Stadtleben

Jackie A. über „ihr“ Pankow

Ein erster Kontakt zu Pankow ergab sich beim Amtsgericht. Die Scheidung vom Ex-Ehemann wurde in der Kissingenstraße abgewickelt. Danach schlenderten wir gemeinsam in Richtung Bürgerpark.
Es war ein Tag mit frühlingshaftem, weichem Licht. Wir tranken Kaffee unter freiem Himmel und auf der Wiese sah man Hasen am Löwenzahn nagen. Die Stimmung war so versöhnlich und schön, dass wir kurz überlegten, erneut zu heiraten.
Ein paar Monate später kam ich zurück, diesmal auf Wohnungssuche. Ich habe Leute auf der Straße gefragt, ob der Flugzeugverkehr sehr störend sei, wie hoch die Mietpreise wären und wie es sich allgemein so leben würde im Kiez. Ich traf nicht eine unfreundliche Person und hatte am Ende das Gefühl, ich würde halb Pankow persönlich kennen.

Mir fiel auch auf, dass auf den Straßen in Niederschönhausen überdurchschnittlich viele Katzen unterwegs waren. Sie saßen da überall: auf Gartenzäunen, Kühlerhauben und übergewichtig neben kleinen weißhaarigen Frauen auf restaurierten Balkonen. Die Schnarchhaftigkeit des Bezirks war allgegenwärtig und die Katzenschwemme stellte, neben der Abwesenheit des Berliner Hipstertums, einen weiteren Punkt auf meiner „Pro-Pankow-Liste“ dar.
Zuvor hatte ich fünf Jahre über einer Hardrockkneipe gewohnt. Danach wollte ich in ruhiger Nachbarschaft mit möglichst hohem Seniorenanteil leben. Das ist mir dann ja gut gelungen.

Drei Jahre wohne ich nun hier und kenne inzwischen auch die dunklen Seiten. An manchen Tagen sind Strecken des Trottoirs mit fußballgroßen, neonfarbenen Kreisen besprüht – in dessen Zentrum, etwas unspektakulär, vertrocknete Hundehaufen lagern. Ab und zu hängen noch Schilder im A4-Format darüber: „Achtung: unkultivierte Hundehalter!“ – solch ausgeprägte Kleinlichkeit macht mir natürlich Sorge.
Und bald werde ich den Bezirk wohl wieder verlassen. Allerdings nicht wegen eingekreister Hundehaufen. Innerhalb von drei Jahren wurde meine Miete bereits dreimal erhöht – beim nächsten Mal muss ich leider passen.

Text: Jackie A.
Foto: David von Becker

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