Stadtleben

Jon von Wetzlar über Imbissbuden

Jon von Wetzlertip Herr von Wetzlar, Sie essen weder Fritten noch Currywurst. Was macht für Sie den Reiz der Imbissbude aus?
Jon von Wetzlar Ich esse Fritten und Currywurst, aber nicht an den Buden, die ich beschreibe. Mich interessieren vor allem verranzte Buden, die ein Leben haben und was erzählen können.

tip Wie das?
von Wetzlar So eine Bude hat viele Narben: Anstriche, Um- und Anbauten, da hängen handgeschriebene Sonderangebote, das ist spannend. Sie wird meistens vom Besitzer gestaltet, das sind alles Indizien für Persönlichkeit.

tip In Ihrem Buch „Urbane Anarchisten“ ist die Bude ein Symbol für Anarchie.
von Wetzlar Diese kleinen Bauwerke sind eher Symbole des Sich-nicht-anpassen-Wollens. Sie scheren sich nicht darum, was um sie herum passiert. Sie erkennen keine Autoritäten wie Architekten und Stadtplaner an. Dieses Unautoritäre ist eine letzte private Äußerung im Stadtbild.

tip Was zieht uns zur Bude?
von Wetzlar Jeder kennt ’ne Bude, wo es gut schmeckt. Doch es gibt eine Differenz zwischen der privaten und der öffentlichen Meinung. Die Buden werden aus dem Stadtbild verdrängt, weil sie hässlich sind.  

tip Was macht die Imbissbude  zum Kulturgut?
von Wetzlar Sie ist für viele Leute wichtig und darum Alltagskultur. Und auch die ranzige Bude sollte toleriert werden. Die Frage ist: Wie viel Asozialität akzeptiere ich. Denn auch die Leute, die stinken und obdachlos sind, müssen sich irgendwo treffen. Stadt kann nicht nur schön und sauber sein, sondern Stadt muss auch dreckig sein.

 

Interview: Pauline Piskac

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

 

www.imbiss-bude.de

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