Kommentar

„Kaltes Herz“ von Eva Apraku

Haben Sie auch schon Ihre warmen Wintersachen aus dem Schrank geholt? Und die Heizung ein bisschen aufgedreht? Die Erfahrung lehrt ja: Wenn man es angenehm mollig hat, kann der Winter auch sehr schöne Seiten haben.

Eva Apraku

In Berlin aber leben viele Tausend Menschen, für die es jetzt ans Eingemachte geht. Es sind die vielen Obdachlosen, die unter Brücken, an Bahndämmen oder in provisorischen Zelten in irgendwelchen Grünanlagen nächtigen. Viele von ihnen sind völlig aus dem System rausgefallen, zu verwirrt und krank, um längerfristig Hilfe zu suchen. Andere sind Armutsflüchtlinge, häufig aus Osteuropa, und haben schlicht den falschen Pass, um Ansprüche auf Hilfe geltend machen zu können. Die zehrende Existenz auf der Straße kostet im Schnitt 25 Lebensjahre, weiß man bei der Berliner Stadtmission, einem wichtigen Anbieter der völlig unzureichenden Anzahl an Notübernachtungsmöglichkeiten.
Einrichtungen wie die Berliner Stadtmission finanzieren ihre Hilfe für Straßenobdachlose vorwiegend aus Spenden. Denn der Senat von Berlin fühlt sich für die Ärmsten aller Armen kaum verantwortlich: Zehn Jahre ist es her, als er zum letzten Mal die Zahl der Straßenobdachlosen erhob – die seitdem explodiert sein dürften. Wird hier nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ weggeguckt? Diese Vermutung liegt nahe. Hamburg, das nur halb soviel Bewohner hat, hält sich über seine Obdachlosenzahlen stets auf dem Laufenden – und bietet deutlich mehr Notübernachtungsplätze an. Berlin sollte sich ein Beispiel nehmen.

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