Stadtleben

Keine Lust

Es hat etwas Rührendes, dass das Lust-Prinzip selbst in den eher tristen Etagen der Berliner Kulturverwaltung noch seine Anhänger hat, und das gleich ganz an der Spitze, im Büro des Kulturstaatssekretärs Andrй Schmitz. Wie souverän Schmitz seinen Launen folgt, durften Barbara Burkhardt und Franz Wille, Redakteure beim Fachblatt „Theater ­heute“, vor Kurzem erleben. Dabei hatten sie nichts Böses getan, sie machten nur ihren Job und stellten Schmitz in einem Interview ein paar Fragen zu den vielen Baustellen der Berliner Kulturpolitik: Musste es wirklich sein, Castorfs Vertrag an der Volksbühne bis zum Renteneintrittsalter zu verlängern? Ist es hilfreich, wenn von Peymann bis Ostermeier Intendanten ihren Posten als Pfründe auf Lebenszeit missverstehen? Wird Ulrich Khuon am Deutschen Theater verlängert? Weshalb sind Berliner Theater schlechter finanziert als vergleichbare Häuser andernorts? Weshalb lässt sich die Politik unverantwortlich viel Zeit bei der Suche nach einem Nachfolger für Armin Petras am Maxim Gorki Theater? Routinefragen, kein Grund, sich aufzuregen. Zumindest nicht für einen Kulturpolitiker, der weiß, was er tut.

Burkhardt und Wille wunderten sich nicht schlecht, als Schmitz das Gespräch abrupt beendete. Die Fragen behagten ihm nicht. Er hatte „keine Lust“ mehr. Vielleicht hätte ihm ein Referent vorher sagen sollen, dass Amüsement nicht das Hauptziel eines Interviews ist. Die von Schmitz so offenherzig demonstrierte Mischung aus Argumentationsschwäche und einer etwas albernen Arroganz der kleinen Kulturstaatssekretärsmacht beantwortet alle Fragen zur Lage der etwas konfusen Berliner Kulturpolitik in erfrischender Deutlichkeit.

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