Stadtleben

John Kunkeler – Der Ausdauermann

John_Kunkeler_DvB„Da geht eine Tür auf, dort fällt eine Tür zu – so etwas kann man ja nicht planen, das Leben hält sich einfach nicht an einen Masterplan.“ So etwas sagt einer, der es immerhin mit einem Plan zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Genauer: mit dem Streckenverlauf des Berlin Marathons. Rekorde werden hier gebrochen, Teilnehmerrekorde und Streckenrekorde. Und John Kunkeler ist der Mann, der diese Strecke entworfen und vermessen hat. In einer seiner Leidenschaften, aus der andere längst einen Broterwerb gemacht hätten.

Für den gebürtigen Holländer ist Laufen indes eine Lebenseinstellung. Genauso wie der Jazz. Mit Letzterem immerhin verdient er seit 1997 auch sein Geld. In jenem Jahr, in dem Türen zufielen und andere sich öffnen sollten, hat er das Schlot, Ecke Chaussee- und Invalidenstraße, übernommen, Jazzclub, Jazzkneipe, Musikschule. 47 Jahre alt war er da, ein Langstreckenläufer in der Mitte seines Lebens. Marathonbestzeit: 2:27 Stunden.

Die Tür, die zufiel, hatte seine Frau zugezogen. Und mit der Scheidung schied Kunkeler auch aus dem Schuldienst aus. Französisch hatte er vor allem unterrichtet. Vormittags auf Vertretungsstellen, die längste Zeit an einem Kreuzberger Oberstufenzentrum. Abends an der Volkshochschule. Daneben noch der Einsatz für einen Wilmersdorfer Sportverein oder Kreuzberger Kneipenkollektive. „Ich glaube ohnehin, dass das früher leichter und schneller ging, das Wechseln und auch das Nebeneinander der Jobs. Die sprichwörtlichen Taxifahrer etwa, die dann doch irgendwann an der Uni untergekommen sind.“ Darüber hinaus hatte sich der Holländer aber schon in den 70er-Jahren über das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen gewundert: „Selbst im wilden Kreuzberg traf ich da Leute, deren Leben hatte noch nicht mal richtig begonnen und die haben nur an ihre Rente gedacht.“

Apropos: Auf seinem Rentenbescheid sieht Kunkeler schwarz auf weiß, dass er vor 16 Jahren in die Selbstständigkeit gewechselt ist. Weshalb er – in dieser Woche feiert er seinen 66. Geburtstag – eben auch noch nicht in Rente ist. Dafür hat John Kunkeler, der Familienmensch, aus seinem Lebensthema ein Familienunternehmen gemacht. Sein Sohn Piet schmeißt mit ihm gemeinsam das Schlot, Tochter Julia hat sein Engagement für das Jazz Festival Berlin übernommen.

Geplant hat John Kunkeler das alles nicht. Er glaubt, wie gesagt, ja an keinen Masterplan. „Wenn meine Ehe damals nicht in die Brüche gegangen wäre, würde es das Schlot und genauso den Berlin Marathon in seiner heutigen Form nicht geben.“

Text: Clemens Niedenthal

Foto: David von Becker

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