenrand sichern. Statt der Brandenburgüblichen angetauten Kuhfladen und unbewohnten Astlöcher fand ich ideale Lebensbedingungen, Palmen und Orchideen vor – umkreist von aufdringlichen, jedoch farbenfrohen Schmetterlingen. Leider sind meine Argumente für ein Leben in Berlin und Brandenburg damit obsolet und ich würde sofort zurückfliegen, wenn mein Mann sich nicht querstellen würde. Möglichen Einwänden, dass es sich als Tourist ja wohl überall herrlich lebt, möchte ich entgegenhalten, dass  ich über Verwandtschaft an benanntem Ort verfüge und damit über jene Insiderinformationen, die diesem Schreiben zu Grunde liegen. Ein entfernter, recht windiger Verwandter betrieb vor vor Ort einen Dienstleistungsbetrieb (Puff) und lud mich freundlicherweise ein, kostenlos in einem der Zimmer zu urlauben. Dies schien mir verlockend,  schlussendlich aber doch zu heikel. Stattdessen hielt ich mich an meine thailändische, eher bodenständige Tante, die mir zeigte, wie man Preise für Sammeltaxis verhandelt (schreiend!) und mir erste Worte in Thai beibrachte ( betrunken = mau, sehr betrunken = supermau). Weiterhin wurde ich über den Mietpreis für eine kleine Wohnung mit Aircondition informiert: 200 Euro. Als Hauptargumente für eine Ausreise möchte ich die Freundlichkeit sowie das Essen hervorheben. Nach drei Wochen Thai-Küche und Dauerbelächelung ging es mir so gut wie seit Jahren nicht mehr. Gerne würde ich etwas von dieser Freundlichkeitskultur nach Berlin importieren, befürchte aber den sofortigen Zusammenbruch des „coolsten Standortes der Welt“. Enttäuscht von Freundlichkeit und Vitaminen würden Touristen vorzeitig abreisen, Hotels und Restaurants gingen pleite und erste Demonstrationen gegen Lächeln und Südfrüchteverzehr im öffentlichen Stadtbild würden folgen. Um die hier ohnehin schon angespannte Situation nicht weiter zu belasten schlage ich vor, das Augenmerk weiterhin auf die Vorteile eines Lebens in unserer Region zu richten. Welche das im Winter genau sein könnten, recherchiere ich dann ein anderes Mal für Sie.  
Hochachtungsvoll, Jackie A.

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Widerruf „Empfehlung Landleben“

 

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