• Stadtleben
  • Karneval der Kulturen 2022 wieder abgesagt: Das sind die Gründe

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2022 wieder abgesagt: Das sind die Gründe

Bisher hatten das Organisationsteam noch gehofft – aber es war am Ende hoffnungslos: Der Karneval der Kulturen 2022 ist abgesagt worden. Die Lage lasse es das dritte Jahr in Folge nicht zu, die riesige Veranstaltung umzusetzen, erklärten die Verantwortlichen. Mit Mini-Events sollen Karneval-Ultras zumindest ein bisschen Glück finden.

Der Karneval der Kulturen wird auch 2022 ausfallen. Die Absage ließ sich nicht mehr vermeiden – nach 2020 und 2021 ist es das dritte Jahr ohne. Foto: Imago/Christian Spicker

Karneval der Kulturen: Einzäunung ist nicht möglich

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage sei eine Durchführung des Karnevals der Kulturen nicht möglich. Eine derart riesige Straßenveranstaltung lässt sich nicht an die Vorgaben und Kontrollnotwendigkeiten anpassen – eine notwendige Umzäunung mit Eingängen, an denen Personen kontrolliert werden könnten, sei nicht machbar, heißt es seitens des Teams.

Natürlich sei der wiederholte Ausfall des Karneval der Kulturen ein schwerer Schlag für alle Beteiligten und die Menschen in Berlin, „die mit großer Vorfreude auf ein Pfingsten mit transkultureller Vielfalt in den Straßen Berlins gewartet haben.“

Aufgeben will das Team natürlich nicht ganz: „2022 soll genutzt werden, um in einem umfänglichen partizipativen Verfahren das Konzept des Karnevals zu überdenken. Dieses Beteiligungsverfahren findet mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa statt und soll gemeinsam mit allen Akteur:innen und denen, die es werden wollen, eine neue Vision für den Karneval entwickeln.“ 2023 soll die Veranstaltung dann mit neuer Strategie kraftvoll in die Zukunft starten.

Karneval der Kulturen 2022 abgesagt: Das Orga-Team sieht keine Chance. Foto: Imago/Pop-Eye

Karneval der Kulturen will sich bis 2023 neu erfinden

Offenbar geht das Team davon aus, dass die Pandemie die Planbarkeit von Großveranstaltungen wie dem Karneval der Kulturen langfristig verändern wird – oder schon hat. „Covid-19 hat das Leben und die Gesellschaft verändert, und auch Berlin ist eine andere Stadt als vor 25 Jahren. Diese Aspekte müssen bei einer Neuausrichtung der Veranstaltung in die Diskussion einfließen“, heißt es in der Mitteilung. 1996 hatte es den ersten Karneval der Kulturen gegeben.

Die Verantwortlichen nehmen demnach diese Veränderungen „als Chance wahr, sich den gesellschaftspolitischen Herausforderungen zu stellen“. Konkretes, wie die Veranstaltung in Zukunft aussehen könnte, gibt es derzeit noch nicht.

Die langjährige Leiterin des Karnevalbüros, Nadja Mau, bei der alle Fäden zusammenliefen, wird den Karneval nach Beginn dieses partizipativen Verfahrens verlassen, um sich neuen Herausforderungen zuzuwenden. Sie sieht in einen Neustart der Veranstaltung nach einer dreijährigen Pause einen geeigneten Moment, um eine neue Leitungsstruktur zu entwickeln.

Das neue Leitungsteam des Karnevals der Kulturen ist gewählt

Geraldine Hepp, Mitbegründerin von Amani Institute, einem Weiterbildungsinstitut für Führungskräfte mit sozialer Innovation und EAST (East African Soul Train), einer transdisziplinären Residenz auf Zügen, lebte und arbeitete in den letzten zehn Jahren in Kenia, Brasilien, Indien und den USA, nennt Berlin aber seit 2004 Wahlheimat. Sie studierte internationale Kunst und Kulturmanagement an der Leuphana Universität. 

Aissatou Binger ist gebürtige Berlinerin und als Kuratorin der Black Atlantica Bühne des Straßenfests und ehemaliges Beiratsmitglied schon länger mit dem KdK verbunden. Sie bringt Erfahrung in der politischen Bildungs- und Kulturarbeit mit, studierte Ethnologie/Afrikastudien und Erziehungswissenschaften (BA) und setzte sich vor allem mit populären Musikstilen und Interpreten im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Prozessen auseinander. Sie arbeitete u.a. im Kollektiv Freak de L’Afrique und beim BDB e.V. Ihr Fokus liegt auf der Wirkungskraft von Kunst und Musik.

Karneval der Kulturen 2022: Ein bisschen Alternativprogramm

Die Macher wollen zumindest im Kleinen ein wenig Karneval-Feeling aufkommen lassen, weswegen es 2022 die „Funken“ gibt, kleinere Events, die etwas über den Verlust hinwegtrösten sollen. „Funken“ nennen die Macher:innen diese Ereignisse.

5. Juni Kulturbrauerei (Prenzlauer Berg), 12.30 Uhr bis 19 Uhr 

Am Pfingstsonntag funkt’s im Herzen der Stadt! Gruppen des Straßenumzugs bespielen Hof 1 der Kulturbrauerei sowie den Frannz-Biergarten.

  • 12:30 Kulturverein Ljjiljan e.V.
  • 12:45 Canoafolk
  • 13:15 Marafoxe Nação Nago
  • 13:30 United African Culture
  • 14:00 Kulturverein Ljjiljan e.V.
  • 14:30 Canoafolk
  • 15:00 Amistad Salsera
  • 15:30 Berlin Indiawaale
  • 16:00 Grasslander e.V. Ngote
  • 16:30 Beides!
  • 17:15 Ginga Brasil & Furiosa
  • 18:00 Berlin Indiawaale
  • 18:30 Ginga Brasil & Furiosa

21. Juni Fête de la Musique, Park am Gleisdreieck (Kreuzberg), 14 Uhr bis 21 Uhr 

 In Planung befinden sich zudem Auftritte im Spätsommer. Updates zu den „Funken“ findet ihr hier.


Mehr zum Thema

Der Karneval der Kulturen findet seit mehr als 20 Jahren statt – die besten Bilder. Neues aus der Stadt und über das Leben darin in unserem Stadtleben-Ressort. Was in Sachen Kultur in Berlin los ist, erfahrt ihr hier.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad