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Jochen Esser von den Grünen über die Zukunft des Yaam

Jochen Esser

tip Sind Sie verblüfft, dass der Yaam-Umzug immer noch auf der Kippe steht?
Jochen Esser?Das verblüfft mich außerordentlich. Vor einem Jahr hatten wir uns für eine zügige Behandlung des Problems eingesetzt. Bis heute haben wir kein Ergebnis.

tip Lassen Sie uns kurz rekapitulieren. Im Oktober 2012 wurde dem Yaam vom spanischen Grundstückseigentümer Urnova gekündigt. Kurz darauf hieß es, das Yaam werde durch einen Umzug an die Schillingbrücke, wo der Magdalena-Club ist, gerettet. Dazu müsse das Land das Grundstück an Friedrichshain-Kreuzberg übertragen.
Jochen Esser Im Januar haben wir bereits in einer beschleunigten Aktion im Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds gesagt: Okay, der Liegenschaftsfonds übergibt das Grundstück an den Bezirk, damit das Yaam dort drauf kann.

tip Erst Hauruck, dann monatelang Stillstand: Ist das Beschleunigung nach Berliner Art?
Jochen Esser Dass auf diesen Schritt vorwärts elf Monate rückwärts folgen, ist äußerst ärgerlich.

tip Die Grundstücksfrage hängt seit Sommer im Vermögensausschuss des Parlamentes fest. Wenn bei der letzten Sitzung am 12. Dezember wieder keine Entscheidung fällt, ist der Umzug kaum zu schaffen. Woran hakt es denn seit elf Monaten?
Jochen Esser Weil offensichtlich der Senat und der Bezirk sich verkracht haben, wer eigentlich für die geschätzten fünf Millionen Euro zur Sanierung der maroden Uferwand aufkommt. ?Da haben früher immer alle gehofft, das müsse sowieso der Bund übernehmen.

tip Der Bund ist für Wasserstraßen zuständig.
Jochen Esser Aber es stellt sich nun raus, dass das in Berlin an vielen Stellen strittig ist. Zum Beispiel eben auch an der Schillingbrücke. Wenn tatsächlich der Bund nicht dafür aufkommt, ist die Frage, ob dann die Kasse des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg oder des Landes Berlin dafür zahlen muss.

tip Das lässt sich seit einem Jahr nicht klären?
Jochen Esser Das Yaam ist der Leidtragende einer Auseinandersetzung zwischen dem Bezirk und der Finanzverwaltung. Ich erwarte da schlichtweg eine Einigung zwischen Senat und Bezirk. Da am Ende sowieso die Landeskasse zahlt, entweder über ein Defizit in Kreuzberg oder direkt über die Finanzverwaltung, sollte die Finanzverwaltung die Größe haben, dafür einzustehen.

tip Was sagt uns das über Berlins Verwaltung?
Jochen Esser Das ist völlig verrückt: wenn das, was alle am meisten interessiert, die Rettung dieses Projekts, jetzt daran scheitern würde, weil die Zeit abläuft. Selbst wenn man das alles noch schafft: Was das die Leute vom Yaam für Nerven kostet, diese Hängepartie, das ist eigentlich unglaublich.

Interview: Erik Heier

Foto: Marco Urban / www.marco-urban.de

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